Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

26.04.2010 -  

Hoffnung auf steigende Preise?

Die Witterung sorgt derzeit für beste Auspflanzbedingungen für Kartoffeln. Die unter Folien angebauten Knollen sind bereits seit über14 Tagen im Boden. Die derzeitigen Auspflanzungen der Freilandware von frühen bis hin zu späteren Sorten sollen bis Anfang Mai abgeschlossen sein. Dann ist man wieder im Rhythmus der Vorjahre angekommen. Die durch den langen Winter verzögerten Bestellarbeiten konnten in diesem Bereich somit wieder aufgeholt werden.
Anders sieht es dagegen aber  in anderen Regionen aus. So wird insbesondere bei den Auspflanzungen von Frühkartoffeln in den Hauptanbaugebieten Niedersachsens und dem Rheinland von Verzögerungen berichtet. Dagegen zeigt man sich mit den Auspflanzungen im Südwesten des Bundesgebietes zufrieden. In Bayern sind die Auspflanzungen auch noch nicht weit vorangeschritten. Im Vergleich zu den Vorjahren ist es auch noch vergleichsweise kalt, sodass das Wachstum eingeschränkt ist. Aber nicht nur in Deutschland zeigen sich Verspätungen in den Auspflanzungen, auch im europäischen Ausland hinkt man den Vorjahren hinterher. So wird in Belgien von einer zehntägigen Verzögerung berichtet. In Spanien und Portugal sollen Niederschläge im Dezember und Januar die Auspflanzarbeiten behindert haben. Dieses dürfte sich auf den Erntezeitpunkt auswirken. Die Lieferungen von Frühkartoffeln aus dem Mittelmeerbereich, speziell aus Italien werden nach Meinung von Marktbeteiligten verzögert und zudem kleiner ausfallen. Über die reduzierte Anbaufläche in Zypern werden aus dieser Region ebenfalls weniger Frühkartoffeln zur Verfügung stehen.
In den letzten Wochen wurde zudem über verstärkte Lieferungen von Frühkartoffeln aus Ägypten Richtung Schwarzmeeranrainerstaaten berichtet. Angeblich wären diese Käufer nicht so kritisch, und darüber hinaus würden niedrigere Transportkosten anfallen.
In jüngsten Meldungen aus Frankreich wird von teuren und reduzierten Lieferungen aus Israel berichtet. Darüber hinaus sollen diese Kartoffeln auch in andere Länder exportiert worden sein, beispielsweise Richtung Großbritannien. Die Forderungen sollen auch hier angezogen haben.
In Deutschland wird das Gros an Frühkartoffeln derzeit aus Ägypten bezogen. Ein Teil der Lieferungen ist bereits in den Kühllägern zwischengelagert worden. In der letzten Woche wurde das altbekannte Problem des Befalls mit Kartoffelschleimfäule bekannt. Nicht bei einer Lieferung Richtung Deutschland, sondern in den Niederlanden. Die Herkunftsregion in Ägypten wurde daraufhin für den Export gesperrt. Ob es dadurch weitere Ausfälle für den deutschen Markt gibt, ist heute noch nicht absehbar.
Aus dem Dargelegten wird aber deutlich, dass das Angebot an importierten Frühkartoffeln kleiner ausfallen und zudem später auf den Markt kommen könnte. Zudem werden auch die hiesigen Frühkartoffeln etwas später erwartet. Zusätzlich erwarten viele Marktbeteiligte eine Einschränkung der Anbaufläche. Erste Schätzungen für Schleswig-Holstein gehen von einer Einschränkung bis zu 7 % aus.
Damit erhöhen sich die Chancen einer besseren Vermarktung der alterntigen Ware, aber auch die Perspektiven der heranwachsenden Ernte verbessern sich. Zurzeit überschatten Qualitätsprobleme von Kartoffeln aus Flachlägern die positiven Aussichten. Bei einem drängenden Angebot dieser Partien geraten auch gute und qualitativ hochwertige Kartoffeln unter Druck. Überregional wird bereits von einer Belebung der Nachfrage berichtet, teils zeigen sich auch schon Preisaufschläge. In den Vorjahren wurde speziell im Südwesten auf französische Herkünfte zurückgegriffen. Diese stehen aber nur begrenzt zur Verfügung und sind zudem teuer.
Vor diesem Hintergrund sind Hoffnungen auf eine Preissteigerung durchaus berechtigt. Dieses gilt zunächst einmal für die alterntigen Knollen. Sollten sich die Schätzungen über Anbaueinschränkungen verdichten, eröffnen sich auch positive Perspektiven für die heranwachsende Ernte. 

Bernd Irps, LK-Markt

 


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