Kommentar
16.02.2009 -
Was ist noch da?
Die Getreidemärkte bzw. die daran Beteiligten sind gegenwärtig ziemlich verunsichert im Hinblick auf die weitere Entwicklung. Auf einer kürzlich in Hamburg stattgefundenen Börsenveranstaltung beispielsweise sind in den Gesprächen teils sehr unterschiedliche Meinungen zum künftigen Marktverlauf genannt worden. Dabei hat man aber nahezu einhellig betont, dass man es nicht genau wüsste und dass es auch ganz anders kommen kann. Weitgehend einig ist man sich allerdings in der Einschätzung, dass die Aussichten für gute Weizenqualitäten derzeit günstiger sind als für Futtergetreide.
Ausschlaggebend dafür sind aktuelle Exportmöglichkeiten für Brot- und Aufmischweizen nach verschiedenen Drittländern sowie in geringerem Umfang auch nach EU-Partnerstaaten. Günstig wirkt sich nach wie vor die Währungssituation aus. Der Euro notierte in den vergangenen Wochen schwerpunktmäßig unter 1,30 US-Dollar, was Anbietern aus dem Euroraum zugute gekommen ist. Gleichzeitig hat man von relativ wenig konkurrierenden Angeboten berichtet. Die Ukraine hat im Januar zwar umfangreiche Mengen an Weizen und anderem Getreide verschifft, zum größten Teil soll es sich beim Weizen jedoch um schwächere Qualitäten gehandelt haben.
Zu hoffen ist natürlich, dass auch in den kommenden Wochen bzw. Monaten noch Absatzmöglichkeiten im Exportbereich vorhanden sein werden, auch wenn im bisherigen Verlauf der Kampagne bereits relativ umfangreiche Mengen gelaufen sind. Deutscher Weizen konnte davon im EU-Vergleich sogar überproportional profitieren. Schließlich stehen dem Erntezuwachs von rund 5 Mio. t (Ernte 2008 im Vergleich zu 2007) inzwischen deutlich mehr als 3 Mio. t umfangreichere Ausfuhrlizenzen für Weizen aus Deutschland gegenüber. Kleiner als im entsprechenden Vorjahreszeitraum ist der Umfang bei den Einfuhrlizenzen. Dennoch bleibt rechnerisch noch immer ein gewisser Überhang. Weitere Exportmöglichkeiten wären also durchaus willkommen. Die Frage, wo noch welche Mengen in welcher Qualität stecken, ist schwierig zu beantworten. Die Bestände des Handels dürften insgesamt überschaubar sein. Teils hat man sich wohl auch mit Verlust von der einen oder anderen Partie getrennt. Die Landwirtschaft muss also noch über nennenswerte unvermarktete Bestände verfügen. Bei vielfach abwartender Verkaufsbereitschaft norddeutscher Erzeuger sind zuletzt häufiger Partien aus anderen Regionen in Richtung der Seehäfen geflossen.
Viele Importländer haben die seit Beginn der Saison zunächst fast stetig nachgebenden Preise für umfangreiche Käufe zur Aufstockung ihrer Bestände genutzt. In den zurückliegenden Wochen haben sich die Preise zwar wieder stabilisiert, dürften aber immer noch interessant für die Käufer sein, zumal die kommenden Ernten deutlich kleiner eingeschätzt werden. Die Prognosen für die Saison 2009/10 liegen derzeit bei weltweit 650 Mio. t Weizen, was einem Rückgang um etwa 37 Mio. t entspräche. Aber auch diese Menge läge noch leicht über dem für die aktuelle Saison geschätzten Verbrauch von rund 648 Mio. t. Jüngste Meldungen über erhebliche Trockenschäden in China und möglicherweise noch stärkere Einbußen in Argentinien könnten die Angebotsprognosen weiter nach unten drücken. Gleichzeitig ist allerdings davon auszugehen, dass vor allem aufgrund der globalen Finanzkrise auch die Nachfrageschätzungen nach unten revidiert werden müssen.Helmut Märkert, ZMP





