Landfrauen/Landjugend
21.06.2010 -
14.571 Unterschriften untermauern Forderung nach Breitbandversorgung
Die Forderung des Deutschen LandFrauenverbandes nach einer Breitbandversorgung für alle untermauerten dlv-Präsidentin Brigitte Scherb (li.) und dlv-Geschäftsführerin Dr. Evelyn Schmidtke mit 14.571 Unterschriften, die sie Bundesministerin Ilse Aigner übergaben. Foto: Reiner Freese/dlv
Bild 2: Zum Deutschen LandFrauentag in Hannover kamen 3.000 „LandFrauen, die viel bewegen“ – so ihr Motto – in die niedersächsische Landeshauptstadt. Gelegenheit auch für Vertreter aus Schleswig Holstein, mit dlv-Präsidentin Brigitte Scherb (li.) ins Gespräch zu kommen. Hier der Generalsekretär des Bauernverbandes, Peter Paulsen, LandFrauenpräsidentin Marga Trede und Bauernpräsident
Werner Schwarz (v. r.).Foto: Kathrin Iselt-Segert
Hannover ist derzeit wie kaum eine andere deutsche Stadt in aller Munde. Lena Meyer-Landrut begeistert seit ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest Tausende Fans. Und auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff steht, seitdem er für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert, im Mittelpunkt des Medieninteresses. In diesen bewegten Wochen passte in der niedersächsischen Landeshauptstadt das Motto, unter dem sich gut 3.000 LandFrauen und Ehrengäste im Kuppelsaal des Hannoveraner Congress Centrums trafen, bestens: „500.000 Frauen, die viel bewegen“.
Dabei hatte dlv-Präsidentin Brigitte Scherb in Hannover ein Heimspiel, denn die meisten Besucherinnen kamen aus dem Landesverband, den sie auch als Vorsitzende führt. Der zählt gut 105.000 Mitglieder (in Schleswig-Holstein sind es gut 36.000). Jede fünfte LandFrau in Deutschland kommt damit aus Niedersachsen-Hannover.
Im Kuppelsaal betonte Brigitte Scherb in ihrer Begrüßungsrede, dass sich der dlv als Dienstleister für alle Orts-, Kreis- und Landesverbände sehe. „Unserer Stärke ist die Präsenz in der Fläche“, sagte Scherb und verwies auf wichtige Projekte wie den aid-Ernährungsführerschein.
Für das kommende Jahr rief sie zu einer besonderen bundesweiten Aktion der LandFrauen auf: „Radeln, walken, fahren oder schwimmen Sie zu Ihrem Nachbarverein!“. Im Anschluss an die vom 1. Mai bis 1. September 2011 geplante Aktion soll das Wegenetz, das dabei entstanden ist, symbolisch für die bundesweite Vernetzung und Präsenz der LandFrauen dargestellt werden.
Ärztemangel
im ländlichen Raum
Als frühere aktive Radrennfahrerin griff Ilse Aigner, Bundesministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz, in ihrem Grußwort das Angebot auf und bot an, im Rahmen der Aktion gemeinsam mit den LandFrauen durch Berlin zu radeln.
Hochaktuell ging Aigner auf die Klausurtagung der Bundesregierung ein. Sie machte deutlich, dass auf dem Weg zu einer stabilen Zukunft Einsparungen in vielen Bereichen unumgänglich seien. Für Landwirte sei es schon immer ein Grundsatz gewesen, vom Ertrag und nicht von der Substanz zu leben. Trotzdem räumte sie ein, dass die Einsparungen bei der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz „schmerzlich“ seien. Sie hob aber hervor, dass die sozialen Sicherungssysteme der Landwirtschaft nicht angetastet wurden. Als Herausforderung der Zukunft nannte sie die Ansiedlung von Landärzten. Derzeit seien im ländlichen Raum 700 Stellen für Ärzte frei. Dabei gebe es genug Ärzte, aber nicht dort, „wo wir sie brauchen“. Deshalb gelte es, Anreize zu schaffen, damit junge Ärzte wieder Gefallen am Landleben finden. Als gute Beispiele dafür nannte die Bundesministerin die Integration von Arztpraxen in die Markttreffs in Schleswig-Holstein und das Gemeindeschwester-Prinzip in Mecklenburg-Vorpommern.
