Kommentar
08.03.2010 -
Qualitätsware muss ihren Preis haben
Beim Blick auf die Schlachtrinderpreise, die im Rahmen der amtlichen Preisüberwachung für Schleswig-Holstein erhoben werden, reiben sich die Marktbeteiligten seit Wochen verwundert die Augen. Die Notierungen für R- und U-Jungbullen erreichen ein Niveau, das sonst nur in Süddeutschland erlöst wird. Im Vergleich der Bundesländer liegt Schleswig-Holstein sonst eher im hinteren Bereich. Wenn jedoch hiesige Mäster diese hierzulande nicht so reichlichen Qualitäten dem Viehhandel anbieten, liegen die Gebote meist unter dem ausgewiesenen Preisniveau. Die dargestellten Kurse sind jedoch keine „Mondpreise“ oder „Traumpreise“, sondern durch die amtliche Überwachungsstelle ermittelte Einkaufspreise der Schlachtbetriebe, ohne Zuschläge für QS, Markenfleisch oder Bioprogramme. Marktbeteiligte äußern die Vermutung, dass es sich hier um umfangreiche Lieferungen von Qualitätsbullen aus anderen Bundesländern handelt. Diese wahrscheinlich aus Fleischrassen stammenden Tiere finden nur dann den Weg nach Schleswig-Holstein, wenn der Preis bundesweit konkurrenzfähig ist. Der Landwirt vor Ort ist natürlich verärgert, wenn er „seine“ Preise nicht in der regionalen Preisberichterstattung wiederfindet. Es besteht die Gefahr, dass die ausgewiesen Kurse nicht mehr als Basis für die Schlachtviehabrechnungen herangezogen werden. Bislang bleibt den hiesigen Erzeugern und Handelsbeteiligten nur, an die hiesigen Schlachtbetriebe zu appellieren, keine Unterschiede zwischen dem Einkauf vor Ort oder bei dem Zukauf überregionaler Herkünfte zu machen. Teure Zukäufe aus anderen Regionen dürfen nicht durch günstige Einkaufspreise vor Ort subventioniert werden. Auch hierzulande zeigt sich somit, dass Qualität ihren Preis hat. Obwohl es innerhalb einer Handelsklasse zu Qualitätsunterschieden und zum Teil zu deutlichen Preisspannen kommen kann, bleibt ein R3-Bulle, ein R3-Bulle egal ob er jenseits oder diesseits der Elbe gemästet wurde.
Dennoch macht dies Beispiel deutlich, dass der Wettbewerb um das rückläufige Angebot an Jungbullen manchmal seltsame Blüten treibt. Seit 2003 ist die EU Nettoimporteur von Rindfleisch, es wird europaweit mehr Rindfleisch verbraucht als erzeugt. Im letzten Jahr gingen die Bullenschlachtungen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 5 % zurück. Auch für das laufende Jahr gehen EU-Marktexperten von einem weiteren Rückgang der Rindfleischerzeugung aus. Der Bedarf wird sich dagegen wohl auf einem stabilen Niveau behaupten. Für die hiesigen Rindfleischerzeuger sollte sich somit eine komfortable Marktsituation ergeben. An Nachfrage nach ihren Produkten dürfte es nicht mangeln. Dennoch zeigen andere Beispiele, dass ein hoher Importbedarf nicht eine Garantie für eine dauerhaft lukrative Inlandsproduktion und stabile Preise ist. Auch im Rindfleischmarkt kommt es immer wieder zu Preisschwankungen. Nach dem Preisanstieg im Jahr 2008 gaben die Kurse im Jahr 2009 wieder deutlich nach. Erst zu Beginn diesen Jahres zogen die Notierungen wieder an. Da jedoch die Verkaufspreise im Fleischgeschäft nicht gestiegen sind, besteht auch in diesem Frühjahr die Gefahr, dass die Erzeugerkurse wieder unter Druck geraten. Obwohl auch im laufenden Jahr kaum damit gerechnet wird, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit erholt, dass Edelteile vom Rind wieder gefragt sind, sollten sich die Erzeugerpreise für Jungbullen doch über dem Niveau des Vorjahres bewegen. Die Milchkuhbestände sind im Vorjahr durch die desolaten Milchgeldpreise in vielen Ländern reduziert worden. Im laufenden Jahr dürfte der Wettbewerb um das verringerte Kuhaufkommen dazu führen, dass die Kuhpreise höher als im Vorjahr liegen. Dies schließt nicht aus, dass es durch saisonübliche Angebots- und Nachfrageschwankungen zu deutlichen Preisbewegungen kommen kann. Infolge der verringerten Zahl der Milchkühe wird zudem von einem weiteren Rückgang des Schlachtrinderaufkommens ausgegangen. Somit sollten auch weiterhin gute Jungbullenqualitäten ohne Probleme Absatz finden.
