Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

04.08.2008 -  

Rindfleischhandel gebremst

Der internationale Rindfleischhandel dürfte sich nach einer Studie des Washingtoner Landwirtschaftsministeriums in 2008 weiter beruhigen und nur noch 7,66 Mio. t betragen. Dies wären lediglich 0,7 % mehr als im Vorjahr, als der Zuwachs weltweit immerhin noch 1,6 % betragen hatte. Die Ursachen des gebremsten internationalen Rindfleischhandels sehen die Washingtoner Experten zum einen in den BSE-bedingten Handelsbeschränkungen für Rindfleisch aus Nordamerika und zum anderen in den, wie auch immer gearteten, Exportrestriktionen in Brasilien und Argentinien sowie in den dürrebedingten Produktionseinschränkungen in Australien. Die globale Rindfleischerzeugung, die sich in 2007 auf rund 67,1 Mio. t belaufen hat, wird in 2008 derweil nur geringfügig umfangreicher eingeschätzt.
Das meiste Rind- und Kalbfleisch wird weltweit auch in 2008 in den USA produziert, verbraucht und auch importiert. Nur bei den Exporten nehmen die USA voraussichtlich hinter Brasilien und Australien wieder den dritten Platz ein. Die EU-27 könnte unterdessen von dem, bezogen auf die Produktion in 2007, noch knapp vor China belegten dritten Platz auf den vierten rutschen. Der Verbrauch wird in der EU hinter den USA und vor China aber weltweit fortgesetzt den zweiten Platz belegen. Die EU-Rindfleischimporte werden derweil hinter den USA, Russland und Japan global den vierten Platz einnehmen, und zwar gefolgt von Mexiko, Südkorea und Ägypten. Beim Rindfleischexport wird auch 2008 trotz der EU-Restriktionen Brasilien weltweit die Rangliste anführen, und zwar vor Australien, den USA, Argentinien, Indien, Neuseeland, Kanada und Uruguay. Erst dann folgt die EU-27, die in 2008 wahrscheinlich nicht viel mehr als lediglich 100.000 t Rind- und Kalbfleisch nach sog. Drittländern verlassen werden.
Die Rind- und Kalbfleischproduktion und der -verbrauch in der Europäischen Union werden nach Einschätzung der US-Fachleute in 2008 voraussichtlich stagnieren bzw. sogar leicht rückläufig sein. Das Defizit zwischen Verbrauch und Produktion könnte daher erstmals seit einigen Jahren schrumpfen. Die Rindfleischerzeugung könnte sich dabei auf etwa 8,13 Mio. t belaufen und der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr um gut 1 % auf 8,58 Mio. t zurückpendeln. Der Importbedarf aus Drittländern wird sich bei voraussichtlichen EU-Exporten von ca. 100.000 t auf etwa 550.000 t belaufen und damit gegenüber 2007 um fast 14 % schrumpfen.
In Deutschland liegt die Rindfleischproduktion im bisherigen Jahresverlauf im Vergleich zu 2007 noch im Plus. Die wöchentlich erfassten Rinderschlachtungen haben bis Mitte Juli mit annähernd 1,34 Mio. Stück die Vorjahreszahlen immerhin um 4,8 % übertroffen. Dabei sind vor allem mehr Jungbullen geschlachtet worden, und zwar fast 60.000 oder 8,5 %. Auch die Kuhschlachtungen haben um ca. 17.600 oder 3,2 % zugenommen. In der Rubrik „übrige“ Rinder beobachtet man bis Mitte Juli indes um fast 15.000 oder 7,9 % eingeschränkte Schlachtungen.
Was darf man von diesen Entwicklungen nun im Hinblick auf die weiteren Absatz- und Erlösmöglichkeiten für Schlachtrinder und Rindfleisch erwarten? Diese Frage brennt sicherlich allen – insbesondere Erzeugern – hier zu Lande auf den Nägeln. Den meisten Einschätzungen auch namhafter Vermarkter zufolge sollte sich diese Situation in nächster Zeit noch spürbar positiver vor allem auf die Erlöschancen für Jungbullen auswirken, die schließlich auch den Absatz und die Notizen für Rinder der übrigen Gattungen positiv beeinflussen dürften.
Uwe Stahl, ZMP



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