Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

14.07.2008 -  

Frühkartoffelpreise auf hohem Niveau

Der Markt für Speisefrühkartoffeln stellt sich mit Blick auf das preisliche Geschehen im bisherigen Verlauf der Kampagne durchaus sehr erzeugerfreundlich dar. Allerdings sind zu den vergleichsweise hohen Preisen zunächst wesentlich geringere Mengen als in anderen Jahren gehandelt worden, so dass die Erlöse der Landwirtschaft letztlich nicht in gleichem Maße wie die Preise angestiegen sind. Daher kommt es aus Sicht der Erzeuger jetzt natürlich darauf an, möglichst lange ein möglichst hohes Kursniveau zu halten.
Neu ist in diesem Jahr die Selbstverpflichtung der Branche, wonach möglichst nur schalenfeste und damit qualitativ stabile Frühkartoffeln in die Abpackung gelangen sollen. Die Erzeuger haben zu diesem Zweck frühzeitig und wesentlich umfangreicher als sonst Reife fördernde Maßnahmen durchgeführt. Da die Knollen bis zur Abreife im Boden verbleiben standen aus inländischer Erzeugung im gesamten Juni und auch noch Anfang Juli lediglich vergleichsweise kleine Mengen zur Verfügung. Schließlich verzichten die Erzeuger mit diesen Maßnahmen auf einen Teil des Ertragspotenzials. Gleichzeitig ging das Importangebot während der vergangenen Wochen rasch zurück, so dass von dieser Seite kein Druck kam. Vor diesem Hintergrund ist das bisher relativ hohe Preisniveau zu sehen. Anfang Juni lag der mittlere gewogene Erzeugerpreis im organisierten Anbau den Erhebungen der ZMP zufolge bei gut 57 EUR/dt gegenüber rund 38 EUR/dt zum gleichen Vorjahreszeitpunkt. Ende letzter Woche bewegte sich der Durchschnitt immer noch bei gut 40 EUR/dt während er zwölf Monate zuvor schon auf weniger als 18 EUR/dt abgerutscht war. Dem rund 120%igen Preisvorsprung steht allerdings ein mehr als 100%iger Mengenrückstand gegenüber. Bis zum 4. Juli summiert sich die erfasste Verkaufsmenge auf lediglich gut 45.000 t gegenüber knapp 104.000 t zum entsprechenden Vorjahreszeitpunkt.
Kritiker der beschriebenen Verkaufsstrategie befürchten, dass sich der saisonale Angebots- und Preisdruck durch die getroffenen Maßnahmen lediglich nach hinten verschiebt. Zu große Mengen an Frühware könnten die Vermarktung der Anschlusssorten stören. Das zu dem Zeitpunkt erreichte Preisniveau gibt üblicherweise die Startbedingungen für die Hauptkampagne vor. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass, wie gesagt, das Ertragspotenzial durch die Reifeförderung nicht ganz ausgeschöpft worden ist. Zudem dürfte die lang anhaltende Trockenheit selbst in Regionen mit intensiver Beregnung Ertrag gekostet haben. Von der Nachfrageseite kommen positive Anzeichen. Erstmals seit Jahren ist ein Stopp des Nachfragerückgangs zu verzeichnen. Für den Mai wurde sogar ein Plus von 7 % gegenüber dem Vorjahr ermittelt. Schalenfeste und damit in der Regel besser haltbare Frühkartoffeln dürften den Wünschen der Verbraucher sicher entgegenkommen, so dass auf einen auch in den kommenden Wochen stetigen Absatz gehofft werden kann. Schließlich sind die Verbraucherpreise aktuellen Erhebungen zufolge mit plus 7 % (festkochende Sorten) bzw. plus 28 % (vorw. festkochende Sorten) bei weitem nicht so stark gestiegen wie die Erzeugerpreise. Einzelne Aktionen, bei denen die Einkaufspreise der Endverteiler aus dem Konsumbereich für gepackte Ware unter der Linie von 20 EUR/dt liegen sollen, sind zum jetzigen Zeitpunkt ziemlich unverständlich.
Helmut Märkert, ZMP


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