Karsten Hoeck, LK-Markt
01.03.2010 -
Unsicherheit am Kartoffelmarkt
Zwar bewegt sich der Kartoffelmarkt seit Wochen seitwärts ohne größere Preisveränderung, dennoch gibt es einige Unbekannte, die zu Spekulationen Anlass geben. Zunächst blicken viele Erzeuger auf die Entwicklung der Bestände im eigenen Lager. Insbesondere stellt sich die Frage, ob die Witterung schadlos an den eingelagerten Knollen vorbeigezogen ist. Von einigen Betrieben wird bereits von ... mehr »
22.02.2010 -
Blähungen am Rohölmarkt?
Obwohl in Zeiten des Klimawandels nach Wegen gesucht wird, die Abhängigkeit vom Rohöl als Energieträger zu verringern, bleibt dieser Rohstoff wohl auch weiterhin das Schmiermittel der Weltkonjunktur. Das Interesse am Verlauf der Notierungen am Ölmarkt ist groß, denn jeder Verbraucher spürt die Schwankungen bei der Bezahlung seiner Tankrechnung beziehungsweise beim Heizöleinkauf. Trotz der allgemeinen ... mehr »
15.02.2010 -
Diskussion um und über Biodiesel
In den vorigen Wochen wurde im Bereich der Erneuerbaren Energien viel gefordert und diskutiert. So fordert die Biodieselbranche eine Reduzierung der Besteuerung. In den Koalitionsvereinbarungen hatte man sich schon im Dezember auf 18 ct/l verständigen können. Damit war die geplante Erhöhung zum 1. Januar dieses Jahres vom Tisch. Derzeit geht es darum, weitere Steuersenkungen durchzusetzen. Von der Biodieselbranche wird eine Reduzierung auf 10 ... mehr »
08.02.2010 -
Lust auf Süßes?
In der Landwirtschaft denkt man mit Wehmut an den Preissprung von vor zwei Jahren zurück, durch den die Erzeugerpreise für viele Agrarprodukte in ungeahnte Höhen gestiegen sind. Mittlerweile haben ausreichende Ernten die Lagerbestände an den internationalen Märkten wieder aufgefüllt und die Kurse reduziert – bis auf eine Ausnahme, den Zuckermarkt. Nachdem die letzten Ernten, vor allem in Indien und in Brasilien deutlich ... mehr »
01.02.2010 -
Steigen die Düngerpreise weiter?
In den vergangenen Tagen war immer wieder von steigenden Düngerpreisen zu hören. Dieses trifft in erster Linie auf die Stickstoffdünger zu. War Kalkamonsalpeter im August/September noch für unter 140 €/t zu haben, so müssen heute dafür mindestens 180 €/t bezahlt werden. Glaubt man einigen Marktbeteiligten, so ist der Preisanstieg noch nicht zu Ende. Auch beim Harnstoff, dem Leitprodukt des ... mehr »
25.01.2010 -
Russischer Winter
Beim Blick auf die, hierzulande seltene, weiße Winterlandschaft fühlt man sich oft in einen russischen Winter hineinversetzt. Dieser lässt sich am besten am warmen Ofen mit einem guten Stück Fleisch auf dem Teller ertragen. Dazu konnte die Regierung im Kreml jüngst eine Erfolgsmeldung verkünden: „Die Selbstversorgung mit Schweinefleisch ist in Russland 2009 auf über 70 % gestiegen!“ Bis 2012 hofft man die Marke ... mehr »
14.01.2010 -
Höhere Preise durch Eis und Schnee?
Für den Getreidemarkt ist der Export der entscheidende Faktor für die Markt- und Preisentwicklung. Von dem in Deutschland erzeugten Getreide in einer Größenordnung von knapp 50 Mio. t werden zwischen 13 und
15 Mio. t exportiert. Der Großteil davon ist Weizen. Diese Exporte gehen einerseits in die benachbarten EU-Staaten und, was wesentlich wichtiger für die Preisbildung ist, in die Drittländer, das heißt ... mehr »
11.01.2010 -
Auf den richtigen Anruf warten
Kurz vor Weihnachten ging abends das Telefon bei einem Bullenmäster. Am Apparat ist der Viehhändler: „Der Schlachthof sucht dringend Tiere und bietet jetzt über 3,00 je kg SG für O3-Bullen. Wenn du liefern willst, komme ich morgen früh um 4 Uhr.“ Diese plötzliche Weihnachtsbescherung wurde den wenigen Mästern zuteil, die noch kurz vor den Festtagen über Stückzahlen verfügten, da sie ihre Ställe nicht ... mehr »
04.01.2010 -
Marktberichterstattung – quo vadis?
Am 3. Februar 2009 wurde mit dem Bundesverfassungsgerichtsurteil ein Umbruch in der Marktberichterstattung eingeleitet. Seit mehr als 50 Jahren stand für die Marktberichterstattung auf Bundesebene die ZMP. Mit dem Urteil musste nicht nur die ZMP sondern auch die CMA als Durchführungsorganisationen des Absatzfonds ihre Arbeit einstellen. Auf Bundesebene wurden viele Anstrengungen unternommen neue Institutionen für das Marketing wie auch ... mehr »
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