Schleswig-Holstein

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Landfrauen/Landjugend

12.08.2010 -  

Interview mit Marga Trede: Mitgliedsbeiträge von 13 bis 20 Euro im Jahr nicht mehr zeitgemäß

Bild - Interview mit Marga Trede: Mitgliedsbeiträge von 13 bis 20 Euro im Jahr nicht mehr zeitgemäß

Auf vier Regionalkonferenzen haben sich die LandFrauen aus Schleswig-Holstein in den zurückliegenden Monaten  unter dem Motto „Zukunftswerkstatt LandFrauenpower“ mit den Fragen beschäftigt: Wohin wollen wir? Wie sollen wir das schaffen? Und was haben wir davon? Aber es ging in Treia, Horst, Delingsdorf und  kürzlich in Neumünster auch um die Frage: Sind die Mitgliedsbeiträge der Vereine noch zeitgemäß?  Im Gespräch mit dem Bauernblatt zieht die  Präsidentin des schleswig-holsteinischen LandFrauenverbandes, Marga Trede, ein erstes Resümee.

Die Einführung der Regionalkonferenzen war eine der ersten Neuerungen, die Sie nach Ihrem Amtsantritt vor gut einem Jahr eingeführt haben. Warum war Ihnen das so wichtig?
Marga Trede: Weil ich gemerkt habe, dass teilweise die Verbindung zwischen Landesverband und Ortsvereinen nicht mehr da war. Dieses „die da oben“ hat mich immer sehr gestört. Als Landesverband zu den Ortsvereinen zu gehen, sah ich deshalb als gute Möglichkeit, sich besser kennenzulernen. 

Hat es sich aus Ihrer Sicht bewährt, in kleinerem Rahmen zu beraten?
Ja, das ist bei der jüngsten Konferenz in Neumünster wieder ganz deutlich geworden. Es war wichtig, die Ortsvereine über ihre eigene Kreisgrenze hinausgucken zu lassen; ihnen die Möglichkeit zu geben, Frauen kennenzulernen, die in einem anderen Landkreis wohnen. Es wurde einmal mehr deutlich, dass wir alle trotz der modernen Kommunikationstechnik mehr miteinander reden müssen. Gut fand ich, dass nicht nur erfahrene Vorstandsmitglieder, sondern teilweise auch LandFrauen, die neu im Verein sind, zu den Konferenzen kamen.

Worauf lag der Schwerpunkt der Regionalkonferenzen?
Zunächst ging es um den Auftrag des Landesverbandes, Fort- und Weiterbildung anzubieten, aber auch, die Infrastruktur im ländlichen Raum zu verbessern. Da beschäftigen uns Themen wie die Bereitstellung des Breitbandes und die ärztliche Versorgung, die Familienpolitik, die Zukunft der Schulen, die Seniorenbetreuung und die Frauenarbeitsplätze. Aber es ging auch darum, wie wir unsere Öffentlichkeitsarbeit, unser Image verbessern können. Kürzlich traf ich Meeno Schrader, der dachte, wir LandFrauen wären immerhin 36.000 Bäuerinnen! Das zeigt mir, wie viel Aufklärungsarbeit noch vor uns liegt, um deutlich zu machen, dass wir für alle Frauen im ländlichen Raum da sind und neben Landwirtinnen längst viel mehr Mitglieder haben, die sich einfach auf dem Lande wohlfühlen und sich dort engagieren wollen.

Die LandFrauen machen eine gute Arbeit, sind der größte Bildungsträger für Frauen im ländlichen Raum.  Der Landesverband hat gerade eine nagelneue, moderne  Homepage ins Netz gestellt. Von vielen anderen Verbänden im Land werden sie um die gut 36.000 Mitglieder beneidet. Was bewegt den Verband in dieser anscheinend komfortablen Situation, so intensiv künftige Wege zu diskutieren?
Hintergrund ist natürlich der demografische Wandel: In vielen Vereinen haben wir eine Mitgliederstruktur von 60 plus, und wenn wir uns nicht um den Nachwuchs kümmern, dann wird es uns und damit die tollen Sachen, die wir anbieten, nicht mehr geben.
Heißt das, dass Sie den Verband, die Ortsvereine verjüngen wollen?
Verjüngen will ich gar nicht immer sagen. Es geht darum, neue Mitglieder zu gewinnen. So viele junge wird es bald nicht mehr geben, das wissen wir ja von den demografischen Prognosen. Wie wir die Frauen erreichen können, war auf jeden Fall auch ein wichtiges Thema der Konferenzen. Auf dem jüngsten Treffen in Neumünster wurden zum Beispiel die Ortsvertrauensdamen angesprochen. Das sind wirklich die Frauen, die auch vor Ort sind und ihre Kontakte haben. Für diese Frauen bieten wir deshalb inzwischen auch einen Kursus an.

