Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Landfrauen/Landjugend

25.08.2010 -  

Johanna Kühl fuhr als Austauschpartnerin nach Nordirland

Bild - Dunluce Castle – die Burg wurde angeblich aufgegeben, weil den Bewohnern das Rauschen des Meeres zu laut wurde.

 Dass Nordiren ständig Tee trinken und auch sehr gerne Kartoffeln essen, ist ja schon allseits bekannt, aber dass die Einwohner der Republik Irland umgangssprachlich auch „Southeners“ (Südstaatler ) genannt werden und die meisten Partys erst um 1 Uhr zu Ende sind, war mir neu. Dieses Jahr durfte ich, Johanna Kühl (19), an dem dreiwöchigen Austausch zwischen dem Landjugendverband Schleswig-Holstein und der nordirischen Landjugend, dem Young Farmers Club of Ulster, teilnehmen.


Am 18. Juli flog ich von Hamburg nach Dublin, wo ich mich mit den zwei „exchangees“ Romina und Eveline aus der Schweiz traf, um gemeinsam mit ihnen den Bus nach Hillsborough im County Down in Nordirland zu nehmen . Dort angekommen wurden wir drei von James, dem Austauschpartner von Eveline, abgeholt und zu meiner „host“ Frances, meiner Gastmutter, gefahren. Wie sich herausstellte, hatte ich James ebenso wie Frances schon im vergangenen Jahr bei der European Rally in Estland kennengelernt, was die Stimmung natürlich gleich auflockerte. Bei Frances und ihrem Ehemann warteten schon die anderen drei Austauschschüler aus Österreich, Finnland und Australien und deren Austauschpartner auf uns, und wir ließen den Abend bei ein paar Bier ausklingen.


Für die kommende Woche war viel geplant. Am Montagmorgen sollte es als Erstes zum Transport and Folk Museum gehen. Leider hatte keiner dran gedacht, dass die meisten Museen in Nordirland montags geschlossen sind, und so wurde kurzfristig umdisponiert, und wir fuhren zum Mount Stewart, einem alten Herrenhaus mit einer wunderschönen Gartenanlage, und danach ins Aquarium.


Am nächsten Tag machten wir uns noch einmal auf zu besagtem Transport and Folk Museum, um herauszufinden, wie sich das Leben vor 100 Jahren in Nordirland abgespielt hat. Das Faszinierende an diesem Museum ist, dass viele der Gebäude Originale sind und woanders Stein für Stein abgebaut wurden, um sie dort wieder aufzustellen. In den nächsten beiden Tagen ging es dann nach Newcastle an den Strand, nach Downpatrick, den Ort, an dem Saint Patrick begraben ist, und nach Belfast für eine Sightseeingtour. Da das Wetter nicht immer mitspielte, flohen wir des Öfteren ins Auto, um unseren Lunch dort zu essen.


Das Highlight der Woche war natürlich die Fahrt ins zwei Stunden entfernte Dublin. Morgens um 8 Uhr ging es mit dem Zug (sogar in der ersten Klasse) von Belfast in die Hauptstadt der Republik Irland. Zuerst besichtigten wir das dortige Guinness Museum, wobei die Verkostung dieses berühmten Dunkelbieres natürlich nicht fehlen durfte. Danach unternahmen wir noch eine Stadtrundfahrt durch Dublin und kamen schließlich spätabends und sehr erschöpft wieder in Belfast an.


Auch abends hatten die jungen Nordiren ein volles Programm für uns organisiert. So gingen wir bowlen, ins Kino und natürlich auch in die so landestypischen Pubs. Am Sonnabendabend ging es zu einem BBQ der nordirischen Laju, das mit unseren Scheunenfeten zu vergleichen ist.


Nun war die erste Woche schon vorbei, und wir zogen weiter in den Kreis Tyrone. Das erste Treffen mit den neuen Austauschpartnern fand in einem Park statt, und auf einer Schnitzeljagd lernte man sich schnell kennen. Weiter ging es zu einem Essen mit den Young Farmer Ambassadors (Botschafter); dort treffen sich Nordiren, die selber über den Young Farmers Club eine Zeitlang im Ausland verbracht haben.


Auch meine nächste Gastfamilie zeigte mir viel von der wunderschönen irischen Landschaft. So besuchten wir zum Beispiel das Ulster American Folk Museum, in dem der Weg der Iren nach Amerika beschrieben wurde, gingen auf eine Landwirtschaftsmesse und auf eine Lajufete in einem sehr schicken Hotel, in dem mein Gastbruder Musik auflegte.


Donnerstag wechselte ich die Gastfamilie erneut und fuhr mit ihr am nächsten Tag an die Atlantikküste der Grünen Insel, und zwar zum Giant’s Causeway und zur Carrick-a-rede Rope Bridge, zwei der wahrscheinlich berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Nordirland. Der Giant’s Causeway besteht aus mehr als 40.000 Basaltsäulen, die vor zirka 60 Millionen Jahren durch einen Vulkanausbruch entstanden sind, und die Carrick-a-rede Rope Bridge ist eine 30 m hohe Hängebrücke, die eine kleine Insel mit dem Festland verbindet.


Sonnabendabend stand natürlich wieder ein BBQ auf dem Programm, auf dem wir auch unsere Austauschpartner aus dem County Down wiedertrafen und so sehr viel Spaß hatten. Am nächsten Tag fuhren wir dann in den Kreis Fermanagh, der durch seine Seenlandschaft geprägt ist.


In meiner letzten Woche haben wir wieder viel gemeinsam unternommen. Es ging zur berühmten Belleek Pottery, einer seit 1887 bestehenden Töpferei, zur Landwirtschaftsmesse des Kreises und natürlich zu den Marble Arche Caves. Der Tag in diesen Tropfsteinhöhlen war wahrscheinlich auch der lustigste während der ganzen drei Wochen. Es fing damit an, dass sich alle Austauschschüler mit ihren hosts bei der Tankstelle trafen, um sich auf zwei Autos aufzuteilen. Nach fünf Minuten Fahrt fragte unsere Fahrerin, wo denn Conny, die Österreicherin, war, und da sie sich nicht in unserem Auto befand, musste sie ja im anderen Auto sein, oder? Da war sie aber leider auch nicht, denn wir hatten sie einfach an der Tankstelle vergessen und waren ohne sie losgefahren! Nachdem wir zurückgekehrt waren und sie wieder eingesammelt hatten, erzählte sie, dass sie uns hatte abfahren sehen und hinter dem Auto hergelaufen war, was natürlich der Lacher der nächsten Tage blieb.


Da ich die erste Austauschschülerin der Gruppe war, die wieder gen Heimat flog, organisierten die Nordiren noch eine Schiffstour auf dem Loch Erne, und abends ging es noch in den Pub und dann aufs Zeltfest. Mein Rückflug ging erst am Montag, sodass es noch ein gemeinsames Essen gab, und da ich auch diese Woche zwei Gastfamilien hatte, fuhr ich mit meinen zwei Austauschpartnern, die beide Stephen hießen, zu dem Essen.


Die drei Wochen auf der grünen Insel waren echt eine unvergessliche Zeit, denn durch das Leben innerhalb einer Gastfamilie lernt man nicht nur das Land, sondern auch dessen Leute näher kennen.


Johanna Kühl


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