Kommentar
15.03.2010 -
Klare Kennzeichnung erforderlich!
Mit dem Verbot der Käfighaltung hat sich der Eiermarkt umorientieren müssen. Es gibt zwar noch Eier aus der Käfighaltung, die sogenannte Haltungsform 3, diese muss aber differenzierter betrachtet werden. Denn Ei ist in diesem Bereich nicht gleich Ei. Eier deutscher Produktion mit der Kennzeichnung 3 kommen aus der Käfighaltung in Form der Kleingruppenhaltung. Diese Haltungsform hat sich in Deutschland etabliert, es wurden viele Investitionen im vorigen Jahr in diesem Verfahren vorgenommen.
Die Kennzeichnung 3 „Haltungsform Käfig“ wird damit der deutschen Kleingruppenhaltung nicht gerecht, die Abgrenzung zu der bisherigen Haltungsform Käfig wird nicht deutlich. Denn in vielen anderen EU-Ländern gibt es noch weiter diese Haltungsform, die Eier werden auch Richtung Deutschland exportiert.
In vielen Discountern und auch in vielen Lebensmitteleinzelhandelsgeschäften hat der Verbraucher aber heute auch nicht mehr die Möglichkeit, sich überhaupt noch Eier aus dieser Haltungsform kaufen zu können. Im letzen Jahr hatten bereits einige Discounter und einige Lebensmitteleinzelhandelsketten die Eier der Haltungsform „3“ ausgelistet und nur noch Eier aus der Boden- und Freilandhaltung sowie Bioeier angeboten. Jetzt scheint es so, dass es kaum noch einen Discounter wie auch Lebensmitteleinzelhandel gibt, der Eier der Haltungsform „3“ anbietet. Die Erzeuger, die auf die Kleingruppenhaltung umgestellt haben, fordern daher die Einführung einer neuen Kennzeichnung, und zwar Haltungsform „4 – Eier aus der Kleingruppenhaltung“. Nur so können sich die Eier von den Eiern der bisherigen Käfighaltung abgrenzen. Darüber hinaus wird diese Forderung auch mit dem Argument der Bereitstellung preisgünstiger Ware für den Verbraucher untermauert. Dieses hätte zudem noch den Nebeneffekt, dass sich Eier aus der Bodenhaltung sowie auch den anderen Haltungsformen preislich nach oben abheben könnten. Derzeit geraten die Eier aus der Bodenhaltung immer stärker in die Rolle der Basisnotierung, was letztlich die Tendenz zu einem schwächeren Niveau beinhaltet.
Angesichts der Umstellung fällt das Angebot an Eiern aller Haltungsformen begrenzt aus und sorgt damit für ein vergleichsweise hohes Preisniveau. Zurzeit sorgt die vorösterliche Nachfrage für einen zusätzlichen Impuls, die Preise können sich daher weiter befestigen.
Erste Anzeichen deuten aber auf eine wieder steigende Produktion hin. So weisen steigende Zahlen geschlüpfter Legehennenküken in der Brütereistatistik schon seit dem letzten Quartal des Jahres 2009 auf eine Erholung der Legehennenbestände in diesem Jahr hin. Davon ausgehend wird eine höhere Eierproduktion zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres hin erwartet. Auch wenn der Selbstversorgungsgrad – im Jahr 2009 war dieser auf 56 % abgerutscht – wieder Richtung 65 % wandern sollte, werden Importe erforderlich sein.
In der EU werden noch rund 75 % der Hennen im Käfig gehalten, wobei hier keine Unterscheidung vorgenommen wurde. Die zurzeit getätigten Importe werden überwiegend Eier aus dieser Haltungsform sein. Diese fließen in erster Linie in die Produktenindustrie, die rund ein Drittel des Verbrauches in Deutschland auf sich vereint.
In den Niederlanden – einem wichtigen Anbieter auf dem deutschen Markt – werden die meisten Hennen, 44 %, noch in der Käfighaltung gehalten. Insgesamt wurde die Zahl der Legehennen in den Niederlanden erhöht, was auf den ersten Blick einen höhere Produktion und damit auch Preisdruck erwarten lassen könnte. Aber in den kommenden Jahren muss in diesem Land wie auch in allen anderen Länder der EU die Produktion durch das Verbot der herkömmlichen Käfighaltung umgestellt werden. Deutschland ist dann schon einen Schritt weiter und könnte davon profitieren, insbesondere auch bei den Eiern aus der Käfighaltung – aber in Form der Kleingruppenhaltung.
Bernd Irps, LK-Markt