Auch das Thema Breitbandversorgung, das den LandFrauen besonders auf den Nägeln brennt, sparte die Bundesministerin nicht aus. Sie versicherte: „In diesem Bereich haben wir nicht gekürzt, das Geld dafür steht bereit.“
Die LandFrauen untermauerten ihre Forderung „Breitband für alle!“ mit 14.571 Unterschriften, die sie an die Ministerin übergaben. Eingehalten werden soll, so mahnen die LandFrauen an, der Plan, bis Ende 2010 alle bisher nicht versorgten Gebiete mit Mindestbandbreiten von einem Megabit pro Sekunde auszustatten und bis 2014 für 75 % aller Haushalte eine „Leitung“ mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde einzurichten.
Zehn Gebote – praktikables
„Minimalprogramm“
Den Festvortrag zum Thema „Zehn Gebote für Unternehmer: Neue Zukunft alter Werte für uns alle“ hielt Dominikanerpater Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels aus Bonn. Als Berater des „Bundes Katholischer Unternehmer“ werde er immer wieder nach Werten gefragt, die für die Gesellschaft von heute wichtig seien. Auf der Suche nach diesen käme die Debatte immer wieder auf die zehn Gebote aus der Bibel. Diese seien nicht nur das „älteste Dokument darüber, was wir tun und was wir nicht tun sollen“, so Ockenfels, sie seien auch „ungemein praktisch und immer aktuell“. Verglichen mit der steigenden Paragrafenflut des Rechts- und Sozialstaates bildeten sie ein „Minimalprogramm“. Aber auch im privaten Bereich steige angesichts der Komplexität des heutigen Lebens die Sehnsucht nach einfachen Werten. Dabei kritisierte Ockenfels, dass Menschen, auch in der Elite der Gesellschaft, heutzutage oft nicht bereit seien, das zu geben, was sie von anderen erwarten. „Wer sich an die zehn Gebote hält und sie in seinen Lebens- und Berufssituationen anwendet, verhält sich auf keinen Fall zu seinem Nachteil“, lautete des Fazit des Theologen.
Auszeichnungen und
drei Mal 1.000 Euro
Nach Bayern, Niedersachsen, Weser-Ems und Mecklenburg-Vorpommern gingen in diesem Jahr die Auszeichnungen, die beim LandFrauentag traditionell vergeben werden. Aus 30 Kandidatinnen wurden die drei „LandFrauen des Jahres“ ausgewählt, eine Ehrung, die die heutige Ehrenvorsitzende des Deutschen LandFrauenverbandes, Erika Lenz, einst initiiert hatte. Ausgezeichnet wurden: Mathilde Ahle, Kreisbäuerin im Kreisbauernverband Neuburg-Schrobenhausen in Bayern; Renate Wölfel vom LandFrauenverein Harsefeld und Umgebung, LandFrauenverband Niedersachsen-Hannover, sowie Hildegard Kuhr von der Kreisarbeitsgemeinschaft der LandFrauen in der Grafschaft Bentheim im LandFrauenverband Weser-Ems. Alle drei Frauen nahmen zudem jeweils 1.000 € für die künftige Arbeit mit in ihre Heimatverbände.
Die höchste Auszeichnung des Deutschen LandFrauenverbandes, die Goldene Biene, wurde Heidemarie Becker, Vorsitzende des LandFrauenverbandes Mecklenburg-Vorpommern, sowie dlv-Präsidentin und Landesvorsitzende in Niedersachsen-Hannover, Brigitte Scherb, verliehen.
Diese verabschiedete die 3.000 LandFrauen nach ihrem „Heimspiel“ in Hannover bis zum nächsten Deutschen LandFrauentag, der 2012 in der Region Weser-Ems stattfinden wird.
Kathrin Iselt-Segert





