Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

23.02.2009 -  

Preisinformationen ohne Ende

Diesen Zahn müssen sich alle Marktbeteiligten nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes und seinem Urteil vom 3. Februar 2009 zum Absatzfondsgesetz sehr schnell ziehen lassen. Das Absatzfondsgesetz ist verfassungswidrig und damit für nichtig erklärt. Mit diesem Urteil wird den beiden Durchführungsgesellschaften des Absatzfonds, der CMA und der ZMP, die rechtliche Grundlage und damit auch die Finanzierungsbasis entzogen.
Dies hat zur Folge, dass beide Gesellschaften von der Bildfläche verschwinden werden. Mit welcher Geschwindigkeit der Auflösungsprozess stattfindet, steht nicht in der Macht der rund 300 Mitarbeiter, die mehr oder weniger vor dem Nichts stehen.
Welche Folgen hat aber ein Wegfall der Markt- und Preisberichterstattung, die die ZMP bis dato übernommen hat, für den norddeutschen Raum konkret?
Informationen zum Möhrenmarkt wird es nicht mehr geben. Bei einem Anteil von über 10 % der gesamten Möhrenanbaufläche der Bundesrepublik Deutschland sind Informationen zu diesem Markt nicht ohne Bedeutung. Noch stärker betroffen scheint der Kopfkohlanbau. In Schleswig-Holstein werden mehr als 30 % der bundesdeutschen Mengen an Kopfkohl produziert, gelagert und vermarktet. Den einzelnen Produzenten stehen in Zukunft keinerlei neutrale Informationen mehr zur Verfügung, die sie für ihre Zwecke nutzen können. Schnelllebige Märkte, wie zum Beispiel der Erdbeer- und Spargelmarkt werden nicht mehr beleuchtet. Die Produzenten sind in Ihrer Entscheidungs- und Preisfindung frei, verfügen aber gegenüber dem Handel nicht mehr über eine Diskussionsgrundlage. Preisnotierungskommissionen werden ohne die Unterstützung von neutraler Stelle agieren müssen. Nützliche Informationen zu Verbraucherpreisen werden in dem Maße, wie sie bis jetzt zur Verfügung stehen, nicht mehr angeboten. Informationen zum Milchpreis, dem Eier- und Geflügelmarkt werden so nicht mehr angeboten. Selbst sich entwickelnde Märkte wie die für Bio-Produkte lassen sich zu den jetzigen Bedingungen so nicht mehr beobachten.
In vielen anderen europäischen Ländern befindet sich die Marktberichterstattung übrigens mehr oder weniger in staatlichen Händen, aber dies scheint in Deutschland von der Politik nicht gewollt zu sein, denn sonst hätte man die Marktbeobachter der ZMP nicht so im Stich gelassen Sicher gab es Kritik an der Arbeit der ZMP und die wird es in Zukunft auch bei anderen Marktbeobachtern geben. Gerade in den vergangenen Jahren mit bisher kaum gekannten Preisschwankungen auf den Agrarmärkten hat das Interesse an den Informationen der ZMP jedoch spürbar zugenommen. Für diese Informationen wird man in der Zukunft deutlich höhere Preise zahlen müssen, denn eventuelle Nachfolgeorganisationen müssen eine Vollkostenkalkulation zugrunde legen und was das heißt wird jeder Produzent von Agrarprodukten selbst ermessen können.
Ob man dann mit den Mitteln, die man als Erzeuger bis dato in den Absatzfonds gesteckt hat, auskommen wird, um einen Marktüberblick zu erhalten, wird sich in Zukunft zeigen müssen.
Ludger Roling, ZMP


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