Kommentar
30.03.2009 -
Vorkontrakte – noch abwarten?
Bundesweit muss noch gut 1/3 der jüngsten Ernte vermarktet werden, so der Bundesverband der agrargewerblichen Wirtschaft. Für Schleswig-Holstein dürfte dieses so nicht zutreffen, nach Angaben des Handels sind noch maximal 20 Prozent der Ernte unvermarktet auf den Höfen. Das Vermarktungsfenster ist aber nicht mehr sehr groß. So dürften im Juni schon die Ernten in Nordafrika anstehen, einem wichtigen Absatzmarkt für unser Getreide insbesondere für Weizen. Auch aus der Schwarzmeerregion dürfen im Juni die ersten Mengen wieder angeboten werden. Derzeit werden von dieser Seite, sei es Russland oder auch die Ukraine, noch umfangreiche Mengen an Weizen auf den Weltmarkt zu aggressiven Kursen angeboten. Hiesige Angebote werden meist unterlaufen.
Bis dato konnten europäische Exporteure erhebliche Mengen auf dem Weltmarkt platzieren, so wird von Exportlizenzen für Weizen in einer Höhe von 15 Mio. t berichtet, im Vorjahr waren es nur 5,1 Mio. t. gewesen. Es bleibt abzuwarten, ob noch weitere Mengen den Weg in die Drittländer finden werden. Bei dem derzeitigen Preisniveau ist der hiesige Weizen konkurrenzfähig – sonst wäre das Irangeschäft auch nicht zustande gekommen. Es lässt sich zwar Ware exportieren, aber nur auf der bisherigen Preisbasis. Größere Preisaufschläge sind von dieser Seite nicht zu erwarten. Auch bei weiterhin laufenden Exporten werden wohl noch größere Mengen als Bestand die neue Ernte belasten.
Für die EU hat Coceral (europäischer Genossenschaftsverband) die anstehende Getreideernte auf 286 Mio. t. geschätzt, im Vorjahr waren es noch 310 Mio. t. gewesen. Als Gründe für den Rückgang werden die rückläufige Anbaufläche und niedrigere Durchschnittserträge angeführt. Auch weltweit werden beim Weizen niedrigere Ernten erwartet, erste Schätzungen laufen auf knapp 650 Mio. t. hinaus, was dem derzeitigen weltweiten Verbrauch entsprechen würde. Bis zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres werden sich die Bestände auf 150 Mio. t summieren, so die Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums. Damit steht ein mehr als ausreichendes Polster am Markt zur Verfügung.
Diese Vorschätzungen sind bereits in den Notierungen an den Börsen enthalten. So werden für November 2009 an der MATIF – der Börse in Paris – 145 Euro/t notiert. Abgeleitet von diesem Kurs ergeben sich Erzeugerpreise um die 130 bis 135 Euro/t in der Ernte. Das entspricht dem heutigen Preisniveau, was von vielen als Bodensatz bezeichnet wird. Ausgehend von dieser Einschätzung wäre ein Vorkontrakt derzeit noch nicht zu empfehlen.
Beim Raps haben sich an den Börsen derzeit Kurse um die 270 Euro/t für den Liefermonat August eingestellt. Das heißt abzüglich der bisherigen Basis (Unterschied zwischen Terminmarktkurs und Erzeugerpreis vor Ort) ergeben sich Preise von 255 bis 260 Euro/t. Im Vergleich zum Vorjahr sicher ein enttäuschender Preis, aber angesichts des schwierigen Rübölabsatzes infolge des schwächeren Biodieselmarktes ein zu erwartender Preis. Vieles spricht heute für einen anhaltend schwachen Markt, aber sehr viel tiefer wird der Markt auch nicht eingeschätzt. Um sicher zu gehen, kann ein Vorkontrakt für eine Teilmenge abgeschlossen werden. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf einer Stabilisierung der globalen Wirtschaftslage, so dass sich auch die Agrarmärkte erholen können. Zudem werden die „Wettermärkte“ in den kommenden Wochen noch für Kursschwankungen sorgen, die es bei sorgfältiger Beobachtung für einen Vorkontraktabschluss auszunutzen gilt.
Bernd Irps LK Schleswig-Holstein





