Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

13.11.2009 -  

Zinsentwicklung – Wo geht die Reise hin?

Seit Anfang Juli 2008 bis heute ist der Leitzins von der Europäischen Zentralbank (EZB) sukzessive von 4,25 %, um insgesamt 3,25 % auf ein Rekordtief von 1,00 % gesenkt worden. Auch der Zinssatz der Euribor (Euro Interbank Offered Rate), zu dem sich 57 europäische Banken Anleihen in Euro gewähren, liegt seit den letzten drei Monaten unter 0,80 %. Diese Entwicklung wurde durch die sehr niedrige Inflation und die Wirtschaftskrise hervorgerufen. Auch wenn die Notenbanken in Australien und Amerika die Leitzinsen langsam wieder erhöhen bzw. drüber nachdenken, hat die EZB den Leitzins bei 1 % belassen. Der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, erklärte, dass die globale Finanzkrise noch nicht überwunden und somit die aktuelle Geldpolitik angemessen sei. Diese Einschätzung wie auch Berichte vielen Ökonomen gehen daher von einer Zinserhöhung erst ab der zweiten Jahreshälfte 2010 aus. Die Ökonomen stützen ihre Prognose auf Anzeichen der Stabilisierung der Wirtschaft, die im nächsten Jahr sich noch verstärken soll.
Aber die Schwankungen bei den Baugeldzinsen haben in der letzten Zeit in verschiedenen Veröffentlichungen zugenommen, was zu besonderer Wachsamkeit Anlass gibt. Es wird allen Baugeldinteressenten geraten sich jetzt um eine günstige Finanzierung zu bemühen, da die Zinsen für Immobilienfinanzierungen zurzeit auf einem sehr günstigen Niveau sind. Im September wurden die durchschnittlichen Zinsen für Wohnungsbaukredite an Privathaushalte gesenkt. Für Zinsbindungen von mehr als fünf und bis zu zehn Jahren ging der Zinssatz um 6 Basispunkte auf 4,48 % zurück. Zu Beginn der Finanzkrise im Herbst des vergangenen Jahres mussten die Kreditnehmer für entsprechende Kredite noch 5,28 % bezahlen.
Um sich die niedrigen Finanzierungszinsen für zukünftige Investitionen zu sichern, sollte auch verstärkt über Forward-Darlehen nachgedacht werden. Ein Forward-Darlehen ist ein Darlehen, das demjenigen der es aufnimmt erst nach einer bestimmten Vorlaufzeit von bis zu 60 Monaten nach Vertragsabschluss ausgezahlt wird. Diese sind zwar im Vergleich zu Darlehen mit sofortiger Auszahlung mit einem Zinsaufschlag versehen, aber auf längere Sicht kann sich das durchaus rechnen. Wie auch auf dem Getreide-, Futtermittel und Rapsmarkt Vorkontrakte für die Eingrenzung des Preisrisikos genutzt werden, so kann auch das Finanzierungsrisiko durch Forward-Darlehen reduziert werden.
Bei den Dispo-Krediten gibt es im Moment keine Anzeichen für stark sinkende Zinssätze. Dispo-Zinsen sind immer teurer als andere Kredite, denn die Banken kennen nie den Bedarf an Geld ihrer Kunden, und diesen vorgehaltenen Finanzspielraum lassen sie sich am Markt entsprechend mit höheren Zinsen bezahlen. Obwohl die Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft dem Bundesfinanzminister zugesagt hatten, die Verbesserung der Refinanzierungssituation auch bei den Finanzierungsangeboten für Privatkunden mit einfließen zu lassen, gibt es zwischen den Geldinstituten momentan große Unterschiede. Eine Stichprobe der Verbraucherzentrale ergab, dass sich die Dispo-Zinsen bei 15 untersuchten Banken und Sparkassen zwischen 7,9 % und 16,99 % bewegen. Einige Institute tun sich schwer, dem allgemeinen Trend bei den Zinsen zu folgen und senken nur sehr zögerlich die Zinsen für Dispo-Kredite.
Die Verbraucherzentralen empfehlen den Kunden entsprechend nachzufragen und insbesondere bei Kunden, die einen variablen Dispo-Zins vereinbart haben, die Differenz zwischen tatsächlicher und korrekter Anpassung berechnen zu lassen.
So kann auf dem Geldmarkt der eine oder andere Euro durch Nachfragen gespart werden.
Bernd Irps, LK-Markt
transparent  


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