Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

23.11.2009 -  

9 Milliarden Kunden

Die Rolle der Agrar- und Ernährungsindustrie wird gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten deutlich. Während viele andere Branchen mit herben Umsatzeinbußen, Exporteinbrüchen und Verlusten zu kämpfen haben, zeigt sich die Robustheit der Ernährungswirtschaft. Trotz der oftmals schmerzhaften Preisschwankungen auf den Märkten mit landwirtschaftlichen Rohstoffen bleibt die reale Produktion stabil. Es bleibt zu hoffen, dass in Politik und Gesellschaft die Bedeutung der Ernährungswirtschaft wieder stärker in den Vordergrund rückt. Schließlich werden täglich in Deutschland 82 Millionen und weltweit 7 Milliarden anspruchsvolle Kunden mit hochwertigen und schmackhaften Lebensmitteln versorgt. Da die potentielle Kundschaft in den nächsten 30 Jahren noch um zirka 2 Milliarden ansteigen wird, sollte der Absatz vorerst gesichert sein. Für die Landwirtschaft kommt als weitere Absatzweg die Energiewirtschaft hinzu. Nachdem weltweit zwei Jahre in Folge sehr ertragreiche Ernten eingefahren worden sind, hat sich die Versorgungssituation wieder entspannt. Da man jedoch jederzeit mit geringer ausfallenden Erntmengen rechnen muss, wird man trotz aller Anstrengungen zukünftig mit einem eher knapp ausreichenden Nahrungsmittelangebot rechnen müssen. Die Bewältigung dieser Aufgabe darf jedoch nicht in eine Erzeugungsschlacht ausarten, bei der man die Nachhaltigkeit der natürlichen Ressourcen aus den Augen verliert. Auch die Kaufentscheidung der Verbraucher wird immer stärker davon abhängig. Trotz der derzeit schwierigen Wirtschaftslage wird in vielen Ländern der Welt mittelfristig mit steigenden Einkommen gerechnet. Damit wachsen jedoch auch die Ansprüche an die Nahrungsmittel. Die gewünschte größere Vielfalt und Qualität der Produkte in allen Ländern der Weilt, kann jedoch nur bei einem freien Welthandel mit Agrar- und Ernährungsprodukten erreicht werden. Dies könnte Potentiale der Entwicklung in allen Ländern entstehen lassen.
Obwohl in vielen Regionen der Welt deutlich mehr Agrargüter erzeugt werden als hierzulande, sorgt die hiesige Ernährungswirtschaft dafür, dass Deutschland bei den Ausfuhren mit Nahrungsmitteln weltweit auf Platz 3 liegt und bei den Einfuhren sogar auf Platz 2. Die Exporte der verarbeitenden Lebensmittel erhöhen sich dynamisch mit hohen Wachstumsraten. In den letzten 10 Jahren sind sie um mehr als 20 Milliarden Euro auf 42,2 Milliarden im Jahr 2008 gestiegen. Das Deutschland weltweit ein begehrter Handelspartner ist, zeigt die im Oktober diesen Jahres stattgefundene Lebensmittelmesse ANUGA. Über 6.500 Aussteller aus 97 Ländern zeigten eine enorme Vielfalt an Produkten. Die hiesige Ernährungsindustrie ist in diesem globalen Netz ein wichtiger Partner. Die Sicherheit der Arbeitsplätze, in den oftmals kleinen und mittelständischen Unternehmen dieser Branche, hängt oftmals von den internationalen Verflechtungen ab. Dies gilt auch für den Umfang der Nachfrage dieser Betriebe nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Region. Die hierzulande sehr erfolgreiche Wertschöpfungskette Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft und Lebensmittelhandel hat sich international eine Topposition erkämpft. Trotzdem steht diese Branche oftmals in der Kritik der Verbraucherschützer. Dies für viele westliche Industrieländer typische Phänomen, wird jedoch nicht der Vielfalt und der Qualität der hiesigen Nahrungsmittelprodukte gerecht.

Karsten Hoeck, LK-Markt


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