Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

14.04.2009 -  

Nur über Ostern höhere Preise?

Kurz vor Ostern steht der Eiermarkt wie auch der Lämmermarkt im Focus des Marktgeschehens. Hiesige frische Schlachtlämmer werden derzeit lebhaft umworben, leider sind vor Ort keine zu haben. Es wird auf Stallmastlämmer aus den benachbarten Bundesländern wie auch aus den Niederlanden zurückgegriffen. Zum Teil muss auch auf importierte Schlachtkörper oder Teilstücke zurückgegriffen werden. Die Preisgebote sind derzeit zwar vergleichsweise hoch, sie reichen aber nicht aus, um wirtschaftlich eine Stallmast zu betreiben. Die herkömmliche Schlachtlämmerproduktion auf den Wiesen und Deichen rechnet sich eher, hiesige schleswig-holsteinische Schlachtlämmer zu Ostern werden daher eine Rarität bleiben und damit teuer.
Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Legehennenhaltung nimmt Deutschland neben Österreich eine Vorreiterrolle ein. In Deutschland ist mit der herkömmlichen Käfighaltung Ende 2009 Schluss. Die Kleingruppenhaltung ist noch möglich. Diese Eier scheinen aber auf wenig Gegenliebe der Discounter zu stoßen, vielfach werden diese nicht gelistet. Da heute schon kaum mehr Eier aus der Käfighaltung in den Regalen der Discounter zu finden sind, hat schon eine Veränderung in den Absatzanteilen stattgefunden. So werden aus dem Konsumbereich mehr Eier aus der Bodenhaltung als aus der Käfighaltung geordert. Zukünftig werden im Lebensmitteleinzelhandel und Discountern die Eier aus der Bodenhaltung das preisgünstigstes Segment darstellen. Die Kleingruppenhaltung, als Alternative zur Käfighaltung, hat es bisher nicht geschafft sich von dem schlechten Image der Käfighaltung abzusetzen. Eier aus der Freilandhaltung und der ökologischen Haltung konnten sich bisher nur begrenzt am Markt durchsetzen.
In Deutschland wurden im Jahr 2008 785.000 t Eier produziert, damit wurde das Ergebnis 2007 leicht übertroffen, der Selbstversorgungsgrad liegt weiter bei 68 Prozent. Das Gros der Einfuhren stammt aus den Niederlanden und zunehmend auch aus Polen, hierbei handelt es sich um überwiegend um Eier aus der Käfighaltung, die größtenteils in der Produktenindustrie verarbeitet werden. Für 2009 steht zu befürchten, dass die Eierproduktion deutlich zurückgehen wird. Mit der Umstellung auf die Bodenhaltung oder auch Freilandhaltung sind Investitionskosten verbunden, die vor allem kleinere Betriebe nicht tragen können. Der Rückgang in der Produktion war schon zum Ende des letzen Jahres festzustellen.
Mit dem knapper werdenden Angebot haben sich auch die Preise langsam nach oben bewegt. Verstärkt wurde diese Entwicklung in den vergangenen Tagen und Wochen durch die österliche Nachfragebelebung. Hierbei wird bereits auf Engpässe hingewiesen, speziell bei Eiern aus den alternativern Haltungsformen wie Boden- und Freilandhaltung. Nach Ostern wird es wieder zur Entspannung kommen. Die Preise werden möglicherweise etwas schwächer tendieren, es wird sich aber vor dem Hintergrund des kleineren Angebotes eine höheres Preisniveau einstellen. Die Bodenhaltung wird sich voraussichtlich weiter durchsetzen. Für die Marktversorgung ist neben der Freiland- und ökologischen Haltung aber auch die Kleingruppenhaltung erforderlich, insbesondere wenn es auch in der EU durch die Umsetzung der Richtlinie ab 2012 keine Eier aus der herkömmlichen Käfighaltung mehr gibt. Noch liegt die Selbstversorgung in der EU bei 101 Prozent. Mit dem Verbot wird eine Strukturveränderung und ein Einbruch in der Eierproduktion verbunden. Der Verbraucher muss daher wohl nicht nur zu Ostern sondern langfristig mehr Geld für Eier zahlen müssen.
Bernd Irps, LK-Markt


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