Kommentar
01.09.2008 -
Gute Marktaussichten für Tafeläpfel
Am 8. August fand in Kent (England) der diesjährige Prognosfruit-Kongress statt. Das Ergebnis: Mit 9,98 Mio. t bewegt sich die Apfelernte in der EU-27 in einer durchschnittlichen Größenordnung und weckt damit die Hoffnung auf einen positiven Saisonverlauf. Der Start in die Apfelsaison 2008/09 dürfte reibungsloser als im Vorjahr verlaufen. Die Äpfel aus der Ernte 2007 sind soweit geräumt. Auch der Überseebereich bietet nach den kleineren Zufuhren in der Saison 2008 (- 100.000 t geg. 2007) nur noch sehr begrenzte Möglichkeiten für Aktionen. Der LEH wartet förmlich auf neuerntige Elstar oder Roter Holsteiner Cox und akzeptiert attraktive Preise. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass auch das Angebot bei den konkurrierenden Obstarten, wie dem Steinobst oder Tafeltrauben, nicht all zu üppig ausfällt.
Der Preisdruck bei Äpfeln wird in den Monaten September und Oktober sicherlich zunehmen, aber wohl kaum das Ausmaß des Vorjahres erreichen. Alle Anbaugebiete verfügen über mehr oder weniger durchschnittliche Ernten und dürften durch ausreichenden Lagerraum nicht unter Zugzwang geraten. Dies gilt auch für den Benelux-Raum, der als direkter Konkurrent für den norddt. Marktobstanbau in den vergangenen Jahren umfangreiche Lagerkapazitäten für die Birnen vorhalten musste, aktuell aber eine um 30 bis 35% kleinere Birnenernte erwartet. Für den deutschen Marktobstanbau wird es interessant, ob sich die Absatzkanäle Richtung Osten als Eintagsfliege aus dem Vorjahr erweisen oder sich doch langfristig eine gewisse Kontinuität aufbaut.
Der Verwertungssektor stellt in der laufenden Saison das eigentliche Problem dar. Nach den sehr hohen Preisen für Mostäpfel aus der Ernte 2007 ist der Konsum bei Apfelsaft eingebrochen und es lagern noch große Bestände an Apfelsaftkonzentrat. Über den Umfang der Bestände kann man nur Vermutungen anstellen. Tatsache ist, dass Apfelsaftkonzentrat schon unter 1,-EUR/kg (Winterhalbjahr 2007/08 bis 2,20 EUR/kg) angeboten wird und damit eine gewisse Signalwirkung für die Mostapfelpreise der Saison 2008/09 ausübt. Im Gespräch sind Preise für die Rohware von 7,- EUR/100kg und auch darunter. Besonders die polnischen Verarbeiter, die im Herbst letzten Jahres Mostapfelpreise bis 25/28,- EUR/100kg zahlten, werden versuchen, das verlustreiche Geschäft der vergangenen Monate durch sehr günstige Einkaufspreise halbwegs zu kompensieren.
Aber nicht nur die europäischen Konzentratbestände, sondern auch die Situation in China scheint bedenklich. Nach einer Veröffentlichung in der Zeitschrift Foodnews lagerten Ende Mai in China angeblich noch mindestens 300.000 t Apfelsaftkonzentrat. Die unvorstellbare Menge resultiert aus den von Januar bis Mai 2008 extrem kleinen Exporten von 564.000 t, 24% weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Es ist offensichtlich, dass der Apfelsaftkonsum in Europa deutlich abgenommen hat. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ging der Apfelsaftverbrauch seit dem Oktober 2007 um 20% zurück. Kein Wunder, im gleichen Zeitraum erreichte der durchschnittliche Ladenverkaufspreis eine Rekordhöhe von 0,68 EUR/Liter (+25%).
Helwig Schwartau, ZMP





