Kommentar
28.07.2008 -
„Erntedruck“ bei Gerste
Aufgrund der unbeständigen Witterung kam die Ernte der Wintergerste in Schleswig-Holstein während der vergangenen Woche so gut wie nicht voran. Damit sind auch zu Beginn der laufenden acht Tage landesweit kaum mehr als 40 % der Flächen abgeerntet. Dennoch, und trotz einer keineswegs besonders hohen Verkaufsbereitschaft der Erzeuger, ist ein gewisser Erntedruck zu verzeichnen. Dies allerdings weniger in mengenmäßiger als in preislicher Hinsicht. Nachdem für die ersten Partien durchaus Kurse um 180 EUR/t, frei Erfasser erzielt werden konnten, sind die Preise beinahe stetig zurückgelaufen, so dass zu Beginn der aktuellen Woche ein um rund 20 EUR/t niedrigeres Niveau im Gespräch ist.
Im Großen und Ganzen fallen die Erträge und Qualitäten besser aus als zuvor erwartet. Von guten Standorten werden teils sogar sehr hohe Erträge gemeldet. Lediglich die besonders schwachen Standorte fallen deutlicher ab. Gleichzeitig ist die Ernte in anderen Regionen schon wesentlich weiter vorangeschritten – in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise sollen rund 80 % geborgen sein. Damit steht dem Markt zunächst einmal ausreichend Ware zur Verfügung. Die Mischfutterhersteller dürften sich mit regionaler Ware zunächst einmal eingedeckt haben und warten nun – in der Hoffnung auf weiter entgegenkommende Preise – die Entwicklung ab. Auch mit Ware aus Vorkontrakten, bei denen seinerzeit durchaus Erzeugerpreise von mehr als 210 EUR/t erzielt werden konnten, deckt man einen Teil des Bedarfs. Ähnlich stellt sich die Situation im Geschäft mit dänischen Käufern dar. Nach ersten lebhaften Aktivitäten ist es nun wieder ruhiger. Absatzmöglichkeiten in Richtung weiterer EU-Länder bzw. vor allem in Drittländern sieht man für hiesige Futtergerste zurzeit nicht.
Angesichts großer Ernten in den südöstlichen EU-Ländern sowie in der Ukraine und Russland rechnet man auch nicht damit, dass deutsche Gerste in den nächsten Monaten auf den Exportmärkten umfangreicher zum Zuge kommen kann. Damit dürften die Preise vorerst bestenfalls seitwärts tendieren. Vom Weizensektor könnte zusätzlicher Druck ausgehen, wenn sich die hohen Prognosen der weltweiten Ernten bestätigen sollten. Im Zuge der eingangs erwähnten aktuellen Preisentwicklung hat die Verkaufsbereitschaft der Landwirte vielfach allerdings abgenommen. Erzeuger, die Gerstenpartien auf den Betrieben selbst oder bei ihren Handelspartnern einlagern, werden unter Umständen einen langen Atem brauchen, wenn sich diese Einlagerung lohnen soll. Überwiegend geht man davon aus, dass festere Preise eher in der zweiten Hälfte des Wirtschaftsjahres möglich sind. Sicher ist dies natürlich nicht. Und ob die Preisaufschläge dann ausreichen, um die bis dahin aufgelaufenen Lagerkosten abzudecken, bleibt aus derzeitiger Sicht völlig offen. Die Nachfrage der inländischen Mischfutterindustrie allein reicht für eine ausreichende Marktentlastung nicht aus, auch wenn keineswegs mit so umfangreichen Körnermaisimporten wie im abgelaufenen Wirtschaftsjahr zu rechnen ist. In einem gewissen Umfang bleiben Exporte für den norddeutschen Gerstenmarkt erforderlich.
Helmut Märkert, ZMP





