Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

01.02.2010 -  

Steigen die Düngerpreise weiter?

In den vergangenen Tagen war immer wieder von steigenden Düngerpreisen zu hören. Dieses trifft in erster Linie auf die Stickstoffdünger zu. War Kalkamonsalpeter im August/September noch für unter 140 €/t zu haben, so müssen heute dafür mindestens 180 €/t bezahlt werden. Glaubt man einigen Marktbeteiligten, so ist der Preisanstieg noch nicht zu Ende. Auch beim Harnstoff, dem Leitprodukt des Stickstoffdüngermarktes, waren in den vorigen Wochen deutliche Preissteigerungen zu verbuchen. Teils wird dieses auf die steigende Nachfrage aus Südamerika, insbesondere aus Brasilien zurückgeführt. Darüber hinaus wird auch aus anderen Regionen der Welt, besonders Südostasien Stickstoffdünger stärker nachgefragt. Für gekörnte Ware müssen heute 240 €/t gezahlt werden. Vor drei Monaten konnte Harnstoff noch für unter 220 €/t bezogen werden. Vielfach wurde der Frühbezug gescheut, man hatte einen so starken Preisanstieg nicht erwartet. Teils fehlte aber auch die Liquidität für einen Kauf. Darüber hinaus stand auch noch kein Lagerraum zur Verfügung, die Lager waren noch voll mit Getreide und Raps. Viele Erzeuger hatten auf steigende Preise beim Weizen und  Raps gesetzt, was nur zwischenzeitlich erreicht wurde.
Soll jetzt noch mit dem Düngerkauf gewartet werden? Bei Stickstoff werden von den Herstellern weitere Preissteigerungen erwartet beziehungsweise angekündigt. Ob sich diese durchsetzen, bleibt abzuwarten. Entscheidend dürfte dabei die Preisentwicklung der Energie sein. Hier gilt es, den Blick auf die Ukraine zu richten. In diesem Land wird ein Großteil des gehandelten Harnstoffs produziert. Die Ukraine bezieht Erdgas aus Russland. Seit Beginn dieses Jahres wurden die Preise von dieser Seite heraufgesetzt. Richtung Privathaushalte wurden diese auch gleich durchgereicht, für die Industrie kommen die höheren Preise ab April zum Tragen. Damit scheint eine Preiserhöhung in den kommenden Monaten für Stickstoff vorgezeichnet zu sein.
Bei den Phosphatdüngemitteln wurden zur Überraschung vieler Beteiligter zu Beginn des Jahres die Preise deutlich nach oben angepasst. So ist mittlerweile Diamonphosphat nicht mehr unter 300 €/t zu haben. Im Herbst waren noch um 30 bis 40 €/t niedrigere Preise möglich. Hier macht sich auch die höhere Nachfrage am Weltmarkt bemerkbar. Ob sich weitere Preissteigerungen ergeben, lässt sich noch nicht eindeutig sagen, größere Preisrücknahmen sind aber eher unwahrscheinlich.
Beim Kalidünger hat sich erfreulicherweise eine andere Entwicklung eingestellt. So wurde zu Beginn dieses Jahres eine deutliche Herabsetzung der Preise vorgenommen. Ein Jahr zuvor musste noch fast das Doppelte für eine Tonne 40er Kornkali bezahlt werden. Die Landwirte haben daraufhin die Kalidüngung auf das Minimum reduziert. So soll der Einsatz von Kali im vorigen Jahr um 65 % zurückgegangen sein. Auch in anderen Regionen Europas hat man den Verbrauch aufgrund der hohen Preise deutlich reduziert. Anscheinend kommen doch noch die Kräfte des Marktes zu ihrer Wirkung. Ein zu hoher Preis lässt sich nun mal nicht bei den schwächeren Getreidepreisen umsetzen. Derzeit geht man am Markt davon aus, dass sich der Preis für Kalidünger zunächst auf dem erreichten Niveau fortsetzten wird. Ab Mai könnten durchaus nochmalige Anpassungen nach unten erfolgen, das Gros des Verbrauchs dürfte dann aber schon erledigt sein.
Wie auch beim Getreide ist ein Risikomanagement beim Einkauf von Betriebsmitteln erforderlich. Ein Aufteilen auf Frühbezug und Einkauf bei Bedarfs kann das Preisrisiko deutlich reduzieren. Bei den günstigen Preisen im Herbst für KAS und Harnstoff wurde vielfach auch zum Einkauf geraten. Bei der derzeitigen festen Tendenz ist der Kauf von Teilmengen durchaus erwägenswert.

Bernd Irps, LK-Markt

 


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