Kommentar
22.02.2010 -
Blähungen am Rohölmarkt?
Obwohl in Zeiten des Klimawandels nach Wegen gesucht wird, die Abhängigkeit vom Rohöl als Energieträger zu verringern, bleibt dieser Rohstoff wohl auch weiterhin das Schmiermittel der Weltkonjunktur. Das Interesse am Verlauf der Notierungen am Ölmarkt ist groß, denn jeder Verbraucher spürt die Schwankungen bei der Bezahlung seiner Tankrechnung beziehungsweise beim Heizöleinkauf. Trotz der allgemeinen Erderwärmung zeigt sich der Winter in diesem Jahr nicht nur hierzulande, sondern auch in Nordamerika außergewöhnlich hartnäckig. Die sprunghaft erhöhte Heizölnachfrage hat die Rohölkurse stabilisiert. Dazu kommen die Erholung der Finanzmärkte und die Unsicherheit im Irankonflikt. Nach dem letzten Preiseinbruch zu Beginn des letzten Jahres, als der Rohölpreis in New York kurzfristig die Marke von 40 $/bbl unterschritten hatte, hat sich dieser Wert zu Beginn diesen Jahres zeitweise verdoppelt. Durch die Nachfrage nach Bioenergie vom Acker sind auch die Erzeugerpreise für Feldfrüchte in eine starke Abhängigkeit zu Rohölpreisen geraten. Der deutliche Ölpreisanstieg spiegelt sich bislang in den landwirtschaftlichen Erzeugerpreisen nicht wider. Sind diese somit unterbewertet und bieten noch Steigerungspotenzial? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Preise für Agrargüter erst mit Verzögerung den Entwicklungen der Rohstoffmärkte folgen. Somit ist wichtig, ob die jüngste Preiserholung am Ölmarkt nur eine spekulative Blase ist oder ob die Kurse sich längerfristig auf diesem Niveau halten können beziehungsweise noch weiter steigen?
Die Rohölpreise bilden sich an den internationalen Ölmärkten, die auch von Emotionen, kurzfristigen Ereignissen und Spekulationen beeinflusst sind. Fundamentale Marktdaten wie Angebot und Nachfrage spielen oft eine geringere Rolle als psychologische Faktoren wie die Furcht vor krisenhaften Entwicklungen oder kriegerischen Auseinandersetzungen. Für die kommenden Jahre rechnet man auf der Angebotsseite kaum mit Überraschungen, da laufend neue Ölfelder entdeckt und erschlossen werden. Vorerst bleibt die Nachfrageentwicklung viel wichtiger. Im Jahr 2009 war die Überwindung der Rezession das vorherrschende Thema am Ölmarkt. Bei einer weiteren Konjunkturverbesserung im laufenden Jahr sehen viele Analysten Rohölpreise im Jahresschnitt von 90 $/bbl. Doch es gibt auch Stimmen, die trotz einer belebten Weltwirtschaft den Ölpreis eher bei 60 $/bbl sehen. Als Gründe nennen sie, dass Länder wie Russland oder Brasilien die Ölförderung deutlich erhöht haben. Im Absatz sehen sie einen eher sinkenden Ölverbrauch durch Energieeinsparungen. Auch der derzeit hohe Dollarkurs und die Einschränkungen der Terminhandelsaktivitäten durch die US-Regierung werden angeführt. Dazu kommt, dass man wohl auch weiterhin von einer Erholung der Konjunktur ausgeht, doch dass diese auch ohne eine Erhöhung des Energieverbrauches ablaufen könnte. Daneben sieht man auch kaum positive Auswirkungen für den Arbeitsmarkt. „Selbst der Energiehunger der Chinesen wird kaum für steigende Kurse ausreichen, da die weltweiten Lagervorräte bislang noch zu groß sind“, so Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Auch im Bereich der Agrarrohstoffe wird wohl mit einer stützenden Nachfrage aus dem Land der Mitte gerechnet, doch die weltweit hohen Ernten und Vorräte wirken hier bislang noch entgegen.
Somit sehen viele Analysten vorerst wenig Unterstützung für die Kurse für Feldfrüchte aus dem Energiebereich. Sollte die kalte Witterung jedoch weiter anhalten, könnte der Einfluss höherer Ölpreise auch die Agrarmärkte beeinflussen. Bislang haben Preisausschläge im Rohölbereich mittelfristig auch die Raps- und Weizenkurse beeinflusst, doch für eine nachhaltige Stabilisierung der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise bedarf es mehr als einer kurzfristigen Blase der Rohölkurse.
Karsten Hoeck, LK-Markt





