Kommentar
14.01.2010 -
Höhere Preise durch Eis und Schnee?
Für den Getreidemarkt ist der Export der entscheidende Faktor für die Markt- und Preisentwicklung. Von dem in Deutschland erzeugten Getreide in einer Größenordnung von knapp 50 Mio. t werden zwischen 13 und
15 Mio. t exportiert. Der Großteil davon ist Weizen. Diese Exporte gehen einerseits in die benachbarten EU-Staaten und, was wesentlich wichtiger für die Preisbildung ist, in die Drittländer, das heißt außerhalb der EU. Für dieses Jahr werden von dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) die Exporte insgesamt auf knapp 23 Mio. t Getreide geschätzt. Davon entfallen alleine auf Weizen rund 19 Mio. t. Im Vorjahr waren es noch 22,5 Mio. t gewesen. In den Jahren zuvor lagen die Weizenexporte im Bereich von 12 bis 16 Mio. t.
Bis zum 5. Januar dieses Jahres hat die EU-Kommission Exportlizenzen in Höhe von 8,6 Mio. t. vergeben. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang für das erste Halbjahr des Wirtschaftsjahres um knapp 3 Mio. t, gegenüber dem ersten Halbjahr 2007/08 aber einen Zuwachs von
5,3 Mio. t. Die Exporte haben sich noch nicht die Erwartungen, wie sie von vielen gehegt wurden, erfüllt, im Vergleich zu den Vorjahren steht die EU aber nicht so schlecht da, wie von einigen immer wieder ins Feld geführt wird.
In den letzten Jahren hat sich die Schwarzmeerregion zu einer der führenden Exportregionen der Welt entwickelt. Insbesondere im nordafrikanischen Raum bekommen die hiesigen Exporteure diese Konkurrenz zu spüren. In den letzten Ausschreibungen kamen überwiegend russische Angebote zum Zug. So sollen aus Russland bereits rund 10 Mio. t exportiert worden sein. Ausgehend von den Schätzungen des USDA, die für Russland ein Exportvolumen von 18 Mio. t Weizen erwarten, sind somit noch 8 Mio. t für den Export übrig. Dabei werden von einigen Analysten durchaus noch höhere Mengen aus Russland erwartet. Aber auch die Ukraine soll von den anvisierten 9 Mio. t noch 3 Mio. t für den Export für das zweite Halbjahr übrig haben. Somit sind aus dieser Region noch etliche Mengen zu erwarten. Einerseits wird zwar die Qualität der noch verbliebenen Mengen als nicht mehr so hoch eingeschätzt, was die Chancen für die hierzulande noch guten Qualitäten erhöht.
Andererseits hoffen etlichen Marktbeteiligte derzeit auf die logistischen Probleme, ausgelöst durch die kalte Witterung in diesen Tagen. Insbesondere hierzulande haben die Schneeverwehungen zu erheblichen Problemen geführt. Derzeit scheint aber in der Schwarzmeerregion noch nicht ein so starker Winter vorzuherrschen, wie von einigen erhofft. Bislang sind logistische Probleme daher noch nicht aufgetreten, sicher hat man in den letzten Jahren auch die Hafenanlagen, insbesondere die Siloanlagen besser ausgebaut, um diesen Widrigkeiten von vornherein aus dem Weg zu gehen. So kommen von dieser Seite zurzeit noch keine Impulse, auszuschließen sind Chancen auf kurzfristige Preissteigerungen über diesen Weg aber nicht.
Dagegen dürfte im Inland die Logistik in einigen Bereichen die eine oder andere Lieferverzögerung mit sich bringen. Da heute nur wenig Lagerhaltung vor Ort betrieben wird, kann so über entsprechend kurzfristige Anfragen noch ein kleines Aufgeld möglich sein. Durch den großen Einsatz von Räumdiensten auf den Land- wie auch auf den Wasserwegen werden Preiseffekte nur von ganz kurzfristiger Natur sein.
Preisimpulse sind ausgehend von Kälte, Schnee und Eis eher auf dem Rohölmarkt und hier insbesondere in den USA zu erwarten. Der erwartete höhere Verbrauch lässt den Rohölpreis an den Börsen steigen. Davon kann ein wenig der Rapsmarkt und in begrenztem Maße auch der Weizenmarkt profitieren. Dieses sind aber alles nur kleine und kurzfristige Effekte, die schnell genutzt werden müssen. Längerfristig haben Schnee und Eis kaum einen Preiseffekt in der heutigen Zeit, es sei denn, es treten dadurch Auswinterungsschäden auf, die aber heute noch keiner abschätzen kann.
Bernd Irps, LK-Markt





