Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

01.04.2010 -  

Ostergeschäfte eher enttäuschend

Wenn Weihnachten oder Ostern gefeiert wird, gehört ein gut gedeckter Tisch einfach dazu. Entsprechend hoffen die Erzeuger und die Vermarkter von Lebensmitteln auf eine rege Nachfrage im Vorfeld der Festtage. Obwohl es vielen von uns so vorkommt, kommen die Feiertage nicht plötzlich und überraschend, sondern stehen schon lange vorher im Kalender. Entsprechend haben alle Marktbeteiligten Zeit, sich darauf einzustellen. So wird oftmals die Produktion so gesteuert, dass der Vermarktungszeitpunkt in das Feiertagsgeschäft fällt. Da zum Zeitpunkt der höheren Nachfrage auch ein größeres Angebot zur Verfügung steht, verhalten sich die Erzeugerpreise dann oft nicht so, wie von den Landwirten gewünscht. Häufig haben andere Markteinflüsse, unabhängig von dem Feiertagsgeschehen, mehr Einfluss auf die Preisbildung. Ist somit die Feiertagsnachfrage zu vernachlässigen und nur eine Standardparole der Marktberichterstatter, oder gibt es Märkte, die sich, zum Beispiel jetzt vor Ostern, spürbar belebt haben?
Im Handel mit Schlachtrindern hat die anziehende Nachfrage nach edlen Festtagsbraten den Bedarf an höherwertigen Fleischartikeln vom Rind wieder belebt. Da sich jedoch gleichzeitig die Geschäfte mit anderen Fleischartikeln, zum Beispiel aus dem Vorderviertelbereich, beruhigt haben, erlösen die Schlachtbetriebe je Mastbulle nur das bisherige Geld. Die Erzeugerkurse konnten sich somit nur knapp behaupten. Dazu kam, dass das Angebot an lebenden Schlachtbullen höher war als von vielen erwartet. Auch fand sich in vielen Kühltheken noch relativ häufig Rindfleisch aus Südamerika, obwohl man bislang von eingeschränkten Lieferungen aus dieser Region ausgegangen ist. Dagegen zeigt sich das Angebot an Schlachtkühen oftmals nicht ausreichend. Die Erzeugerpreise haben sich hier stetig nach oben entwickelt, obwohl diese Fleischartikel eher nicht zu den typischen Festtagsbraten zählen.
Dagegen zeigen andere Märkte mit Festtagsartikeln eine saisontypische Entwicklung. Da derzeit Kalbfleisch und Lammbraten gefragt sind, sind auch die Erzeugerpreise erwartungsgemäß gestiegen, und dies, obwohl günstige Importware zur Verfügung steht. Der Absatz von Schweinefleisch wird eher wenig durch das Festtagsgeschehen beeinflusst, auch wenn hier einzelne Edelteile stärker nachgefragt sind. Dennoch haben sich die Kurse nach einer Schwächephase zum Monatsbeginn wieder stabilisiert. Hier ist die Ursache jedoch eher die Hoffnung auf eine früh einsetzende Grillsaison.
Besonders untypisch zeigte sich der Verlauf der Erzeugerpreise für den Osterartikel schlechthin: das Hühnerei. Durch die Einschränkung der Käfighaltung in Deutschland hat sich die Eierproduktion hierzulande deutlich reduziert. Obwohl die Hühnerhaltung in alternativen Haltungsformen ausgeweitet worden ist, hat sich die Eigenversorgung in Deutschland spürbar reduziert. Von vielen wurde bereits ein Eiernotstand zu den Feiertagen vorhergesagt, und die Kurse haben bereits vor Wochen angezogen. Doch zuletzt zeigen sich auch hier die regulierenden Kräfte des freien Marktes, indem die Einfuhren aus den Nachbarländern (mit Käfighaltung) deutlich zugenommen haben und sich die Nachfrage, zum Beispiel der verarbeitenden Industrie, reduziert hat. Die Erzeugerkurse tendierten somit vor den Feiertagen eher etwas schwächer. Obwohl die letzte Woche vor dem Osterfest im Eierhandel wieder recht hektisch verlaufen könnte, wird eher nicht mit einem „Eiernotstand“ gerechnet.
Da die Verarbeitungsbetriebe schon Wochen vor den eigentlichen Festtagen die Produktion erhöhen und  einen entsprechenden Rohstoffbedarf zeigen, hat sich der Handel direkt vor dem eigentlichen Ereignis oft wieder beruhigt. Wenn sich jedoch während der Einkäufe des Festtagsbedarfs der Verbraucher in einzelnen Segmenten Deckungslücken ergeben, kann sich die Nachfrage hier  plötzlich deutlich erhöhen. Dies war zum Beispiel um Weihnachten des vorigen Jahres der Fall, als plötzlich Rindfleisch an den Verkaufstresen ausverkauft war. Der kurzfristig erhöhte Bedarf an Schlachtrindern konnte da nur über höhere Preise mobilisiert werden. Somit zeigt sich, dass es selbst bei einer sorgfältige Angebots- und Nachfrageplanung doch zu Überraschungen im Festtagsgeschäft kommen kann.

Karsten Hoeck, LK-Markt

 


transparent  


[Gesamtansicht] · [drucken] · [top]