Kommentar
22.03.2010 -
Milchmenge auf Rekordniveau
Am 31. März endet das laufende Milchwirtschaftsjahr. Dass die Milchanlieferung innerhalb der erhöhten Garantiemenge bleibt, wird immer wahrscheinlicher, doch traut sich bislang keine Institution, Entwarnung zu geben, da die Rechnung in diesem Jahr sehr knapp ausfallen wird. Die Milchproduktion ist im März wohl etwas angestiegen, doch müsste für eine Überlieferung die Steigerung höher ausfallen, als durch den saisonalen Effekt üblich. Zuletzt mussten 2007/2008 über 100 Mio. € Superabgabe an die EU überwiesen werden, da die hohen Milchgeldpreise in diesem Wirtschaftsjahr die Milchproduktion deutlich gesteigert hatten. In den letzten zehn Jahren erfüllte sich die Hoffnung der Erzeuger auf eine bundesweite Unterlieferung nur zweimal. So reichte die Quotenerhöhung um ein Prozent im letzten Jahr aus, um eine Überlieferung zu vermeiden. Auch im aktuellen Jahr wurde die mögliche Anlieferungsmenge um ein weiteres Prozent erhöht, sodass eine Rekordmilchmenge von über 29 Mio. t Milch produziert werden kann. Dennoch kann der Einzelbetrieb in Form einer Vorauszahlung betroffen sein. Sollte die betriebliche Milchreferenzmenge bereits im laufenden Wirtschaftsjahr überschritten werden, so werden vom Milchgeld 8 ct/kg einbehalten. Ob die Bundesregierung diese Regelung für März wie im Vorjahr aussetzen wird, entscheidet sich erst am Ende des Monats. Das endgültige Ergebnis der landesweiten Jahresliefermenge steht erst Ende Juni fest.
Durch die hohe Anlieferung erreichte auch die Produktion von Milchprodukten im letzten Wirtschaftsjahr ein Rekordniveau. Vor allem die Käse- und die Magermilchpulverproduktion stiegen deutlich an. Dagegen ist die Butterproduktion zurückgegangen.
Zum Jahresbeginn 2009 begann die Talfahrt der Milchgeldauszahlungspreise bis auf das Tiefstpreisniveau im Juni. Derzeit bewegen sich die Kurse auf einem Niveau wie im Jahr 2007. Bis zum Sommer könnten die Preise saisongemäß etwas nachgeben, doch wird nicht mit so deutlichen Preisabschlägen wie 2009 gerechnet. Gegenwärtig sorgt vor allem eine belebte Käsenachfrage für Marktentlastung. So können in Richtung Osteuropa umfangreiche Mengen abgesetzt werden. Durch den großen Rohstoffbedarf für die Käseproduktion fällt die Milchpulverherstellung derzeit etwas kleiner aus. Durch das reduzierte Angebot können sich hier die Kurse gut behaupten. Die Butternotierungen, die sich im letzten Herbst wieder aus dem Preiskeller herausbewegt haben, sind Anfang des Jahres etwas nach unten korrigiert worden, können sich seitdem jedoch gut behaupten. Der Absatz der weißen Produkte wie Sahne und Joghurt ist im Vorfeld der Osterfeiertage etwas gestiegen.
Das laufende Milchwirtschaftsjahr könnte aus wirtschaftlicher Sicht ähnlich schwierig werden wie das abgelaufene. 2009 sind die niedrigsten Milchpreise seit 20 Jahren ausgezahlt worden. Dennoch mehren sich die Stimmen, den Markt nicht ständig schlechtzureden. So zeigen rückläufige Interventionsmengen, dass sich am Markt auch größere Mengen absetzen lassen. Auch für die kommenden Jahre rechnet man mit einem weltweit steigenden Verbrauch. Doch werden die starken Preisschwankungen den Markt auch weiterhin begleiten. Eine auf EU-Ebene tätige „High-Level-Group-Milk“ ist sich einig, dass auch nach der Aufhebung der Milchquotenverordnung ab 2015 ein Sicherheitsnetz für den Milchmarkt benötigt werde. In der Branche ist es jedoch sehr umstritten, ob dies ein Warenterminmarkt für Milchprodukte sein könnte. Der Agrarstaatssekretär Dr. Gerd Müller sieht dagegen wenig Möglichkeiten für regulierende Eingriffe des Staates nach dem Auslaufen der Quotenregelung.
Karsten Hoeck, LK-Markt





