Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

29.03.2010 -  

Brauchen wir die Intervention noch?

Vor zwei Jahren, bei den höheren Getreidepreisen dachte keiner mehr an die Intervention, vielfach wurde sogar die Abschaffung dieses Instruments gefordert. Einige mahnten aber  die Funktion  als Sicherheitsnetz an. Man hat zwar in den vergangenen Jahren kontinuierlich diese Möglichkeit der Marktregulierung reduziert, für Teilbereiche ist dieses System  weiter existent und relevant. Für Roggen wurde vor ein paar Jahren die Interventionsmöglichkeit abgeschafft. Für dieses Getreide musste ein anderer Absatz gefunden werden. Heute wird ein Teil davon zu Bioethanol,  ein Großteil wird in der Fütterung eingesetzt.
Für das laufende Wirtschaftsjahr hat man mit einer Festsetzung der Maisinterventionsmenge auf null die Intervention  faktisch abgeschafft, obwohl rein theoretisch die Möglichkeit einer Wiedereröffnung damit noch vorhanden ist – woran aber keiner glaubt. Für Gerste ist ab dem Wirtschaftsjahr 2010/11 das gleiche Prozedere vorgesehen.
Das heißt, ab dem Wirtschaftsjahr 2010/2011 besteht nur noch die Möglichkeit, Weizen zu intervenieren, wobei die Menge auf 3 Mio. t. begrenzt wird. Es gibt für den Zeitraum vom 1. November 2010 bis 31. Mai 2011 einen einheitlichen Preis von 101,31 €/t, das heißt es gibt keine monatlichen Reports mehr. Dieses kann auch als Senkung des Interventionspreises interpretiert werden. Darüber hinaus bedeutet auch die Möglichkeit der Erhöhung der Interventionsmenge über Ausschreibungen eine weitere Reduzierung des Preises. Es sollen nur Angebote unterhalb des Interventionspreises akzeptiert werden.
In der laufenden Saison wurden der Intervention von den Mitgliedstaaten der EU rund 4,1 Mio. t Gerste angedient, davon wurden 2,06 Mio. t bis zum 18. März 2010 übernommen. Von Deutschland wurde die Interventionsmöglichkeit für Gerste bereits kräftig  genutzt. So wurden der Intervention 1,324 Mio. t angeboten, davon wurden  1,04 Mio. t.  auch übernommen.
Ein Export ohne Erstattungen war kaum möglich,  diese ist man  nicht bereit zu gewähren. Bis dato wurden für 625.000 t Exportlizenzen gezogen. Im Vorjahr waren es 3,1 Mio. t. Durch günstige Angebote aus der Schwarzmeerregion kommen die europäischen Exporteure nicht zum Zug – oder aber der Erzeugerpreis müsste deutlich absinken, das heißt auch deutlich unter das Interventionspreisniveau. Dann ist die Intervention schon die bessere Alternative. Was ist aber, wenn es die Intervention nicht mehr gibt?
Zunächst einmal werden die eingelagerten Mengen den Markt noch belasten, denn diese Mengen müssen  auch wieder ausgelagert werden. Man versucht zwar, diese möglichst ohne größeren Einfluss auf das nationale und internationale Marktgeschehen zu vermarkten. Es wird aber nicht immer gelingen, da dadurch andere Gerstenmengen oder auch anderes Getreide verdrängt wird.
Das Beispiel Roggen hat aber  gezeigt, dass sich auch ohne Intervention ein Preis am Markt bildet, nicht zuletzt  bedingt durch die Verbindung der Getreidepreise untereinander über die Futterwertrelationen. Zum Teil kommt damit  die Eckpreisfunktion des Weizens wieder zum Tragen. Darüber hinaus haben sich über den Markt auch schon durch den energetischen Bereich, insbesondere über die Verwertung über die Biogasanlagen, Mindestpreise herausgebildet.
Am besten wäre es jedoch, dass sich der Getreidemarkt wieder erholt und sich die Preise deutlich über dem heutigen Niveau einpendeln, dann erübrigt sich die Intervention von allein. Solange das niedrige Preisniveau aber noch anhält, ist es gut, wenn die Intervention zumindest als Sicherheitsnetz noch existiert.
Im kommenden Wirtschaftsjahr wird aufgrund der bisherigen Preisentwicklung  durch die eingeschränkte Anbaufläche wesentlich weniger Gerste zur Verfügung stehen. Damit regelt der Markt ja vielleicht selber das Problem! 

Bernd Irps, LK-Markt

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