Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

24.11.2008 -  

Schweineproduktion in der EU schrumpft

Während die Prognosen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA hinsichtlich der weltweiten Erzeugung von Schweinefleisch für das kommende Jahr 2009 von einem Zuwachs um rund ein Prozent auf voraussichtlich etwa 98 Mio. t ausgehen, wird in der EU und in den USA eine Produktionseinschränkung um etwa ein bzw. fast zwei Prozent erwartet. Die Schweinefleischerzeugung in der EU könnte sich nach Auffassung der USDA-Experten im kommenden Jahr auf 22,1 Mio. t belaufen. Für die USA wird derweil eine Schweinefleischproduktion von 10,5 Mio. t vorhergesagt. Damit sind die EU und die USA übrigens die Nummern 2 und 3 in der globalen Rangliste der Schweinefleischerzeuger, und zwar hinter der Volksrepublik China, in der für 2009 ein Produktionszuwachs von rund drei Prozent auf gut 46 Mio. t erwartet wird. Mit dieser Prognose verbinden die USDA-Analysten übrigens die Erwartung, dass die Schweinefleischimporte Chinas von wahrscheinlich etwa 480.000 t im laufenden auf ca. 360.000 t im kommenden Jahr sinken werden.
Der USDA-Prognose für die EU-Schweinefleischerzeugung ist eine Einschätzung des Marktes durch den Prognoseausschuss der EU-Kommission gefolgt. Die EU-Experten erwarten dabei für 2009 in der Gemeinschaft einen wesentlich ausgeprägteren Rückgang der Produktion um etwa vier Prozent oder ca. 10 Millionen Schweinen beziehungsweise rund 900.000 t Schweinefleisch. Diese Erwartungen fußen dabei auf den Viehbestandsermittlungen dieses Frühjahres, und zwar aus 15 der insgesamt 27 Mitgliedsländer, die aber über 90 Prozent des europäischen Schweinemarktes repräsentieren. Diese Viehzählungsergebnisse bringen zum Ausdruck, dass sich der Schweinebestand in den maßgeblichen Produktionsländern der Gemeinschaft im Vergleich zum Vorjahr immerhin um 8,5 Millionen Tiere oder 5,6 Prozent verringert hat.
Wesentlich eindrucksvoller ist laut der Frühjahrszählung jedoch der Bestandsabbau im Bereich der Zuchtsauen ausgefallen. Hier betragen die Einschränkungen nämlich sogar 8,7 Prozent oder immerhin 1,25 Millionen Muttertiere. Einen derart umfangreichen Bestandsabbau hat es in der EU zuvor übrigens noch nie gegeben.
Allerdings lassen die Auswirkungen der in der EU danach deutlich geschrumpften Sauenherde rein gefühlsmäßig noch immer auf sich warten. Es gibt sie aber durchaus, und zwar in Form eines deutlich belebten EU-internen Im- und Exportgeschäftes. Dabei sind schon im Verlauf dieses Jahres nicht nur deutlich mehr Ferkel und Zuchtschweine grenzüberschreitend vornehmlich in Richtung osteuropäischer Länder gehandelt worden, sondern auch die Schweinefleischausfuhren der diesbezüglich traditionell führenden EU-Partnerländer weisen im Vergleich zum Vorjahr oft zweistellige Zuwachsraten auf. Allein in Deutschland sind dabei die Ausfuhren von Schweinefleisch (gekühlt, gefroren, inklusive Schlachtnebenerzeugnisse, Speck, Würste, Konserven und sonstige Erzeugnisse) im ersten Halbjahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent auf über eine Millionen t angewachsen. Hiesige Exporteure schicken sich damit sogar an, in diesem Jahr die bisherigen Weltmeister, nämlich die Dänen, auf den zweiten Platz zu verweisen.
Wie störanfällig der Exportmotor insbesondere mit Blick nach Osteuropa und Asien jedoch sein kann, hat die Entwicklung in den zurückliegenden Wochen eindruckvoll gezeigt. Und außerdem werden nicht nur mittlerweile auch in Deutschland und schon seit längerem in der EU Schweinefleischüberschüsse produziert, sondern auch in den USA, in Kanada und in Brasilien können potentielle Schweinefleischimporteure ihren Bedarf decken.
Uwe Stahl, ZMP


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