Kommentar
21.09.2009 -
Zwickmühle: Angebotsdruck durch Liquiditätsengpässe!
Die Preise für Getreide kannten in den vorigen Wochen nur eine Richtung und zwar nach unten. Vor ein paar Wochen hat es keiner für möglich gehalten, dass der Weizenpreis so weit absinken kann. So sahen viele Marktbeteiligte Börsennotierungen an der Matif um die 125 Euro/t als Bodensatz, heute wird mittlerweile die 120 Euro/t Marke für den Liefermonat November 2009 umspielt. Ist dieses jetzt der Tiefpunkt oder sind weitere Preisabschläge möglich? Über allem schwebt derzeit die große Getreideernte, es wird nur noch die Menge gesehen, andere Einflussfaktoren wie beispielsweise mögliche Ernteausfälle in Argentinien und Australien werden gar nicht mehr betrachtet. Oder aber es wird darauf verwiesen, dass diese möglichen Missernten schon eingepreist sind. Darüber hinaus steht jetzt die Maisernte in vielen Ländern der Welt an, insbesondere bei dem Hauptproduzenten USA. Die Wetteraussichten sind derzeit gut, die Ernteprognosen werden daher eher heraufgesetzt als reduziert. Auch in Europa werden überwiegend die bisherigen Prognosen über die Ernte auf dem bisherigen Niveau gehalten. Nur Frankreich hat seine Prognose von 16 im Vorjahr auf 15 Mio. t in diesem Jahr heruntergesetzt. Dieses wird vom Markt aber eher ignoriert, die Börse in Paris (Matif) folgt eher den Vorgaben aus Chicago und notierte dementsprechend schwächer.
Vom Kassamarkt kommen derzeit auch wenig positive Signale. Mit dem Abschluss der Ernte hatte man vielfach die Hoffnung, dass der Angebotsdruck deutlich nachlässt. Dieses scheint aber in vielen Regionen nicht der Fall zu sein. Vielfach ist es die Liquidität, die einen Verkauf erfordert. Darüber hinaus gibt es wenig Hoffnung auf eine durchgreifende Preissteigerung im Markt. Die Erzeuger sind daher bereit auch für weniger Geld ihr Getreide zu verkaufen. Im Süden Deutschlands wird auch auf den benötigten Lageraum für die Maisernte verwiesen. In den osteuropäischen Ländern ist die Liquiditätslage auf den Betrieben noch angespannter als hierzulande. So sind viele Betriebe gezwungen sich von ihrem Getreide zu trennen, um die Bestellung für die nächste Ernte vornehmen zu können. Teils reicht die Ernte dafür nicht aus, so dass sogar davon berichtet wird, dass einige Flächen nicht bebaut werden.
Durch den Angebotsdruck erhöht sich der Preisdruck, teils geraten dadurch die Preise unterhalb des Interventionspreisniveaus. Bei der Gerste ist mittlerweile abzusehen, dass ab November die Intervention rege in Anspruch genommen wird, derzeit ist die Konkurrenz auf dem Weltmarkt aus der Schwarzmeerregion zu groß. Die Preisentwicklung ist damit für diese Getreideart vorgegeben. Beim Brotroggen ist das Preisniveau Richtung 8 Euro/dt gewandert, ist wird zwar nicht von weiteren Preisabschlägen ausgegangen, aber höhere Preise sind genauso unwahrscheinlich. Beim Brotweizen lassen sich für die kommenden Wochen auch kaum höhere Preise erwarten, der derzeitige Angebotsdruck und die überversorgten Märkte sprechen dagegen. Für höherwertigen Weizen gibt es zwar positivere Aussichten, es stellt sich nur die Frage, wann diese eintreten werden. Nach den derzeitigen Einschätzungen werden bis zum Jahresende kaum Chancen auf eine durchgreifende Preiserholung gesehen. Die Chance über eine verhaltene Verkaufsbereitschaft zu einer Angebotsverknappung und höheren Preisen zu kommen, ist über die vielfach liquiditätsbedingten Verkäufe nicht gegeben. Wer auf höhere Preise hofft und wartet, braucht einen langen Atem. Teilverkäufe tragen zwar zur Risikostreuung und Liquidität auf den Betrieben bei, sie erhöhen aber auch die angebotene Menge und damit Preisdruck.
Bernd Irps, LK-Markt





