Kommentar
08.09.2008 -
Zufrieden mit der Rindermastbereisung
Ein traditionelles Präsent mit diesem Titel ist am vergangenen Freitag anlässlich der Rindermastbereisung in Schleswig-Holstein dem langjährigen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Vieh und Fleisch und Ex-Bauernverbandspräsidenten Otto-Dietrich Steensen als Anerkennung für sein überaus konstruktives Wirken vor allem für die schleswig-holsteinische Landwirtschaft in genannten Positionen überreicht worden. Zufriedenheit charakterisierte im wesentlichen auch den Verlauf der diesmal im Raum Südtondern durchgeführten Bereisung. Einen solchen Eindruck vermittelten jedenfalls sowohl die meisten Beteiligten aus der Erzeugerebene als auch das Gros der Vermarkter und nicht zuletzt die Mehrzahl der Vertreter aus der Bundes- und Landespolitik, aus Verbänden und sonstigen Organisationen. Zumindest wurden keine nennenswerten Kritiken oder Klagen über die derzeitigen Absatz- und Erlösmöglichkeiten für Schlachtrinder laut.
Selbst die aus einem fundierten Vortrag gewonnene Erkenntnis, dass zumindest bei der Mast Schwarzbunter HF-Bullen gegenwärtig noch rote Zahlen geschrieben werden müssen, brachte keine Gemüter in Wallung, sondern ließ lediglich die Frage nach Alternativen aufkommen. Diesbezüglich wurde dargestellt, dass bei jenen Qualitäten in der augenblicklichen Situation ein Schlachtgewichtspreis von zirka 3,15 EUR/kg vonnöten ist, um eine schwarze Null schreiben zu können. Darüber hinaus ist der eher weniger begehrenswerte Weg dieser Kälber nach Holland für die Kurzmast erwähnt worden und die Möglichkeit, diese Tiere intensiv über die so genannte Rosé-Mast mit einem Preis ab 3,60 EUR/kg SG als Kalbfleisch lukrativ zu vermarkten. Dabei dürfen die Tiere ab 1. Juli dieses Jahres aber das Alter von acht Monaten nicht überschreiten, da das Fleisch sonst als Jungrindfleisch deklariert werden muss, das gegenwärtig kaum eine Chance hat, auf hiesigen oder internationalen Märkten attraktiv untergebracht werden zu können. Die Mast von Rotbunten DN-Bullen oder so genannten Mastkreuzungsbullen, die eine Einstufung in die Fleischhandelsklasse R versprechen, geht nach fachkundigen Berechnungen in der derzeitigen Situation für die Erzeuger bereits auf und verspricht zukünftig sogar einen mehr oder weniger attraktiven Gewinn abzuwerfen. So hörten sich jedenfalls so ziemlich alle Prognosen der Referenten und Diskussionsteilnehmer an.
In der Tat sind am Rindfleischmarkt zwischenzeitlich Rahmenbedingungen entstanden, die dafür sprechen, dass bis auf weiteres mit einem relativ hohen Preisniveau zu rechnen ist, und zwar weltweit. Dabei wird von einem global weiter leicht steigenden Rindfleischverbrauch ausgegangen, dem eine bestenfalls stetige, in vielen maßgeblichen Erzeugerländern auch, zumindest vorübergehend, rückläufige Produktion gegenüber steht. In der EU, in den USA, in Russland und in vielen Ländern des Mittleren und Fernen Ostens wird unterdessen von einem zunehmenden Importbedarf ausgegangen. Ferner haben maßgebliche Rindfleischexporteure vor allem in Südamerika gegenwärtig und wahrscheinlich auch auf absehbare Zeit in- oder auch externe Probleme den internationalen Markt ausreichend zu bedienen, wobei die Rindfleischpreise in diesen Ländern ebenfalls oft sogar in vergleichsweise Schwindel erregende Höhen gestiegen sind und dort voraussichtlich bis auf weiteres auch verharren werden.
Optimistische Einschätzungen für eine zumindest aus dem Blickwinkel der Erzeuger attraktive Vermarktung der Schlachtrinder sind für die letzten Monate dieses Jahres und auch für 2009 durchaus realistisch und sollten diesbezügliche Bedenkenträger hoffentlich nach und nach verstummen lassen. Uwe Stahl ZMP





