Kommentar
11.08.2008 -
Ernüchterung am Roggenmarkt
Die Getreidemärkte stellen sich in preislicher Hinsicht derzeit überwiegend nicht mehr so erzeugerfreundlich dar wie zunächst erwartet. Besonders ernüchternd dürfte vielfach die Situation beim Roggen sein. Zur Aussaat im vergangenen Herbst bewegten sich die Erzeugerpreise für Brotroggen schwerpunktmäßig im Bereich von 220 bis 230 EUR/t. Futterroggen wurde rund 10 EUR/t niedriger bewertet. Relativ geringe Erntemengen von weniger als 3 Mio. t in den Jahren 2005 bis 2007 in Deutschland, vor allem jedoch die hohen Weizenpreise stützten natürlich die Roggenkurse. Im Verlauf des Wirtschaftsjahres kam dann übrigens auch noch eine verstärkte Nachfrage polnischer Verarbeiter hinzu. Vor diesem Hintergrund dehnten die Landwirte den Roggenanbau nach einem bereits sehr deutlichen Flächenzuwachs von rund 25 % zur Ernte 2007 um nochmals etwa 11 % aus. Damit erreichte der Anbau einen Umfang von fast 750.000 ha.
Die lang anhaltende Trockenheit im Mai und Juli hatte dann gerade in den Haupterzeugungsregionen Nord- und Ostdeutschlands zu deutlich reduzierten Ernteerwartungen geführt. Diese Prognosen haben sich nun allerdings nicht durchweg bestätigt. Bei starken Schwankungen mit tatsächlich sehr geringen Erträgen auf besonders schwachen Standorten sieht man, wie schon bei der Wintergerste und dem Weizen, im Durchschnitt jetzt doch einen höheren Ertrag als im Vorjahr. Eine Ernte von 4 Mio. t erscheint damit nun doch möglich. Auch die Qualitäten fallen zumeist sehr ansprechend aus. Regional berichtet man von 80 % vermahlungsfähiger Ware. Zuletzt gaben allerdings die Fallzahlen etwas nach. Dennoch gehen die Mühlen, die lediglich gut 900.000 t Brotroggen im Jahr verarbeiten, davon aus, sozusagen aus dem Vollen schöpfen zu können. Dementsprechend haben sie ihre Gebote spürbar zurückgenommen. An der Hamburger Börse notiert Brotroggen in dieser Woche für den vorderen Termin bei 155 EUR/t, franko. Davon abgeleitet sind Erzeugerpreise um bzw. unter 140 EUR/t im Gespräch. Futterroggen wird 5 bis 10 EUR/t niedriger bewertet. Zumindest dort, wo geringe Erträge und möglicherweise auch noch schwache Qualitäten zu verzeichnen sind, dürfte das finanzielle Ergebnis enttäuschen.
Auch für die weitere Entwicklung sind die Aussichten derzeit eher gedämpft. So dürfte vom Futtergetreidemarkt angesichts des insgesamt großen Aufkommens keine Unterstützung ausgehen. Zudem wird ein gewisses übergebietliches Angebot (z. B. aus dem Baltikum) nicht ausgeschlossen. In Polen könnte als Folge der Trockenheit, trotz einer insgesamt guten Getreideernte, im späteren Verlauf der Kampagne vielleicht aber noch ein Zuschussbedarf an gutem Brotroggen entstehen. Abzuwarten bleibt außerdem, ob die Verarbeitung von Roggen zu Ethanol wieder in größerem Umfang anläuft. Seinerzeit nannte die Bioethanolindustrie einen Rohstoffpreis von ca. 160 EUR/t als Schwelle. Erzeuger, die weit vor der Ernte Roggenkontrakte mit ihren Abnehmer geschlossen haben, dürften diesmal – aus derzeitiger Sicht – am besten abgeschnitten haben. Ob sich die Einlagerung und ein späterer Verkauf lohnen, kann zurzeit kaum beantwortet werden. Nicht auszuschließen ist, dass der Roggenanbau wieder reduziert wird.Helmut Märkert, ZMP





