Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

05.10.2009 -  

Kartoffeln: Ernte gut – alles gut?

In der vergangenen Woche wurde das vorläufige Ergebnis der Kartoffelernte 2009 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz veröffentlicht. Danach ergibt sich für Deutschland eine Kartoffelernte von 11,6 Mio. t, das entspricht einem Plus von 0,3 Mio. t gegenüber dem Vorjahr. Der Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2008 von 11,27 Mio. t in einer Bandbreite von 10 Mio. in 2006 bis 13 Mio. t in 2004 wurde ebenfalls leicht übertroffen. Die größten Zuwächse in einer Größenordnung um die 14 Prozent erreichten Hessen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Nordrhein-Westfalen verzeichnet einen Rückgang von 13 Prozent, in Schleswig-Holstein soll die Ernte mit 206.500 t rund 8 Prozent höher als im Vorjahr ausfallen.
Die höheren bezeihungsweise niedrigeren Ergebnisse fußen in erster Linie auf den höheren Erträgen, die Anbauflächen zeigen nur geringere Veränderungen. So wird von einer Anbaufläche von 5.400 ha in Schleswig-Holstein (+ 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und einem Ertrag von 379 dt/ha (+ 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr) ausgegangen.
Besonders erwähnenswert ist die gute Qualität der diesjährigen Ernte – insbesondere die Größensortierungen, die einen hohen Anteil vermarktfähiger Ware erwarten lässt. Teils wird zwar noch auf Wurmfraß und grüne Knollen hingewiesen, an einer hohen marktfähigen Menge wird sich aber kaum noch etwas ändern. Darüber hinaus wird von guten Einlagerungsbedingungen berichtet, Lagerausfälle dürften daher vermeintlich nur gering ausfallen.
Es gibt aber auch andere Interpretationen, so werden in einigen Regionen infolge der Trockenheit schwierige Erntebedingungen und verstärkte Beschädigungen der Knollen erwartet. So könnten sich die Absortierungen erhöhen und damit das Angebot eingrenzen. Vielfach werden aber auch die Absortierungen genutzt, um die Preise nachträglich zu korrigieren. Insbesondere aus anderen Regionen wird von einem vermeintlich hohen Preisniveau berichtet, was aber dem Erzeuger wenig nützt, da über einen größeren Anteil der Absortierungen der Erlös für die verkaufte Menge deutlich niedriger ausfällt, als zunächst erwartet worden war. Darauf gilt es in der Vermarktung von allen Seiten ein besonderes Augenmerk zu richten.
Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland lag im Wirtschaftsjahr 2007/08 bei 123 Prozent nach 111 Prozent in den beiden vorangegangen Jahren. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist mittlerweile bei rund 60 kg angekommen, um die Jahrtausendwende waren es noch rund 70 kg gewesen, wobei heute mehr Kartoffeln veredelt als Frischware verzehrt werden. Daran wird sich vermutlich in diesem Jahr nichts ändern, mehr Kartoffeln werden wohl nicht gegessen werden. Daher wird der Export eine nicht unwichtige Rolle bei der Markt- und Preisentwicklung spielen. Teils laufen bereits schon die Ausfuhren, es werden auch noch weitere Käufe von osteuropäischen wie auch südosteuropäischen Ländern erwartet.
An der Börse in Frankfurt, wo nur noch Veredlungskartoffeln notiert werden, erreichen die Notierungen für den Monat November einen Kurs um die 8,30 Euro/dt. Der meist gehandelte Monat ist der April 2010 mit einem Niveau um die 12 Euro/dt. An diesen Notierungen zeigt sich schon, dass kaum von einem größeren Engpass in den kommenden Wochen auszugehen ist. Auch hierzulande können die guten Ernteergebnisse nicht die negativen Preise ausgleichen. Teils hat man sich aufgrund der angespannten Liquidität schon von Ware getrennt, größtenteils wurden die Knollen aber zunächst eingelagert.
Zur Eingrenzung des Preisrisikos ist das Aufsplitten der Vermarktung eine gute Alternative. Der Markt ist noch für einige Überraschungen gut, es bleibt abzuwarten, wie sich die Kartoffeln in den Lagern verhalten und auch wie sich die europäischen Ernten sowie die Exporte darstellen. Steigende Preise sind daher durchaus noch möglich.
Bernd Irps, LK-Markt


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