Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

01.03.2010 -  

Unsicherheit am Kartoffelmarkt

Zwar bewegt sich der Kartoffelmarkt seit Wochen seitwärts ohne größere Preisveränderung, dennoch gibt es  einige  Unbekannte, die zu Spekulationen Anlass geben. Zunächst blicken viele Erzeuger  auf die Entwicklung der Bestände im eigenen Lager. Insbesondere stellt sich  die Frage, ob die Witterung schadlos an den eingelagerten Knollen vorbeigezogen ist. Von einigen Betrieben wird bereits von kleineren Schäden berichtet. Bislang hat das Tauwetter noch nicht richtig eingesetzt, es bleibt damit spekulativ, ob und wie groß die Witterungsschäden ausfallen. Daran schließt sich die zweite Unbekannte an, und zwar die Höhe der Absortierung. Vielfach ist von einer höheren Absortierung die Rede, so wird von Silberschorf und Lagerdruckstellen berichtet. Dieses hängt auch von den Lagern selber ab: In den Flachlagern wird von größeren Schädigungen berichtet, in den Kistenlagern gibt es dagegen nur vereinzelt Schäden. Insgesamt soll die Räumung der Bestände schon weit vorangeschritten sein. Ersten Angaben zufolge sollen noch 35 % der Ernte zur Vermarktung anstehen. Dieses entspricht in etwa dem Vorjahreswert. In Niedersachsen sollen nach Angaben der Landwirtschaftskammer die Lager schon stärker geräumt sein.  Dieses wird nicht zuletzt auf die höheren Absortierungen zurückgeführt.
Die noch vorhandenen Mengen werden derzeit verstärkt angeboten, aber auch von der aufnehmenden Hand gerne aufgenommen. Bislang waren die Verladungen durch die Witterung stark beeinträchtigt, die Abpacker haben daher vielfach auf selbst eingelagerte Mengen zurückgegriffen. Jetzt scheint es von dieser Seite etwas Bedarf zu geben. Eine weitere Unbekannte am Kartoffelmarkt ist der Import von französischen Kartoffeln. In den letzten Jahren wurde insbesondere im Frühjahr von einigen Ketten verstärkt auf diese Ware zurückgegriffen. Ausschlaggebend dafür war in erster Linie nicht der Preis, denn dieser lag vielfach über dem deutschen Niveau. Es war vielmehr die gute und ansprechende Qualität, die die Abpacker und vor allem einige Discounter veranlasste, hiesige Ware auszulisten und französische Knollen anzubieten. Einerseits wird mit der Ankündigung der Umstellung Unruhe in den Markt gebracht, andererseits gibt es aber genug Anzeichen, dass diese Ware erst viel später auf den deutschen Markt kommen wird. So wird von lebhaften Exporten  in Richtung Osteuropa und Iberische Halbinsel berichtet. Damit dürfte der Druck von dieser Seite eher geringer ausfallen und  Hoffnungen auf eine stabile bis feste Preistendenz eröffnen.
Eine weitere Unbekannte ist der Import der Frühkartoffeln aus dem Mittelmeerbereich. In den Vorjahren waren zu dieser Zeit schon mehr Frühkartoffeln aus Ägypten in die EU importiert und eingelagert worden. In diesem Jahr fallen die Importmengen kleiner aus, einerseits scheint es etwas weniger zu geben, und andererseits wird von Exporten aus diesem Land in die Schwarzmeerregion berichtet. Auch dieses ist eher ein Zeichen, dass hiesige Ware noch länger gefragt sein wird.
Noch spekulativer ist der Umfang des Kartoffelanbaus in diesem Jahr. Ersten Angaben zufolge soll das Anbauareal in Schleswig-Holstein etwas eingeschränkt werden.  Angesichts zunehmender Flächen für den Anbau von Silomais für die Biogasanlagen wird kaum von einer Ausweitung der Anbaufläche, sondern eher von einer Einschränkung auszugehen sein. Das derzeitige Preisniveau ist auch nicht gerade als Anreiz zu sehen, dagegen werden an der Börse für den Monat April 2011 bereits Preise um die 13 €/dt notiert. Für den Monat April 2010 weisen die Notierungen rund 11 €/dt aus.
Insgesamt betrachtet, gibt es zwar viele Unsicherheiten am Kartoffelmarkt, überwiegend weisen diese aber eine positive Tendenz auf und lassen die Erzeuger zuversichtlich in die weitere Marktentwicklung blicken.
Bernd Irps, LK-Markt
 

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