Wie wurde den LandFrauen aus den Ortsvereinen und Kreisverbänden Gelegenheit gegeben, Fragen loszuwerden und eigene Ideen einzubringen?
Durch die Gruppenarbeit. Die Frauen konnten sich so in kleiner Runde
 mit verschiedenen Aufgabenstellungen auseinandersetzen, sagen, welche Ziele sie haben, vor allem aber wie sie das umsetzen wollen. Es war durchaus eine Zukunftswerkstatt, in der alle Ideen erlaubt, ja erwünscht waren. Ulrike Michaelis, Referentin der Geschäftsstelle, ermuntert die Teilnehmerinnen der Konferenzen gerne mit dem Satz: „Eine Vision oder ein Ziel ist der Aufnahmestopp“, wie wir ihn vielleicht früher vom Tennis- oder vom Golfverein kennen. Das hat den Frauen auf jeden Fall viel Raum für ihre Ideen und Vorstellungen gegeben.

Was passiert jetzt mit all den guten Vorschlägen und Anregungen?
Sie werden in die künftige Arbeit einfließen. So gibt es zum Beispiel auf jeden Fall noch Defizite bei der Homepage der Ortsvereine. Wir planen deshalb für das kommende Jahr einen Kursus: Wie komme ich in vier, fünf Schritten zur eigenen Homepage? Denn einen guten Internetauftritt verlangen heute die neuen Mitglieder. Man informiert sich zunächst über das Internet, bevor die persönliche Ansprache kommt.

Sie haben auf der jüngsten Regionalkonferenz einmal mehr das Thema nicht mehr „zeitgemäßer“ Mitgliedsbeiträge angesprochen. Warum bestehen Sie so vehement darauf, dass die Ortsvereine die Mitgliedsbeiträge auf den Prüfstand stellen?
Weil eigentlich jede Ortsvorsitzende weiß, dass sie den normalen Geschäftshaushalt mit diesem niedrigen Beitrag nicht leisten kann. Wir sind alle ganz fleißig, machen ganz viel im Ehrenamt, machen etwas auf Kosten der privaten Haushaltsmittel, aber das ist nicht mehr zeitgemäß. Die Referenten sind teurer geworden, aber unsere Beiträge haben sich nicht angepasst. Das Ergebnis ist, dass das Niveau der angebotenen Vorträge und das Programm in den Ortsvereinen eigentlich nicht mehr unserem Anspruch gerecht wird. Wenn Bingonachmittage und Ausfahrten angeboten werden, ist das in meinen Augen durchaus okay, aber man soll auch nicht vergessen, dass wir auch ein Niveau zu halten haben. Wenn ich höre, dass es vor allem darum geht, dass die Veranstaltungen möglichst wenig kosten sollen, tut mir das manchmal weh in den Ohren. Unsere Vereine hatten früher ein ganz hohes Niveau an Vorträgen. Das war wirklich gut. Wenn mir die Referenten heute sagen:  „Zu den LandFrauen gehe ich nicht, die wollen ja nichts ausgeben“, dann trifft mich das.

Zu niedrige Mitgliedsbeiträge waren auch auf der dlv-Mitgliederversammlung in Hannover ein Thema ...
... Ja, das ist längst bundesweit ein Problem. Das zeigen auch unsere Treffen auf Bundesebene in Berlin. Wenn dort die Haushaltszahlen der Ortsvereine an die Wand gebeamt werden, wird klar, dass die Beiträge von 13 oder  20 € pro Jahr nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. Auf dem Seminar mit den Kassenführerinnen habe ich sofort gemerkt, dass diese Vorstandsdamen ganz genau wissen, was sie in ihrer Kasse haben und dass sie damit eigentlich nicht klarkommen können. Oft hängt die Kassenlage vom guten Ertrag eines Basars oder Weihnachtsmarktes ab. Und wenn der ausfällt, geht es an die Rücklagen. So kann man nicht arbeiten. Das entspricht nicht mehr dem modernen Bild, das die LandFrauen mit ihrer Arbeit vermitteln wollen. Der Verein braucht finanziellen Spielraum, ohne von den Rücklagen zu zehren.

Sie haben als Präsidentin mit den Präsidiumsmitgliedern des Landesvorstandes bei den Regionalkonferenzen aktiv in den Arbeitsgruppen mitgearbeitet. Welche Erkenntnis war für Sie persönlich die herausragendste?
Das Gemeinschaftsgefühl. Es ist egal, ob wir uns bei einer Regionalkonferenz oder mit den Kreisvorständen treffen, die Atmosphäre ist immer herzlich, und die LandFrauen sind mit Eifer dabei, wollen auch mit einem Ergebnis nach Hause kommen. Da fühlen wir uns als Landesvorstand auch in die Pflicht genommen und bieten eben die gewünschten Seminare wie zum Thema Homepage an.

Wird es auch künftig Regionalkonferenzen geben?
Ja, und wir wollen versuchen, sie nicht nur in dieser Form anzubieten, sondern vielleicht ganz einfach mal Nord und Süd zusammenzubringen. Ich denke, das wird auch künftig eine ganz spannende Sache sein, den Frauen diese Möglichkeit zum  überregionalen Austausch  zu bieten. So wie man uns eben auch in Berlin beim Deutschen LandFrauenverband die Möglichkeit gibt, von anderen zu lernen. Wir dürfen nicht stillstehen und uns auf vergangenen Erfolgen ausruhen.     
Interview: Kathrin Iselt-Segert

       
     
           


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