Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

12.10.2009 -  

30 Cents – Utopie oder realistische Chance?

Zurzeit gibt man sich ziemlich sicher und überall liest man: Die Erzeugerpreise für Milch werden steigen. Anschließend kommen die Erläuterungen zu dieser Aussage. Klar sind sich alle einig – eine positive Entwicklung zum Herbst hin ist üblich, nur hinsichtlich Menge, Nachfrage und Absatz wird die Thematik schwieriger. Es stellt sich für den Erzeuger die einfache Frage, ob der derzeit leichte Preisanstieg nachhaltig ist und damit eine Trendwende in der Preisentwicklung darstellt.
In einigen Studien wird auf globale Wachstumssteigerungen verwiesen, dabei geht es in erster Linie um die Steigerung der Produktion. Das hört sich auf den ersten Blick nicht vielversprechend an, es kommt auch darauf an, ob die Nachfrage genauso stark anzieht oder zurückbleibt. Insgesamt betrachtet steigt die weltweite Milcherzeugung um 5 Mio. t mehr Milch als im Jahr 2008 an. Überwiegend, das heißt 3 Mio. t geht die Erhöhung der Milchmenge auf die Produktionssteigerung in Indien und China zurück. Aber auch Brasilien weist mit einer Steigerung von 1,5 Mio. t ein großes Potential auf.
In Deutschland liegt die Milchanlieferung in der vorigen Woche erstmals unter der Vorjahresanlieferung. In den bisherigen Wochen lag die Anlieferung über dem Vorjahreswert. Es bleibt spannend wie sich die Milchanlieferung weiter entwickeln wird. Es ist eine Unterlieferung aber auch eine Überlieferung möglich, es liegt also in den Händen der Erzeuger, wie hoch letztendlich die Milchmenge ausfallen wird.
Neben dem Angebot ist aber vielmehr die Nachfrage von großer Bedeutung für die preisliche Entwicklung. Hier gibt es durchaus optimistische Einschätzungen. Es gilt dabei aber zu unterscheiden. So wird das Wachstumspotential in Deutschland und in vielen Ländern der EU eher begrenzt gesehen – das Heil der Milchwirtschaft liegt also in der Steigerung der Exporte. Hier geht es aber nicht um Butter und Magermilchpulver, diese können in vielen Ländern der Welt wesentlich günstiger produziert werden. Übrigens drohen weitere Mengen an Magermilchpulver in der Intervention zu landen. Auf der einen Seite helfen zwar diese Einlagerungen die Angebotslage und damit auch die Preislage zu entspannen. Auf der anderen Seite drohen aber diese Mengen auch den erwarteten möglichen Preisanstieg wieder abzubremsen. Denn die EU wird daran interessiert sein, möglichst bald die aufgebauten Bestände wieder abzubauen, was sich in einem zusätzlichen Angebot äußern würde, die dämpfende Preiswirkung ist damit vorprogrammiert.
Es gilt also, innovative Produkte zu kreiren und diese auf dem Weltmarkt anzubieten. Hier ist nicht nur der Erfindergeist gefragt, sondern ein gutes Marketing und dies speziell auf den Auslandsmärkten. So gilt es, die in den vergangenen Jahren verlorenen Marktanteilen im Export wieder zu gewinnen. Hier dürfte der Erfolg aber auch maßgeblich von der Überwindung der Wirtschaftskrise abhängen. Aber auch im Binnenmarkt dürfte die Wirtschaftskrise noch die Nachfrage negativ beeinflussen. Die Absatzmengen lassen sich kaum erhöhen, aber ein höherer Preis würde einen wichtigen Beitrag zur Entspannung des Milchmarktes leisten. So wird das Signal von Aldi mit der Erhöhung des Butterpreises wohlwollend aufgenommen. Wollen wir hoffen, dass dieses kein Einzelfall ist und viele Discounter mitziehen. Mit diesen Preissteigerungen und den positiven Zeichen vom Exportmarkt sind die von einem bekannten Fachblatt geäußerten Hoffnungen auf eine Preissteigerung im Frühjahr auf ein Niveau um die 30 Cents/kg keine Utopie.

Anja Suchy, LK-Markt






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