Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

15.09.2008 -  

Geringe Halbwertszeit

Auch in den vergangenen Tagen hat sich an den Rohstoffmärkten wieder gezeigt, dass die Preise bzw. die Preistendenzen vielfach nur eine geringe „Halbwertszeit“ aufweisen. Dementsprechend unsicher sind Prognosen der weiteren Entwicklungen. Dies gilt selbst für kurzfristige Einschätzungen. Der Hurrikan „Gustav“ ließ in der vergangenen Woche zunächst Befürchtungen hinsichtlich größerer Schäden in der Region um New Orleans aufkommen. Die Chicagoer Sojanotierungen reagierten darauf kurzeitig mit festerer Tendenz. Schließlich läuft ein großer Teil der US-Sojaexporte über den Golf von Mexiko. Als dann jedoch die Gefährlichkeit des Sturms allmählich zurückgestuft wurde, gerieten die Kurse unter kräftigen Druck. Der gleichzeitig nachgebende Rohölpreis verstärkte den Druck sogar noch. Mit der Verknüpfung der Märkte für pflanzliches und mineralisches Öl über die Biodieselschiene ist der Einfluss des Rohölpreises auf den Ölsaatensektor deutlich gestiegen. In gewissem Umfang gilt dies auch für die Getreidepreise, zumal Getreide in Form von Ethanol ebenfalls mit dem Ölmarkt verbunden ist. Für hiesige Käufer hatte sich das Sojaschrot vor dem genannten Hintergrund verbilligt, wobei der gegenüber dem Dollar schwächere Eurokurs einen Teil der Einsparmöglichkeit aufzehrte.
Von einer allzu deutlichen Belebung der Geschäfte berichteten Marktbeteiligte dann auch nicht. In der Angst „ungünstig“ einzukaufen wurden vielfach nur Mengen für die laufende Bedarfsdeckung geordert, während man mit Dispositionen für nachfolgende bzw. spätere Termine zurückhaltend blieb. Aus Sicht der Landwirtschaft ist diese Zurückhaltung wegen der insgesamt spürbar gestiegenen Produktionskosten natürlich nur zu verständlich. Noch deutlicher als beim Sojaschrot war der Preisrückgang beim Raps. Schließlich fließt in Europa, und hier vor allem in Deutschland, ein erheblicher Teil der Rapsernte in den Tank. Die Abgabebereitschaft für unvermarktete Rapsmengen aus der gerade gelaufenen Ernte, aber auch für Ware der nächsten Ernte pendelte in Richtung Nullpunkt zurück. Anders als bei Sojaschrot hofft die hiesige Landwirtschaft hier natürlich auf festere Preistendenzen.
Tatsächlich sind einige Hinweise auf wieder anziehende Preisentwicklungen zu erkennen. Trotz größerer Ernten bleibt die Sojabilanz relativ eng. Ein nennenswerter Aufbau der nicht allzu umfangreichen Lagerbestände findet also nicht statt. Die Ernte der Sojabohnen in den USA hinkt gegenüber anderen Jahren etwas zurück. In Südamerika spricht man teils von zu trockenen Bedingungen für die Aussaat zur nächsten Ernte. Außerdem gibt es, wie schon beinahe üblich, Meldungen über Streiks der Lkw-Fahrer in Argentinien. In der Karibik dauert die Hurrikansaison noch an, so dass entsprechende Auswirkungen auf den Südosten der USA durchaus noch möglich sind. Ein größerer Einfluss wird allerdings dem Rohölmarkt beigemessen. Bei dem mittlerweile schon fast auf 100 US-Dollar/barrel zurückgegangenen Preis könnte die Opec nach Ansicht von Beobachtern möglicherweise eine Drosselung der Ölförderung beschließen. Sicher ist dies natürlich nicht. Mit auch weiterhin wechselhaften und nervösen Preisentwicklungen muss wohl gerechnet werden.
Helmut Märkert, ZMP


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