Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

14.09.2009 -  

Quo vadis Schweinemarkt?

Nachdem die Milchpreise bereits im vorigen Jahr einbrachen und die Erzeugerpreise für Getreide und Raps im Laufe des Sommers unter Druck geraten sind, zeigt sich derzeit nur der Schlachtschweinemarkt relativ stabil, auch wenn es in der ersten Septemberwoche eine deutliche Preiskorrektur nach unten gab. Die Kurse haben das Rekordniveau vom August des vorigen Jahres, als die Notierungen kurzzeitig 1,80 Euro je kg SG überschritten, in diesem Jahr nicht erreicht, halten sich jedoch seit Wochen auf einem relativ erträglichen Niveau; wenn man die reduzierten Kurse für Futtermittel und den aktuellen Ferkelpreis mit berücksichtigt.
Doch was bringt die weitere Entwicklung? Anfang Januar, wenn die derzeit aufgestallten Ferkel mastreif werden, neigen die Schlachtschweinenotierungen oft zur Schwäche. Kann mit dem nächsten Durchgang somit ein ausreichender Deckungsbeitrag erzielt werden oder zeigt sich die Rentabilität genauso düster wie die dann herrschende Jahreszeit? Der Terminmarkt macht da derzeit wenig Hoffnung: Die Kurse für Januar 2010 der EUREX-Terminmarktbörse an dem neuen Standort in Frankfurt lagen Ende der ersten Septemberwoche bei 1,30 Euro je kg SG. Dies währen mehr als 20 Cent/kg unter dem aktuellen Niveau und sorgt eher für Ernüchterung.
Somit hilft nur ein Blick in die Kristallkugel oder ein Versuch mit Hilfe der amtlichen Statistiken die Angebots- und Nachfrageentwicklung in den nächsten Monaten vorauszusagen.
Im ersten Halbjahr 2009 stieg die Schweinefleischerzeugung in Deutschland um 3,3 Prozent auf 27,7 Millionen geschlachtete Tiere. Das sind rund 760.000 Schweine mehr als im Vorjahreszeitraum. Diese hohe Schlachtmengen resultieren nicht nur aus der gestiegenen Zufuhr aus den Nachbarländern. Auch die deutsche Eigenerzeugung stieg um 1,8 Prozent an. Für das Jahr 2009 erwartet man einen Selbstversorgungsgrad von 110 Prozent. Der Export von Schweinefleisch sorgt zwar für etwas Entlastung, doch sind die Verdienstspannen hier nur gering. Auch am Inlandsmarkt lassen sich die großen Fleischmengen nur mit Mühe unterbringen. Viele Schlachtbetriebe haben wirtschaftliche Schwierigkeiten und fordern Preisabschläge für lebende Schweine. Im Gegensatz zum Geschäft mit Schweinefleisch zeigt sich dagegen der Handel mit lebenden Schweinen seit Wochen unverändert stabil. Eine rege Nachfrage aus Ost- und zuletzt auch aus Südeuropa sorgt dafür, dass sich die Kurse hier gut behaupten können. Aus Sicht von Marktkennern wird diese Situation auch in den nächsten Monaten anhalten. Vor allem durch die abgestockten Sauenbestände in Osteuropa bleibt hier der Bedarf an lebenden Schlachtschweinen bestehen, da hier die Schlachtkapazitäten ausgebaut worden sind. Auch die Exportmöglichkeiten für Ferkelpartien aus Deutschland, Holland und Dänemark nach Osteuropa sind zuletzt gestiegen.
Obwohl der Verzehr von Schweinefleisch weiter leicht rückläufig bleibt, wird in anderen Regionen der Welt herzhaft zugelangt. So wird insgesamt mit einem steigenden Bedarf gerechnet. Nach einer Studie der OECD und der FAO reicht die erwartete Steigerung der weltweiten Produktion von jährlich 1,8 Prozent nicht aus, um den Bedarf zu decken. Hiernach wird mit Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent innerhalb der nächsten 10 Jahre gerechnet. Doch auch der Handel mit Schweinefleisch unterliegt den Gesetzen der Globalisierung. Preisschwankungen werden dafür sorgen, dass die Entwicklung hier keine Einbahnstrasse ist. So müssen auch weiterhin Tiefstpreisphasen einkalkuliert werden. Für die kommenden Wochen und Monate sieht man dagegen Chancen auf eine relativ stabile Entwicklung. Ob die Erträge ausreichen, um die finanziellen Löcher der vorigen zwei Jahre auszugleichen und in Zukunft eventuell wieder über Investitionen nachzudenken, bleibt nur zu hoffen.

Karsten Hoeck, LK-Markt





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