Kommentar
12.04.2010 -
Wohin entwickelt sich der Rapspreis?
Entgegen vielen Erwartungen hat sich der Rapspreis in den vergangenen Wochen und Tagen auf dem erreichten Niveau gut behaupten können. In der vorigen Woche wurde sogar die Grenze von 300 €/t an den Börsen überschritten – eine Entwicklung, die von vielen Marktbeteiligten so nicht erwartet worden war.
Aber die Preise haben sich nur für den vorderen Termin — sprich für die alte Ernte – nach oben bewegt, die hinteren Termine konnten sich nur auf dem bisherigen Niveau behaupten. Die neuesten Notierungen weisen schon wieder ein schwächeres Niveau aus.
Warum konnte sich der aktuelle Rapspreis so nach oben bewegen? In erster Linie war es wohl der Sog der Ölmühlen am Kassamarkt. Die Verarbeitung von Raps hatte zwar schon im Laufe des Wirtschaftsjahres oberhalb des Vorjahres gelegen, aber es scheint weiter großes Interesse seitens der Ölmühlen an dem Rohstoff Raps zu bestehen. Hängt dieses möglicherweise auch mit dem schwindenden Angebot an Rapssaat zusammen? Oft werden die vergleichsweise hohe Rapsölnotierung und insbesondere der hohe Rapsschrotpreis im Hinblick auf einen auskömmlichen Schlaglohn als maßgeblicher Grund angeführt. Zwischenzeitlich hatte über den fallenden Sojaschrotpreis auch der Rapsschrotpreis eine Schwächephase durchlaufen, die neuerlichen Notizgewinne beim Sojaschrot zogen auch wieder die Rapsschrotpreise mit nach oben. Durch Streiks argentinischer Hafenarbeiter hat es große Probleme bei der Verschiffung gegeben. Dieses wirkt sich besonders auf den Weltmarktpreis für Sojaschrot aus, da Argentinien der weltgrößte Exporteur dieses Schrotes ist.
Ob die Nachhaltigkeitsverordnung, die ab dem 1. Juli diesen Jahres greift, einen Vorteil oder Nachteil beinhaltet, wird skeptisch beurteilt. Zumindest kommt ein möglicher Vorteil zurzeit nicht in den Notierungen für die neue Ernte zum Ausdruck. Hat man bei den vorderen Terminen eher den Eindruck, dass sich die Preise für den Raps von der Entwicklung der Sojabohne in den USA ein wenig abkoppeln, so scheint die Sojabohne aber für die hinteren Termine wieder die Richtung vorzugeben.
Die jüngsten Schätzungen über die Bestände und die Anbauplanung in den USA haben die Notierungen wieder stark beeinflusst. So lagen die Schätzungen über die Bestände im oberen Bereich der Markterwartungen, was zu entsprechenden Verkäufen an der Börse führte. Die geschätzte Anbaufläche lag im Bereich der Erwartungen, das heißt es wird von einer Ausweitung von 1,2 % ausgegangen. Damit dürfte sich die Versorgungslage bei den Bohnen weiter verbessern. Auch aus Brasilien wird die geschätzte Ernte weiter bestätigt, teils werden noch höhere Schätzungen herausgegeben.
Das war Anlass genug auch für die Fondsgesellschaften, sich von diesem Markt etwas zurückzuziehen, das heißt zu verkaufen und damit den Markt unter Druck zu setzen. Damit rutschten die Notierungen unter einen Durchschnitt, der wiederum an der Börse Verkäufe auslöste und so zu weiteren Notizverlusten führte. Diese deutliche Abwärtsbewegung konnte auch nicht von dem stabilen bis festen Rohölmarkt gestoppt werden. Mittlerweile haben sich die Märkte wieder etwas beruhigt, sodass auch beim Raps an der Matif nach den Preisabschlägen wieder leichte Preisaufschläge zu verzeichnen waren.
Diese kurze Abriss macht deutlich, dass sehr viele Faktoren außerhalb des reinen Rapsmarktes den Preis beeinflussen, kurzfristig sind damit Preisausschläge möglich, die man nutzen sollte. Längerfristig zeigen die hohen Ernteerwartungen der Sojabohne in den USA und auch die derzeit gut laufende Sojabohnenernte in Südamerika eher einen unveränderten bis schwächeren Kurs an. Die Preise in den Vorkontrakten bewegen sich im Bereich um die 280 €/t ex Ernte und liegen damit deutlich unterhalb der derzeitigen Preisgebote. In den Vorjahren waren die Unterschiede wesentlich geringer, was auch eine Angleichung in den nächsten Wochen erwarten lässt. Es gilt dabei aber als unwahrscheinlich, dass sich die Preise für die neue Ernte deutlich nach oben bewegen.
Bernd Irps, LK-Markt





