Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

20.04.2009 -  

Ist weniger mehr?

Noch sind Kartoffeln aus der Ernte 2008 am Markt zu haben. Die vergleichsweise kühlere Witterung hat aus so manchem Lager ein richtiges Kühllager gemacht. Die Qualität zeigt sich bei der Mehrheit der angebotenen Kartoffeln recht gut. Die meisten der einfacheren Lagerstätten sind mittlerweile geräumt, jetzt stehen überwiegend Kartoffeln aus den Kühllagern zur Verfügung. Abfallende Qualitäten sind daher hierzulande kaum an den Märkten zu finden. Die gute Qualität hat in den vergangenen Wochen für einen regen Absatz gesorgt. Gerade auch vor dem Osterfest konnten nochmals größere Menge platziert werden. So wird vielfach berichtet, dass der Anteil der Importfrühkartoffeln in diesem Jahr bislang niedriger ausfiel als in den Vorjahren. Auch in anderen Teilen des Bundesgebietes wird von einer langen Vermarktungsphase der Kartoffeln der Ernte 2008 berichtet. Die sonst üblichen großen Importe französischer Kühlhausware sind in dieser Kampagne niedriger ausgefallen. Ob nach Ostern diese Ware noch zum Zug kommt, darf bezweifelt werden. Denn mittlerweile sind die Frühkartoffeln aus Ägypten und Israel sowie weiteren Staaten aus dem Mittelmeerbereich am hiesigen Markt. Teils sind diese bereits in den Supermärkten gelistet, teils warten diese Kartoffeln in den Kühllägern auf ihre Vermarktung.
Bei den Restbeständen an alterntiger Ware werden hierzulande kaum noch größere Probleme in der Vermarktung gesehen. Auf den Wochenmärkten und direkt ab Hof wie auch im Lebensmitteleinzelhandel werden diese Kartoffeln auch nach Ostern noch anzutreffen sein und ihren Absatz finden, da diese deutlich preisgünstiger als die neuen Kartoffeln zu haben sind.
Die Auspflanzungen für die Ernte 2009 haben in diesem Jahr später begonnen, teils war es noch zu nass vielfach aber einfach zu kalt. Der Anbau unter Folie wird daher nach Meinung vieler Marktbeteiligten geringer ausfallen. Auch aus dem Bundesgebiet wird von Verzögerungen bei der Auspflanzung der frühen, mittelfrühen und späten Sorten berichtet. Das spricht nicht gerade für überdurchschnittliche Erträge, es liegt an der weiteren Entwicklung der Witterung, ob und wie schnell der Vegetationsrückstand aufgeholt werden kann. Hinsichtlich der Anbaufläche gehen die Meinungen auseinander. Überwiegend wird von einer unveränderten Anbaufläche ausgegangen. Teils werden aber auch Einschränkungen erwartet. Aus dem Pflanzkartoffelgeschäft kann auch nur schwerlich auf die Auspflanzfläche geschlossen werden. Es stand zwar durch etliche Aberkennungen weniger Pflanzgut zur Verfügung, der Nachbau ist aber schwer abzuschätzen. Angesichts des eher schrumpfenden Verbrauchs ist für einen auskömmlichen Preis eine geringere Anbaufläche erforderlich. So ist der Pro-Kopf-Verbrauch in den vergangenen Jahren auf rund 63 kg zurückgegangen, wobei der Verbrauch als Frischekartoffel von dem Verbrauch für die Verarbeitung übertroffen wird. In den letzten Jahren haben die Erzeuger mit rückläufiger Anbaufläche nicht nur in Deutschland sondern in der EU insgesamt schon darauf reagiert. In Südeuropa sollen die Anbauflächen infolge von Niederschlägen und der Kälte eingeschränkt worden sein. Bleibt zu hoffen, dass auch die Erzeuger hierzulande und speziell in den Hauptanbaugebieten den Anbau eingeschränkt haben, damit der Preis ein höheres Niveau als in den beiden Vorjahren erreichen kann. Denn so ist im Endeffekt weniger mehr!
Bernd Irps, LK-Markt


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