Kommentar
04.01.2010 -
Marktberichterstattung – quo vadis?
Am 3. Februar 2009 wurde mit dem Bundesverfassungsgerichtsurteil ein Umbruch in der Marktberichterstattung eingeleitet. Seit mehr als 50 Jahren stand für die Marktberichterstattung auf Bundesebene die ZMP. Mit dem Urteil musste nicht nur die ZMP sondern auch die CMA als Durchführungsorganisationen des Absatzfonds ihre Arbeit einstellen. Auf Bundesebene wurden viele Anstrengungen unternommen neue Institutionen für das Marketing wie auch für die Marktberichterstattung zu schaffen. Im Bereich der Marktberichterstattung nahm am 2. Juni die AMI – Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH in Bonn ihre Arbeit auf.
Auf regionaler Ebene, sprich hier in Schleswig-Holstein, hat die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein immer schon die Marktdaten im Bereich der Ackerfrüchte wie auch der Kälber, Ferkel und Eier sowie der Futtermittel erhoben. Diese Daten wurden an die ZMP geliefert. Heute werden diese Daten auch der AMI zur Verfügung gestellt. Auch die anderen Bundesländer liefern diese Daten im Rahmen des VLK-Kammerprogramms an die AMI, so ist die bundesweite Marktberichterstattung auf Basis von regional erhobenen Daten möglich.
Die Erhebung der Daten erfolgt auf Handelsebene und auf freiwilliger Basis. Die Landwirtschaftskammer wertet diese Daten aus und gibt diese entsprechend auch an das Bauernblatt weiter.
Neben den Daten ist aber zunehmend auch die Beschreibung und Kommentierung der Märkte wichtig. Besonders gefragt sind auch Einschätzungen über die zukünftige Entwicklung der Märkte. Einen wichtigen Beitrag können dazu die Warenterminmärkte leisten. An diesen Märkten ist es möglich, sich auch in der Zukunft die Ware zu sichern bzw. die Ware zu verkaufen. Überwiegend erfolgt aber kein direkter Warenaustausch über die Warenterminmärkte, sondern diese Märkte dienen der Preisabsicherung. In Seminaren und Vorträgen wird dieses neue Instrument interessierten Landwirten näher gebracht.
In den Marktberichten werden die Notierungen der Börse in Chikago wie auch Paris (Matif) wieder gegeben. In den Berichten wird auch zunehmend neben der Darstellung des regionalen Marktes auf die Entwicklungen an den internationalen Märkten eingegangen. Denn diese bestimmen in immer stärkerem Maße die Preisbildung auf den Märkten vor Ort. Vereinzelt können auch regionale Engpässe Preisimpulse mit sich bringen, entscheidender für eine nachhaltige Entwicklung ist aber der überregionale und damit der EU-Markt sowie der Weltmarkt.
So richtet sich der Warenterminmarkt in Paris (Matif) im Getreidebereich und noch viel stärker im Rapsbereich nach den Vorgaben aus Chikago. Die Vorgaben bilden vielfach die Grundlage für das Ein- und Verkaufsverhalten an der Börse in Paris. Besonders deutlich zeigt sich dieses in den Engagements ab zirka 16 Uhr an der Matif. Zu dieser Zeit öffnet die Börse in Chicago und gibt dann neue Impulse und Markteinschätzungen in den Markt.
Im Rapsmarkt sind mittlerweile die Notierungen an der Matif die Basis für den Rapseinkauf sowie auch für den Verkauf. Mit einem Abzug eines Betrages in Höhe von 10 bis 20 Euro/t je nach Vermarktungsregion wird der Erzeugerpreis abgeleitet. In der Erntezeit ist die Differenz zwischen Erzeugerpreis und Matif-Notierung – auch BASIS genannt – etwas größer, bei begrenztem Angebot etwas geringer. Über einen Vergleich von Preisgeboten des Handels mit der Matif-Notierung lässt sich schnell die eigenen Basis errechnen.
Die Veränderungen an den Märkten insbesondere auch den zunehmenden Preisschwankungen verlangen eine unabhängige und objektive Marktberichterstattung. Wir hoffen, allen Marktbeteiligten mit den von uns gefertigten Marktinformationen die erforderliche Markttransparenz auch im Jahr 2010 bieten zu können.
Bernd Irps, LK-Markt





