Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

06.11.2009 -  

Agrarmärkte zwischen „heiß und kalt“

Beim Blick auf die ersten Ergebnisse des abgelaufenen Wirtschaftsjahres der Testbetriebsstatistik werden die Auswirkungen der Preisschwankungen der Agrarmärkte deutlich. Nach dem Motto: „Jeder ist mal dran“, verzeichnet meist in jedem Jahr ein Betriebstyp einen deutlichen Rückgang des Betriebsgewinns. Während vor einigen Jahren die Ferkel- und Mastschweineproduktion einen Einbruch erlebte, gaben zuletzt die Milchpreise deutlich nach und anschließend die Getreide- und Rapspreise der letzten Ernte. Professor Tangermann von der OECD erklärte während einer Veranstaltung der Nord/LB, dass sich die Märkte auch in Zukunft zwischen „heiß und kalt“ bewegen werden. Dies sei für die Betroffenen zermürbend und die Unsicherheit werde noch, durch das von der Politik gezeigte Mitgefühl verstärkt, so der Agrarökonom. Als Marktteilnehmer müsse man sich jedoch an den Entwicklungen des internationalen Marktes orientieren. Die Preisschwankungen treten nicht erst in den letzten Jahren auf, in denen sich die Grenzen und internationalen Märkte geöffnet haben. So sind diese zu Beginn der 70er Jahre erheblich stärker ausgefallen als heute. In jeder Zeit gibt es Sonderfaktoren, die die Preisentwicklungen beeinflussen. Für die weitere Entwicklung sieht der langjährige Direktor bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD Anzeichen für eine Wiederbelebung der landwirtschaftlichen Märkte. Dennoch werde eine exakte Liquiditätsplanung und Maßnahmen zur Risikovermeidung zu überlebenswichtigen Elementen für die Betriebe.
Die witterungsbedingten Ertragsschwankungen werden auch in Zukunft einen großen Einfluss auf die Agrarpreise haben. Da derzeit bereits in vielen Ländern aus landwirtschaftlichen Produkten Bioenergie gewonnen wird und der Bedarf an Nahrungsmitteln durch höhere Einkommen in vielen Ländern steigt, erwartet er, dass sich die Preise in den nächsten Jahren insgesamt um 10 bis 50 Prozent über dem Niveau der letzten Jahre bewegen werden. Das Problem der Welternährung und der Bekämpfung des Hungers ist weniger eine Frage des Gesamtangebotes an Nahrungsmitteln und deren Verteilung als eher der geringen Einkommen in vielen Regionen der Welt.
Sollte sich das Einkommen der Landwirte durch steigende Erzeugerpreise nachhaltig erhöhen sieht Herr Tangermann, jedoch auch die Notwendigkeit die staatlichen Einkommensbeihilfen schrittweise abzubauen. Diese stammen ursprünglich aus einer Zeit, als die europäische Agrarpolitik reformiert und die Preisstützung gesenkt wurde.
Eine weitere Liberalisierung der Agrarmärkte würde helfen, die Angebots- und Nachfrageschwankungen zu reduzieren. Es ist in jedem Fall gut, Märkte so frei wie möglich spielen zu lassen, damit Angebot und Nachfrage sich ausgleichen können. Das heißt: Öffnung der Grenzen, so dass inländische und internationale Märkte besser zusammenarbeiten können. Das heißt Abbau von Importzöllen, soweit es nur irgend geht, aber auch Abbau von Exportbeschränkungen. Nach Schätzungen der OECD würde allein schon ein Abbau von Zöllen und anderen handelsverzerrenden Subventionen um 50 Prozent in der Landwirtschaft aber auch bei Industrieprodukten jährliche Wohlfahrtsgewinne von schätzungsweise 44 Milliarden Dollar pro Jahr bewirken. Und ein vollständiger Abbau der Zölle würde gerade in den Entwicklungsländern das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um zusätzlich zwei Prozent jährlich wachsen lassen. Ein anhaltender Anstieg der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse würde nicht nur das Einkommen der hiesigen Landwirte stützen, es würde auch helfen die landwirtschaftlichen Märkte zu öffnen und so den Spielraum für mehr Produktionsvielfalt und mehr Produktionskapazitäten zu schaffen.
Karsten Hoeck, LK-Markt
transparent  


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