Kommentar
09.03.2009 -
Nachfragen lohnt sich!
Das worauf man sich einstellen muss ist nicht die Höhe des Preises sondern die Schwankungen des Preises. Nach den Höhenflügen der Preise für Weizen und für Ölsaaten kam im Herbst die Ernüchterung mit den Absturz des Preisen auf annähernd Interventionspreisniveau. Aber auch bei den Betriebsmitteln gibt es diese Schwankungen. Im Sommer letzten Jahres kostete der Harnstoff noch um die 60 Euro/dt . Im Zuge der Finanzkrise fiel der Preis deutlich zurück. Ende des Jahres war geprillter Harnstoff schon zu Preisen um die 22 Euro/dt zu haben. Mittlerweile haben sich wieder Preise im Bereich von 30 Euro/dt eingestellt. An den Weizen- und Ölsaatenmärkten kann man den Preisschwankungen mit Warenterminmarktkontrakten und daraus abgeleiteten Instrumenten begegnen und den Preis damit absichern. Das Risiko wird damit deutlich reduziert.
Beim Düngemittel gibt es leider keine Warenterminbörse. Man kann in diesem Bereich nur mit mehreren Teileinkäufen, dazu gehören auch Vorkontrakte und der Frühbezug, das Risiko reduzieren, eine Patentlösung gibt es in diesem Bereich nicht. Auch beim Einkauf von Pflanzenschutzmitteln gibt es keine Möglichkeit das Preisrisiko über Mechanismen der Warenterminbörse abzusichern.
Rohöl sowie Diesel und Heizöl wird an den Weltmärkten an Warenterminbörsen gehandelt, hier gibt es also die Möglichkeit der Nutzung der Mechanismen des Absicherung, um das Preisrisiko einzugrenzen. So wird Rohöl sowie heating oil an der Nymex in New York und gas oil (ähnlich dem Diesel und Heizöl) und Nordseeöl (Brent) an der ICE (Intercontinental Exchange) in London gehandelt. Mit einer Kontraktgröße von 100 t ist dieser Kontrakte für den landwirtschaftlichen Betrieb zu groß zudem werden diese Futureskontrakte in US$ gehandelt. Damit wird eine zusätzliche Absicherung des Währungsrisiko erforderlich. Von einigen bankennahen Institutionen werden Inhaberschuldverschreibungen angeboten, die sich an die gasoil-Warenterminkontrakte der Londoner Börse anlehnen. Aufgrund der Kontraktgröße kommt dieses Instrument nur für Großverbraucher wie beispielsweise größere Speditionen oder Busunternehmen in Frage.
Viele Erzeuger sind derzeit auf der Suche nach Möglichkeiten sich die derzeit günstigen Preise am Kraftstoffmarkt zu sichern. Insbesondere Dieselpreise unter 1 Euro/ltr incl. MwSt. möchten viele Landwirte sich auch für die Hauptverbrauchszeit in der Ernte und Bestellung sichern. Da kaum ein Landwirt die angesprochenen Börsen nutzt bzw. auch kaum nutzen kann, wird vielfach über einen Einkauf mittels Vorkontrakt nachgedacht. Aber dafür sind auch wieder größere Mengen erforderlich. Am Markt werden Liefermengen im Bereich von 30.000 ltr. genannt, für den einzelnen zu groß für mehrere zusammen passend. Aufgrund vieler Nachfragen aus der Landwirtschaft sind jetzt einige Händler bereit zu bündeln. Für den Handel stellt dieses höhere Anforderungen an die Logistik. Für die Preissicherung und den höheren Aufwand werden vielfach 6 Cents/ltr verlangt. So ergibt sich damit ein Bezugspreis in der Ernte incl. MwSt. im Bereich von 1,08 Cents/ltr. Ob die Wirtschaftskrise weiterhin die Dieselpreise auf dem niedrigen Niveau hält oder ob sich reduzierte Fördermengen in steigenden Preisen widerspiegeln, kann heute keiner sagen. Mit dem gesicherten Preis von 1,08 Cents/ltr kann aber heute schon geplant und kalkuliert werden. Das heißt aber auch, dass bei entsprechend hoher Nachfrage nach solchen Instrumenten der Markt diese auch anbietet.
Bernd Irps, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein





