Kommentar
03.05.2010 -
Auslandsmarketing
„Es geht ja auch ohne Werbung“, wird sich mancher deutscher Produzent von Nahrungsmitteln sagen, wenn er die Exportzahlen des vergangenen Jahres betrachtet. Nach dem Wegfall der CMA und somit ohne zentrale Marktingkoordinierung ist die Ausfuhr deutscher Nahrungsmittel insgesamt nur um 4,8 % gesunken. Dies ist im Vergleich zum deutlichen Einbruch der Exporte der übrigen Wirtschaft von 18 % relativ wenig.
Der Absatz von Fleischwaren und lebendem Vieh ist 2009 sogar noch gestiegen. Trotz des Wegfalls der bislang fast 160 Mio. € im Jahr an Absatzförderung konnte Deutschland den dritten Platz der weltweit größten Agrarexporteure behaupten. Doch scheint diese Denkweise sehr kurz ausgerichtet. „Wer auf Werbung verzichtet, wenn der Absatz läuft, der koppelt in voller Fahrt die Lokomotive von einem Zug“, so die Aussage eines erfolgreichen US-Kaugummiproduzenten.
Die Rolle dieser Lokomotive soll in Deutschland die Exportorganisation Gefa (German Export Association for Food and Agri Products) übernehmen. Gegründet wurde diese Organisation durch Fachverbände der Ernährungsindustrie, Landtechnik, Tier- und Pflanzenzucht. Auch der Bauernverband, der Raiffeisenverband und die DLG sind mit im Boot. Kürzlich wurde auch die Aufnahme der Bundesländer Bayern und Schleswig-Holstein als Fördermitglieder beschlossen.
Weitere Bundesländer haben ihr Interesse an einer Mitgliedschaft geäußert. Durch die Gefa sollen neue Exportmärkte erschlossen werden, man möchte Präsenz im Ausland zeigen, Kontakte knüpfen und somit Käufer für deutsche Produkte finden. Die Gefa legt Wert auf eine schlanke Struktur. Angesichts der überall knappen Mittel will man sich auf wenige Erfolg versprechende Ziele konzentrieren, die den Stärken der hiesigen Land- und Ernährungsindustrie entsprechen. So wird derzeit an einem Veterinärabkommen mit China gearbeitet, um die Lieferung von Schweinefleisch zu ermöglichen.
Finanziert werden soll die Arbeit durch Beiträge der Verbände sowie durch Bundes- und EU-Mittel. Doch mit Blick auf die lange Wunschliste der Vertreter der Institutionen sowie auf die Etats der Absatzförderungsorganisationen der EU-Nachbarländer möchte man auch wieder die Landwirte als Beitragszahler in das Boot holen. Vor allem die Milchindustrie, aber auch die Schlachtereien denken darüber nach, wie sie die Erzeuger finanziell beteiligen können. Hier muss genau abgewogen werden, welche Seite von den Werbeaktionen einen konkreten Nutzen hat, um mögliche Beiträge zu rechtfertigen. Nach der Verwaltung des großen CMA-Fördertopfes muss somit jetzt ein professionelles Markting durch eine kleine, aber schlanke Marketingorganisation folgen.
Etwa ein Fünftel der hierzulande erzeugten Molkerei- und Fleischprodukte muss im Ausland abgesetzt werden. Während viele Großkonzerne die Auslandgeschäfte über eigene Vermarktungswege abwickeln, sind besonders die mittelständigen Betriebe auf Hilfe im Exportbereich angewiesen. Deren Dachverband, die Organisation Food – Made in Germany (FmiG), ist gerade der Gefa beigetreten.
Während für die Exportförderung somit ein gemeinsamer Weg gefunden worden ist, geht man in der Inlandswerbung eher getrennte Wege. So sind nach dem Ende der CMA beispielsweise ein Verband Deutscher Mühlen (VDM) oder eine Informationsgemeinschaft Deutsches Geflügel (IDEG) beziehungsweise Informationsgemeinschaft Deutsches Ei (IDEi) gegründet worden. Auch der Milchindustrieverband sucht nach Möglichkeiten, die Inlandswerbung zu forcieren, wobei sich auch die Milchviehhalter finanziell beteiligen sollen.
Karsten Hoeck, LK-Markt





