Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

25.08.2008 -  

Nervosität

An den Rohstoffmärkten waren in den vergangenen Wochen sehr deutliche Preisbewegungen zu verzeichnen. Nach einem kräftigen Anstieg sind die Kurse zuletzt spürbar gefallen. So erreichte beispielsweise der Rohölpreis Mitte Juli Rekordwerte von mehr als 145 US-Dollar je Fass. Mittlerweile ist er auf ein Niveau von „nur noch“ gut 110 Dollar abgesunken. Bei den agrarischen Rohstoffen wie Getreide und Ölsaaten sind die Preisabschläge prozentual zwar nicht ganz so stark, letztlich aber ebenfalls deutlich ausgefallen. Die Finanzmarktexperten sind sich hinsichtlich der weiteren Entwicklung unterdessen keineswegs einig. Teils meint man, dass die „Rohstoffblase“, die sich an den Börsen durch enorme Geldzuflüsse spekulativ orientierter Anleger gebildet hat, nun endgültig geplatzt ist. Nachhaltig niedrige Preise auf jetzt erreichtem oder sogar noch schwächerem Niveau werden hier für möglich gehalten. Als Argument dient vor allem der Hinweis auf eine sich abkühlende Konjunktur. Andere Analysten sehen die gegenwärtige Situation dagegen lediglich als kurzfristige Unterbrechung eines langfristig sehr festen Trends. Ihrer Meinung nach dürfte die robuste Konjunktur in verschiedenen asiatischen Ländern sowie in den sog. BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) Schwächetendenzen in Europa und den USA überlagern.
Ausgesprochen nervös zeigen sich derzeit die Ölsaatenmärkte. Hier ist natürlich die Abhängigkeit vom Rohölpreis über die Schiene Biodiesel besonders gegeben. Vor allem scheinen jedoch die Angebots- und Nachfrageverhältnisse wesentlich weniger entspannt als beim Weizen, wo an einer sehr hohen Ernte und erstmalig auch wieder an einer Aufstockung der globalen Bestände kaum noch Zweifel bestehen. Im Bereich der Ölsaaten dürfte die Bilanz dagegen eher eng bleiben. Das US-Landwirtschaftsministerium hat die Weltölsaatenernte in der vergangenen Woche um 1,3 Mio. t niedriger veranschlagt als in seiner Julischätzung. Damit dürften die Endbestände kaum die niedrige Vorjahreshöhe überschreiten. Die Börse in Chicago reagierte mit kräftigen Notizaufschlägen. Am Mittwoch vergangener Woche schlossen Sojabohnen und -schrot sowie in der Folge auch Weizen und Mais sogar im Limit up (größtmöglicher täglicher Kursanstieg).
Vor diesem Hintergrund zogen auch hier zu Lande die zwischenzeitlich wesentlich käuferfreundlicher entwickelten Sojaschrotpreise wieder kräftig an, zumal der Euro deutlich unter die 1,50 Dollar-Linie abgerutscht ist. Bereits am Donnerstag setzte im Sojakomplex allerdings schon wieder eine Gegenreaktion in Form leicht fallender Kurse ein. Weitere heftige Schwankungen in den kommenden Wochen sind nicht auszuschließen. Die Sojabohnenbestände in den USA stehen zwar gut, so dass aufgrund der Anbauausdehnung mit einer gegenüber dem Vorjahr um rund 10 Mio. t größeren Ernte von knapp 81 Mio. t gerechnet wird. Sie sind in ihrer Entwicklung jedoch später als normal, womit es im Falle früher Fröste zu Verlusten kommen könnte. Für Südamerika wird zwar mit einer weiteren Ausdehnung des Anbaus gerechnet, die Aussaat steht aber erst noch bevor. Die Strategie, im Falle einigermaßen „passender“ Preise Teile des Sojaschrotbedarfs durch entsprechende Kontrakte abzudecken, dürfte jedenfalls auch weiterhin nicht falsch sein.
Helmut Märkert, ZMP


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