Kommentar
29.10.2009 -
Das Dilemma mit dem Dollar
Derzeit bewegt sich wieder was an den Börsen für landwirtschaftliche Produkte. In den letzten Tagen konnten die Notierungen in Chikago wie auch Paris deutliche Zugewinne erzielen. Diese Bewegungen sind aber vielfach nicht fundamentaler Natur, sondern beruhen auf spekulativem Engagement zumeist der größeren Fondgesellschaften. Neben dem Dollar ist es derzeit das Wetter, was zu Spekulationen einlädt. In den USA läuft die Mais- und Sojabohnenernte, leider wird der Erntefortschritt durch das Wetter immer wieder behindert. So sollen beim Mais bislang nur knapp über 20 Prozent geerntet worden sein, im Mittel der Vorjahre waren schon über die Hälfte der Ernte geborgen. Da derzeit auch die Wettervorhersagen kein Erntewetter versprechen, wird schon über die Höhe der Ernteausfälle spekuliert. Mit der fortschreitenden ungünstigen Witterung drohen auch Qualitätseinbußen. Sollte sich das Wetter aber vorteilhaft entwickeln, ist es auch schnell mit den höheren Notierungen wieder vorbei.
Auch bei der Sojabohne sorgen die Witterungsverhältnisse für einen schleppenden Erntefortgang. So sollen erst knapp 1/3 der Ernte geborgen worden sein, in den Vorjahren waren bereits 2/3 der Ernte in den Silos. Die Spekulanten setzen dabei Ertragsausfälle und darüber hinaus auch auf Qualitätsprobleme. Ein weiterer Aspekt steht dabei ebenso im Mittelpunkt: mit der Verzögerung drohen auch Versorgungsengpässe. Mit den geringen Beständen aus der letzten Ernte müssen die inländische-, wie auch die ausländische Nachfrage bedient werden. Die erwartete hohe Ernte aus Südamerika steht erst im nächsten Frühjahr zur Verfügung. Daher ist auch in diesem Bereich nicht unbedingt eine Nachhaltigkeit in den Kurssteigerungen zu sehen.
Daneben sorgt derzeit der Dollarkurs für Bewegung an den Warenterminbörsen aber auch an den Finanzmärkten. Mit dem derzeit schwachen Dollarkurs werden die Exporte amerikanischer Güter wie beispielsweise Mais, Weizen und Sojabohnen erleichtert. Bei den guten Exportzahlen, die meistens über den Erwartungen liegen, erhalten die Notierungen weitere positive Impulse und steigen an. Der schwache US-Dollar sorgt aber auch dafür, dass das Kapital aus den Finanzmärkten gezogen und in Rohstoffe angelegt wird. Neben steigenden Preisen für Agrarrohstoffen zeigt sich dies dann unter anderem in steigenden Goldkursen wie auch in steigenden Rohölkursen. So ist derzeit der Rohölkurs durch Kapitalfluss in diesen Markt auf 80 US$/barrel angestiegen.
Die steigenden Mineralölpreise sorgen in den USA wiederum für höhere Ethanolpreise - das Niveau liegt deutlich über dem der Vorjahre. Damit wird auch der Wachstumskurs der Ethanolherstellung in den USA unterstützt, die Nachfrage nach Mais für diese Verwendung steigt weiter an, derzeit wird von 107 Mio. t (Vorjahr 94 Mio. t) ausgegangen.
Die Börse in Paris orientiert sich vielfach an den Vorgaben aus Chikago. So konnten analog zu den Kursentwicklungen in Chikago die Notierungen für Weizen, Mais und Raps an der Matif zulegen. Zwar fielen die Notizgewinne nicht so hoch aus, die Talphase der Preise scheint damit vorerst aber überschritten. Diese Notierungen spiegeln sich auch in den Preisen vor Ort wieder, die ebenfalls eine steigende Tendenz aufzeigen. Aber hier beginnt jetzt das Dilemma: Mit den gestiegenen Erzeugerpreisen müssen auch die Forderungen für den Export angehoben werden. Damit wird die Differenz zur günstigen Ware aus den USA, dem Schwarzmeerbereich und aus anderen Ländern der Welt noch größer. Die dringend erforderlichen Exporte kommen so nicht zustande. Damit sind die derzeitigen Preissteigerungen äußerst spekulativ, da sich die physischen Märkte insbesondere der Weizen- wie auch der Rapsmarkt nicht verändert haben.
Bernd Irps, LK-Markt





