Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Landfrauen/Landjugend

14.01.2011 -  

Auslandspraktikum in Kanada

Bild - Auslandspraktikum in Kanada

Foto 1: Wasserskifahren gehörte zu den besonders beliebten Freizeitaktivitäten.


Foto 2: Thies Suder kontrolliert das Ablassen des Getreides.


Foto 3: Gewaltige Landwirtschaftstechnik im Sonnenuntergang.


Fotos: privat


Arbeit, Spaß und Horizonterweiterung


Weil es einfach mal woanders sein muss und man ja auch mal was Neues sehen will: Fünf Monate ist es her, dass ich das heimische Schleswig- Holstein verlassen habe und in den Flieger nach Toronto in Kanada gestiegen bin. Für mich waren die viereinhalb Monate Arbeit auf einer Farm allerdings weniger eine Art Praktikum, sondern Horizonterweitern und eine gute Möglichkeit, Geld für den anschließenden Roadtrip zu verdienen.


Die Arbeit begann aber schon vor dem eigentlichen Trip, denn es musste für einen Reisepass, Arbeitsvisum und Flug gesorgt werden. Ist das Organisatorische geregelt, braucht man nur noch einen Farmer, der einen aufnimmt und anstellt. Die Adresse für meine Farm habe ich über einen Bekannten bekommen. Der anschließende E-Mail-Verkehr war recht einfach, da ich mir deutsche Auswanderer ausgesucht hatte.


Die Eilers Farm, auf der ich arbeitete, ist im südlichen Ontario, unmittelbar am Lake Huron gelegen. Die Farm wurde von einem deutschen Auswanderer vor 30 Jahren gegründet und stetig erweitert. Angefangen mit einer kleinen Farm mit Kuhställen, wurde schnell auf Muttersauenhaltung umgestellt und diese dann auch gezielt optimiert. In den ersten Jahren hatte der Farmer zusammen mit seiner Frau und einigen Sommerpraktikanten die Arbeit erledigt. Heute hat der Betrieb riesige Ausmaße angenommen, so sind es jetzt 1.800 Sauen mit anschließender Mast und über 1.000 ha Ackerbau.


Als ich ankam, war die Weizenernte schon in den letzten Zügen, sodass vor allem Arbeit im Schweinestall oder auf der Hauptfarm, also in der Werkstatt oder auf dem Gelände, anlag. Im Sommer sind meistens zwei Praktikanten gleichzeitig da, sodass es einem nie langweilig wurde. Der zweite Praktikant, Mats Blöcker, kam sogar aus der Nähe von Kiel, insofern machten zwei Nordlichter Kanada unsicher.


Im Spätsommer ging es für mich meistens mit dem Knicklenker aufs Feld zu Stoppelbearbeitung. In diesem Jahr, also 2010, wurde eine neue Kombination, eine Scheibenegge mit einem Tiefengrubber kombiniert, gekauft. Mit dieser Maschine wurde das Feld umgerissen, bis zum Frühling liegen gelassen und dann weiter bearbeitet. Bodenbearbeitung sah in der Regel eh ein wenig anders aus, als ich es gewohnt war, denn die Bohnenstoppel wurden teilweise direkt wieder bestellt oder zuvor kurz mit einer Scheibenegge aufgerissen. Dadurch, dass die Muttererde hier nur zirka 25 cm tief ist, wurde auch nach dem Mais nur sehr flach gepflügt und die Bestellung dann ins Frühjahr verschoben.


Neben der Arbeit wurde ich auch sehr nett von der Familie aufgenommen, durfte ein Zimmer im Haupthaus beziehen und war somit immer mittendrin, wenn es um Ausflüge und Gemeinschaftsaktionen ging. Wir fuhren häufig mit dem Motorboot zum Wasserskifahren und Angeln hinaus, jeden Donnerstag war Chicken-Wings-Essen angesagt, das man sich wie eine riesige Ess-Orgie vorstellen muss, denn mit 20 getränkten Stücken saut man sich ganz schön ein. Es war jedoch ein Riesenspaß und deshalb ein fester Termin in jeder Woche. Sehr interessant waren auch die Ausflüge nach Toronto, bei denen wir Praktikanten uns einfach mal mit dem Betriebs-Pick-up einen Parkplatz suchten und uns nach der Stadterkundung und anschließendem Barbesuch ins Auto zum Schlafen legten. Das wohl größte Highlight waren für uns aber die Quadtouren durch die Wälder und Flüsse in der Wildnis, unglaublich schön und aufregend.


Als es dann langsam herbstlich wurde, ging die Arbeit erst richtig los, denn es stand die Maisernte an. Der Mais wird zum größten Teil gedroschen und gemahlen an die Schweine verfüttert. Für die Praktikanten ist der Überladewagen der tagtägliche Arbeitsplatz, insofern gab es für mich wochenlang nur das eine.


Hier hat jede Jahreszeit so ihre Arbeit. Als der Mais fertig war, ging das Pflügen der Stoppeln los. Als dieses fertig war, befanden wir uns auch schon im letzten Teil des Novembers, sodass wir uns auf den Winter vorbereiteten und die Schneefräsen warteten. Nur noch schnell zwei Solaranlagen aufgestellt, und mit dem Eintreffen des Schnees war meine Zeit auch so gut wie vorüber.


Für mich war diese Erfahrung in Kanada genial, und ich würde sie jedem weiterempfehlen, der Lust hat, etwas Neues zu sehen, sein Englisch zu verbessern und neue Leute kennenzulernen. Es gibt auch Milchviehfarmen und reine Ackerbaubetriebe als Praktikumsplätze. Ich kann gerne die Adresse weitergeben, meldet euch dafür einfach beim Landesverband, dann nehme ich Kontakt mit euch auf. Junge, interessierte Leute sind in Kanada immer willkommen.


Thies Suder


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