Kommentar
06.04.2009 -
Erklärungsbedarf
Nur zögerlich beginnen die Frühlingsboten das Ende des Winters einzuläuten. Getreu dem Motto „Im Märzen der Bauer“ haben die Landwirte bereits emsig die erste Düngegabe auf den Feldern ausgebracht. Doch so zurückhaltend wie sich der Frühling in diesem Jahr entwickelt, so verharren auch die Düngemittelpreise weiter in Kältestarre. Die Kurse für viele Düngemittel wurden im vergangenen Sommer und Herbst eingefroren und tauen derzeit nur zögerlich auf.
Ein kurzer Rückblick zeigt die Entwicklung: Nach der weltweiten knappen Ernte im Jahr 2007 zogen die Getreidepreise an. Auch die Düngemittelkurse stiegen durch die erhöhten Energiepreise und die weltweit große Nachfrage nach Rohstoffen. Die Industrie war von dieser Entwicklung überrascht. Obwohl sich am Weltmarkt deutlich lukrativere Absatzmöglichkeiten geboten haben, musste der Landhandel vor Ort mit Ware zu Kursen beliefert werden, die vorab auf niedrigerem Niveau per Kontrakt festgelegt worden sind. Im Jahr 2008 wollte man dieser Entwicklung entgegen wirken. Die zur Verfügung stehenden Mengen wurden quasi meistbietend verkauft. Dabei hat sich der Landhandel mit umfangreichen Mengen, zu hohen Preisen eingedeckt. Mittlerweile war wieder eine ansehnliche Ernte eingefahren worden und die Getreidepreise befanden sich auf Talfahrt. Trotz der reduzierten Nachfrage der Landwirte konnte man das hohe Preisniveau für Düngemittel weiter durchsetzen, da auch der Weltmarkt keine günstigeren Beschaffungsmöglichkeiten bot. „Die Schiffe mit Düngemittel machten zu der Zeit einen Bogen um Europa, da die Nachfrage zum Beispiel in Asien und Südamerika noch größer war,“ so ein Düngemittelhändler.
Im Zuge der einsetzenden Finanz- und Währungskrise gaben auch die weltweiten Energiepreise wieder nach. Somit hat sich auch die Düngemittelproduktion wieder deutlich verbilligt. Der rapide Preisverfall der weltweiten Leitprodukte wie Harnstoff und Diammoniumphosphat sorgte auch hierzulande für Preisdruck. Viele Handelshäuser mussten für den teuer eingekauften und noch nicht verkauften Dünger in der Bilanz zum Jahresende hohe Verluste ausweisen. Mit dem Hinweis dass man den Handel vor Ort schützen wolle, hat die hiesige Industrie die Abgabepreise auf hohem Niveau belassen, um zu verhindern, dass der Landhandel die teuren Lagerbestände mit Verlust verkaufen muss. Da jedoch die Landwirte bei sinkenden Erlösen für ihre Erzeugnisse nicht immer bereit sind die überhöhten Preise für Betriebsmittel zu zahlen, sind in diesem Frühjahr deutlich weniger Mengen ausgebracht worden. So soll der Rückgang bei Stickstoffdünger 20 Prozent betragen. Bei Grunddünger kam es zum Teil zu einem regelrechten Einkaufsstopp. Die Mengen sind hier um bis zu 70 Prozent reduziert worden. Die hiesigen Hersteller verweisen darauf, dass die gesunkenen Energiepreise, zum Beispiel bei der Kaliproduktion, wenig Einfluss auf die Produktionskosten haben, da die Förderkosten relativ fix sind. Hier reagiert man lieber mit der Drosselung der Produktion und schickt die Mitarbeiter in Kurzarbeit, als über angepasste Marktpreise den Umsatz zu beleben.
In Zeiten volatiler Märkte sind neue Einlagerungsmodelle gefordert. Lagerbestände die angelegt werden, ohne dass man weiß, zu welchen Konditionen die Ware vermarktet werden kann, können zur Belastung werden. Händler die jetzt noch über große Mengen verfügen, sollten sich bald von der Ware trennen. Die Lage an den Agrarmärkten lässt wohl auch für die kommende Zeit kaum vermuten, dass die Düngernachfrage aufgrund steigender Produktspreise wieder anzieht. Auch die Industrie ist gefordert. Einfach das Angebot künstlich verknappen und es dem Landhandel vor Ort überlassen, den Landwirten die hohen Düngemittelpreise zu erklären, ist nicht der richtige Weg.
Karsten Hoeck, LK-Markt





