Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

08.02.2010 -  

Lust auf Süßes?

In der Landwirtschaft denkt man mit Wehmut an den Preissprung von vor zwei Jahren zurück, durch den die Erzeugerpreise für viele Agrarprodukte in ungeahnte Höhen gestiegen sind. Mittlerweile haben ausreichende Ernten die Lagerbestände an den internationalen Märkten wieder aufgefüllt und die Kurse reduziert – bis auf eine Ausnahme, den Zuckermarkt. Nachdem die letzten Ernten, vor allem in Indien und in Brasilien deutlich unterdurchschnittlich ausgefallen sind, zogen die Terminmarktkurse für Zucker schon im letzten Herbst an. Zum Teil fehlte Niederschlag oder, wie in Südamerika, gab es zu viel Regen, sodass die Ernte nicht eingebracht werden konnte. Dazu kommt, dass vor allem in Brasilien, ein immer größer Anteil der Ernte in die Ethanolherstellung wandert. Das Resultat zweier weltweit schlechter Erntejahre ist ein deutlicher Abbau der Bestände und die Verdoppelung der Weltmarktpreise. Vor allem der „Zuckerzyklus“ in Indien hat zuletzt immer wieder für Schwankungen am Weltmarkt gesorgt. Durch die hohen Weizenpreise vor zwei Jahren sind hier die Getreideanbauflächen zulasten der Zuckerflächen vergrößert worden. Plötzlich musste das Land mit dem weltweit höchsten Zuckerverbrauch 5 Mio. t importieren. Dazu kam der hohe Rohölpreis, wodurch die Ethanolproduktion aus Zucker erhöht wurde. Mittlerweile hat sich hier der Bedarf durch das günstige Öl wieder reduziert, doch die reduzierten Lagerbestände beim Zucker konnten bis heute nicht wieder aufgefüllt werden, sodass sich die Kurse hier beständig weiter nach oben entwickeln konnten. Unterstützung erhielt diese Bewegung durch Spekulanten, die froh waren, noch einen Rohstoffmarkt mit konstant steigenden Kursen vorzufinden. Im letzten Herbst steuerten die Weltmarktpreise je Tonne Zucker auf ein Niveau von 500 €/t zu. Dies ist etwa auch der Kurs, den die Landwirte hierzulande erhalten. Durch herabgesetzte Energiepreise und erweiterte Zuckeranbauflächen sah man mittlerweile eine schwächere Marktentwicklung. Nachdem jedoch auch aus China Meldungen über Ernteausfälle und einen erhöhten Importbedarf kamen, zogen die Kurse weiter an und liegen derzeit etwa bei 550 €/t. Obwohl die feste Marktentwicklung beim Zucker deutlich länger anhält als bei anderen Agrargütern, kann sich auch hier der Trend schnell wieder ändern. Neben dem kurzfristigen Stimmungswechsel an den Terminmärkten kann sich auch das Angebot schnell wieder erhöhen, da Zuckerrohr bei optimalen Witterungsbedingungen relativ zügig wächst und geerntet werden kann. Das Beispiel Zucker zeigt jedoch auch, dass trotz des mittlerweile großen Einflusses externer Kräfte auf die Agrarmärkte wie Wirtschaftsentwicklung, Energiepreise und Spekulation sich die Kurse im Grundsatz immer noch nach Angebot und Nachfrage ausrichten.
Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen haben die Rübenbauern in der EU eine Rekordernte eingefahren. Somit gibt es durchaus Nachfrage am Weltmarkt nach dem überschüssigen Zucker aus der EU. Bislang weigerte sich jedoch die Kommission, die im Rahmen der WTO Verhandlungen festgesetzte Exportmengen zu überschreiten. Man beharrt sogar darauf, dass der überschüssige EU-Zucker auf das nächste Wirtschaftsjahr übertragen werden muss, was eine Quotenkürzung im nächsten Jahr zur Folge hätte. Doch zuletzt kam Bewegung in die Verhandlungen. Die Kommission schlägt dem Verwaltungsausschuss jetzt vor, aufgrund der ungewöhnlichen Lage am Weltzuckermarkt die Ausfuhr von 500.000 t Nichtquotenzucker 2009/10 zu gestatten. Damit ist aber auch eine zollfreie Einfuhr von 400.000 t Weltmarktzucker  2010/11 für die chemische Industrie verbunden. Zudem wird die Einfuhr von Rohzucker zugunsten von Raffinerien erleichtert.
So kann jetzt der EU-Zucker helfen, die weltweite Lust auf Süßes zu befriedigen.

Karsten Hoeck, LK-Markt

 


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