Kommentar
15.02.2010 -
Diskussion um und über Biodiesel
In den vorigen Wochen wurde im Bereich der Erneuerbaren Energien viel gefordert und diskutiert. So fordert die Biodieselbranche eine Reduzierung der Besteuerung. In den Koalitionsvereinbarungen hatte man sich schon im Dezember auf 18 ct/l verständigen können. Damit war die geplante Erhöhung zum 1. Januar dieses Jahres vom Tisch. Derzeit geht es darum, weitere Steuersenkungen durchzusetzen.
Von der Biodieselbranche wird eine Reduzierung auf 10 ct/l gefordert. Mit dieser deutlichen Reduzierung erhofft sich diese Branche, den Biodieselkonsum als Reinkraftstoff wieder zu beleben. Wenn man heute durch die Lande fährt, sieht man vereinzelt noch ein Schild mit Biodiesel an den Tankstellen, meistens ist dieses aber nur noch ein Relikt aus der Vergangenheit, es gibt so gut wie keine Tankstelle, die Biodiesel verkauft. Der Absatz von Biodiesel als Reinkraftstoff beziffert sich nach Angaben der Ufop und eigenen Hochrechnungen auf 248.000 t für das Jahr 2009. Ein Jahr zuvor konnten noch 973.000 t als Reinkraftstoff abgesetzt werden.
Als Reinkraftstoff wird Biodiesel in erster Linie an Großabnehmer abgesetzt. Hier kommen der Logistikbereich oder aber auch die Landwirtschaft infrage. Wie die Zahlen verdeutlichen, hat sich der Absatz in den vergangenen Jahren rückläufig entwickelt. Es bleibt die große Frage, wie groß der Preisabstand zwischen Biodiesel und mineralischem Diesel sein muss, damit Biodiesel für den Verbraucher wieder attraktiv wird. Eine Absenkung des Steuersatzes auf 10 % hätte bei einem derzeitigen Preisabstand von zirka 8 ct/l eine Verdopplung des Preisabstands zur Folge. Von vielen Experten wird damit wieder eine steigende Nachfrage der Verbraucher für realistisch gehalten. Viele Marktbeteiligte gehen aber derzeit davon aus, dass die 10 % bei der derzeitigen Haushaltslage des Bundes nicht durchsetzbar sind. Für realistisch wird eine Absenkung auf 14 % gehalten, aber reicht diese Absenkung wirklich aus, um nachhaltig den Konsum von Biodiesel zu steigern?
Zusätzlich taucht die Frage auf, ob die Tankstellenbetreiber wieder bereit sind, Biodiesel an ihren Tankstellen anzubieten. Die Einführung oder Umstellung von Zapfsäulen ist mit Kosten verbunden. Besonders skeptisch wird dabei die Politik betrachtet, insbesondere bleibt die bange Frage, wie nachhaltig die Steuersenkungen sein werden. Viele erinnern sich dabei an die Anfänge des Biodieselbooms, bei dem viele Investoren auf die anfängliche Besteuerung vertraut und viele Kapazitäten geschaffen haben. Durch die Anhebung der Besteuerung und den Rückgang der Nachfrage sind viele Biodieselanlagen in Schieflage geraten. Angesichts dieser Erfahrungen wird jeder Tankstellenbetreiber seine Entscheidung über die Wiederaufnahme von Biodiesel ins Angebot gründlich überlegen.
Dagegen hat sich über eine höhere Beimischung der Absatz von Biodiesel nach Angaben der Ufop und eigenen Hochrechnungen auf rund 2,25 Mio. t erhöht. Im Jahre 2008 wurden über diesen Weg nur 1,35 Mio. t abgesetzt. Eine weitere Absatzsteigerung in diesem Bereich ist nur über eine Erhöhung der Beimischung möglich, oder aber es muss exportiert werden. Eine höhere Beimischung wird sich über die Absenkung des Steuersatzes wohl kaum ergeben. Als Quintessenz bleibt, nur eine deutliche Absenkung auf 10 ct/l würde den Absatz, aber auch nur als Reinkraftstoff, erhöhen.
Ein weiterer Punkt in der Diskussion ist die Nachhaltigkeitsverordnung. Damit soll der Einsatz von nachhaltig produziertem Pflanzenöl in der Biodieselproduktion gesteigert werden. Deutschland ist mit der Umsetzung dieser Verordnung in Europa einer der ersten Staaten. Von Seiten einiger Marktbeteiligter wird diese Verordnung mit Bürokratie im Hinblick auf die Bescheinigungen verbunden. Andere sehen dagegen keine Probleme in der Umsetzung, sondern eher einen Vorteil, da Deutschland mit solchen Zertifikaten als Erstes aufwarten kann. Wenn sich die Nachfrage nach Raps dadurch steigern lässt, wird sich der Aufwand lohnen. Insbesondere wenn sich dadurch der hiesige Raps von den anderen Ölpflanzen abheben kann.
Bernd Irps, LK-Markt





