Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

19.10.2009 -  

Raps – Vermarkten mit Blick auf die Börsen!

Die Rapssaat ist schon lange abgeschlossen, die Bestände auf den Äckern stehen gut und alle warten auf eine gute Ernte mit hohen Preisen. Derzeit wird an der Börse Matif in Paris Raps für den Liefermonat August 2010 mit einem Preis von 274 Euro/t gehandelt. Aus den vorigen Jahren hat sich ein Differenz zwischen dem Marktpreis vor Ort und den notierten Preisen (Basis) an der Börse in Paris von rund 10 bis 15 Euro/t herausgebildet. Je nach Nähe zu den Vermarktern kann diese noch größer oder kleiner sein. Auch Schwankungen sind in Abhängigkeit von dem verfügbaren Angebot möglich. Ausgehend von dem oben genannten Börsenpreis ergibt sich ein Erntepreis in Höhe von 259 bis 264 Euro/t. Auch in den Vorkontrakten bilden die Notierungen an der Matif die Grundlage für die Preisfindung. Jeder kann die individuelle Basis ganz einfach über den Vergleich der Matif-Notierung mit den Preisgeboten des Handels ermitteln. Die Notierungen an der Matif sowie weitere Börsennotierungen werden im Bauernblatt zu finden sein. Aktueller sind diese aber über das Internet unter der Adresse www.commodities.com kostenlos nach vorheriger Anmeldung einzusehen. Wie geht jetzt die Preisentwicklung weiter, insbesondere wann sollen Vorkontrakte in Angriff genommen werden? Der Rapsmarkt wird derzeit sehr stark durch die Vorgaben des Sojabohnenmarktes in den USA geprägt – genauer gesagt, die Matifnotierungen folgen den Notierungen in Chikago. Infolge von drohenden Frösten und einer verzögerten Witterung konnten sich die Notierungen in den vergangenen Tagen etwas nach oben bewegen. Für die weitere Preisentwicklung ist der Erntefortschritt in den USA mit entscheidend. Denn die Lagerbestände in den USA haben sich im Laufe des jüngsten Wirtschaftsjahres durch Ausfälle in Südamerika und umfangreiche Käufe Chinas deutlich reduziert. Je mehr sich die Ernte verzögert, desto größer sind auch die Chancen auf Engpässen mit entsprechenden nach oben gerichteten Preisaufschlägen. Auch die Höhe der Ernte ist wichtig, denn diese muss bis zum Beginn der Sojabohnenernte in Südamerika reichen. Sollten sich die erwarteten Preisausschläge dann auch auf den Rapsmarkt in Paris übertragen, könnten sich schon Chancen für einen Verkauf des noch eingelagerten Raps wie auch für Vorkontrakte ergeben.
Als weiterer wichtiger Einflussfaktor gilt auch die Entwicklung am Rohölmarkt. Derzeit bewegt sich der Preis mit vergleichsweise geringer Schwankungsbreite seitwärts. Dieser Markt ist aber immer für Überraschungen gut, was entsprechende Preisschwankungen mit sich bringen kann. Auch der Dollarkurs ist eine Einflussgröße, die kaum vorherzusagen ist. Beim Sojabohnenmarkt sind weitere Größen zu betrachten, so wird von einer großen Ernte in Südamerika ausgegangen. Dabei gilt es aber zu berücksichtigen, dass die Sojabohnen erst in den nächsten Wochen ausgesät werden.
Aber auch der Rapsmarkt an sich könnte noch für Überraschungen sorgen. So wird die Ernte in Kanada in den Schätzungen weiter nach oben korrigiert, was dem Rapsmarkt keine positiven Impulse verleiht. Auch könnte Australien noch für eine Preisbewegung sorgen. Die Ernte dort steht zum Jahresende an, hier ist noch alles möglich von Ertragsausfällen bis zur Rekordernte. Viele Experten sehen den Rapsmarkt in einer Bandbreite von 240 bis 280 Euro/t in den kommenden Monaten. Es werden aber auch Preise bis zu 290 und 300 Euro/t als Erzeugerpreis bis zum Jahresende hin für möglich gehalten. Eine weiterhin schwache Preisentwicklung ist aber auch vorstellbar. Der Markt bleibt also spannend und damit auch interessant. Für die Vermarktung sollte immer ein Blick auf die Entwicklung der Warenterminbörsen geworfen werden. Aber es gilt auch, nicht immer auf einen hohen Preis zu hoffen und zu warten, sondern bei entsprechenden Preisen einen Verkauf beziehungsweise Vorverkauf zumindest für eine Teilmenge vorzunehmen.

Bernd Irps, LK-Markt


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