Kommentar
21.07.2008 -
Im Aufwind
Am Schweinemarkt verspüren die Beteiligten in preislicher Hinsicht seit Anfang Juli kräftige Aufwinde. Man könnte meinen, das lange Klagen der Erzeuger hätte nun allmählich Erfolg und die Vermarkter ein Einsehen, dass die Schlachtschweine- und Ferkelproduzenten mehr Geld erzielen müssen, um überleben zu können. De facto haben aber wohl die augenblicklichen Angebots- und Nachfrageverhältnisse dazu geführt, dass die Erzeugerpreise in der ersten Julihälfte hier zu Lande auf den bisher höchsten Stand des laufenden Jahres geklettert sind.
Betrachtet man das Schweineangebot und die -schlachtungen in der ersten Jahreshälfte, stellt man fest, dass nach 4. DVO in Deutschland in 2008 mit gut 23 Millionen Stück immerhin 4,4 Prozent mehr Schweine an den Haken gekommen sind als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Sauenschlachtungen sind indes mit rund 497.400 Stück um gut 1 Prozent hinter den Vorjahresaktivitäten zurückgeblieben. Wie dem auch sei, das relativ große Schlachtschweineangebot hat bisher in der Regel gut ausgereicht, vorhandene Kapazitäten auszulasten und den Bedarf zu decken. Kein Wunder also, dass sich die Zugkraft des Angebotes in Richtung höherer Preise im bisherigen Jahresverlauf in Grenzen gehalten hat.
Auch die Nachfrage hat diesbezüglich bisher nicht unbedingt den von der Produktionsebene her gewünschten Effekt gehabt. Dies scheint sich allerdings nach und nach geändert zu haben, denn gerade in den letzten Wochen hat man des Öfteren bei den Schlachtereien von offen gebliebenen Bedarfslücken gehört. Die demnach gute Nachfrage beruht dabei offensichtlich weniger auf den nicht zuletzt ferienbedingt oft impulslosen Inlandsgeschäften als vielmehr auf den beachtlichen Exportmöglichkeiten. Dabei sind vor allem osteuropäische Mitgliedsstaaten und auch fernöstliche Drittländer teils regelrecht heißhungrige Abnehmer von Schweinehälften und -fleisch aus westlichen EU-Ländern, Fett- und Speckwaren sowie Innereien eingeschlossen. Die international lebhafte Schweinefleischnachfrage trägt somit im Wesentlichen dazu bei, dass sich unter anderen auch die hier zu Lande gemästeten Schlachtschweine momentan so flott platzieren lassen.
Sollten sich die Angebots- und Nachfrageverhältnisse Deutschland-, EU- und Weltweit in nächster Zeit nicht dahingehend ändern, dass die Nachfrage einbricht oder das Angebot deutlich zunimmt, müsste sich die erzeugerfreundliche Entwicklung der Absatz- und Erlösmöglichkeiten vorerst noch weiter fortsetzen. Bezüglich des Angebotes laufen im Übrigen alle Erwartungen darauf hinaus, dass im zweiten Halbjahr 2008 bundes- und EU-weit kleinere Stückzahlen zur Verfügung stehen werden als vor Jahresfrist. Hinter der weiteren Nachfrageentwicklung stehen allerdings auch angesichts des mittlerweile erreichten Preisniveaus einige Fragezeichen. Auch eine andauernde Stützung des EU-Schweinemarktes in Form der nach wie vor gewährten Exporterstattungen wird zusehends unvorstellbarer. Somit gibt es einerseits durchaus Hoffnungen, dass die Aufwinde am „Schweinehimmel“ weiterhin bestehen bleiben, andererseits können aber beispielsweise wieder deutlich ruhigere Exportgeschäfte den Auftriebstendenzen auch den Wind aus den Segeln nehmen.
Uwe Stahl, ZMP





