Kommentar
18.08.2008 -
Schweinehaltungen vielfach aufgegeben
Die Viehzählungsergebnisse von Anfang Mai bringen zum Ausdruck, in welch einer misslichen Lage sich die Schweineerzeuger in den zurückliegenden Monaten befunden haben. Jedenfalls ist die Zahl der Schweine haltenden Betriebe in Deutschland von 80 400 Anfang Mai 2007 auf 73 100 in diesem Jahr gesunken. Somit haben über 9% der Schweinehalter binnen Jahresfrist aufgegeben. Die Anzahl der Betriebe mit Zuchtschweinen hat sich bundesweit sogar um 10,3% auf 25 900 verringert.
Im Zuge dieser Entwicklung ist der Schweinebestand in Deutschland vom Mai 2007 bis Anfang Mai dieses Jahres allerdings nur um 1,3% auf 26,76 Mio. Stück geschrumpft. Die Zahl der Zuchtschweine hat jedoch stärker, und zwar um 5% auf insgesamt 2,38 Mio. Tiere abgenommen. Der Bestand trächtiger Sauen ist dabei um 5,4% und der der nicht trächtigen Sauen um 3,9% zurückgependelt. Die Zahl der Zuchteber weist sogar ein Minus von 18,5% auf.
In Schleswig-Holstein haben gut 2 060 Schweinehalter den Gesamtbestand im vergangenen Zähljahr um 1,7% auf 1,49 Mio. Stück verringert. Der Bestand an Zuchtschweinen ist dabei sogar um insgesamt 7,6% auf 115 000 Tiere geschrumpft (trächtige Sauen minus 6,0%, nicht trächtige Sauen minus 12,0%). Damit hat in Schleswig-Holstein also ein auf der ganzen Linie stärkerer Bestandsabbau stattgefunden als im Bundesmittel.
Die meisten Schweine werden bundesweit unterdessen nach wie vor in Niedersachsen gehalten. Hier hat sich der Gesamtbestand mit 8,19 Mio. Tieren im vergangenen Zähljahr lediglich um 0,2% verringert. Mit einem Bestand von 6,43 Mio. Stück hat man in Nordrhein-Westfalen sogar einen Zuwachs von 1,2% registriert. In Bayern hat die Zahl der Schweine mit 3,67 Mio. Tieren indes um 2,4% und in Baden- Württemberg mit 2,12 Mio. Stück sogar um 5,2% abgenommen. Den fünften Platz in der Bestands-Rangliste nimmt dann mit den bereits genannten 1,49 Mio. Schweinen Schleswig- Holstein ein, und zwar gefolgt von Sachsen-Anhalt, wo sich der Bestand mit gut 1 Mio. Tieren nicht verändert hat. Die weiteren Plätze werden von Brandenburg (757 000 =minus 6,3 %), Mecklenburg-Vorpommern (738 300 =minus 1,8%), Hessen (730 500 =minus 8,2%), Thüringen (714 300 =minus 6,6%), Sachsen (615 300 =plus 1,0%) sowie Rheinland-Pfalz (289 800 =minus 2,6%) belegt. Der bescheidene Rest verteilt sich auf das Saarland, Berlin, Hamburg und Bremen.
Eingeschränkte Schweinebestände registriert man übrigens nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten EU-Partnerstaaten. In den osteuropäischen Partnerländern sind die Schweinebestände in den zurückliegenden Jahren meistens sogar im zweistelligen Prozentbereich geschrumpft. Aber auch in Dänemark wird im letzten Jahr von einem Bestandsabbau um die 10% berichtet.
Insofern wird man in den kommenden Wochen und Monaten in Deutschland und Europa einerseits mit einer rückläufigen Schlachtschweineproduktion rechnen müssen. Andererseits geht man aber fest davon aus, dass der Schweinefleischbedarf quasi weltweit deutlich zunimmt. Unter diesen Voraussetzungen müssten sich die Absatz- und Erlöschancen bis auf weiteres eigentlich positiv entwickeln. Was den Schlachtschweine- und vor allem den Ferkelerzeugern darüber hinaus nur noch fehlt, ist eine nachhaltige Entlastung auf der Kostenseite, die sich im Bezug auf das Futtergetreide übrigens durchaus schon abzeichnet.
Uwe Stahl, ZMP





