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20.01.2012 -  

Lasse Abraham aus Pölitz war Volontär auf der Tierrettungsstation Harnas in Namibia

Bild - Lasse Abraham aus Pölitz war Volontär auf der Tierrettungsstation Harnas in Namibia

Foto 1: Volontär Lasse Abraham begleitet eine Herde junger Löwen bei ihren ersten vorsichtigen Schritten in der Auswilderungszone der Tierrettungsstation Harnas.

Foto 2: Arbeitspause mit zahmem Gepard: Auch am Rande der Kalahariwüste ist Lasses Fußballverein aus Stormarn präsent – im Geiste und auf dem T-Shirt.

Fotos: privat
 

Wo Wildkatzen langsam wieder wild werden

Abenteuer Afrika: Die Harnas-Farm in Ostnamibia bietet bedrohten und bedürftigen Tieren einen Schutzraum sowie die Chance auf ein Leben in Freiheit. In der TV-Dokuserie „Das Waisenhaus für wilde Tiere“ (montags bis freitags 16.10 Uhr, ARD) können die Zuschauer das Leben auf der ungewöhnlichen Tierrettungsstation hautnah miterleben. Als Volontär mit Erfahrung ist der heute 22-jährige Lasse Abraham dabei, der aus Pölitz bei Bad Oldesloe stammt.

Vier Löwen und ein Mann erkunden gemeinsam die Wildnis. Im respektvollen Abstand führt Lasse Abraham die halbzahmen Raubkatzen spazieren. In der „Life Line“ der Harnas-Farm, mitten in der Savanne Namibias, sollen die mit der Flasche aufgezogenen Tiere an ein Leben in der Natur gewöhnt werden. Kein leichter Job, denn die „Life Line“ ist ein 8.000 ha großes Auswilderungsgelände, in dem die von Menschen betreuten Wildtiere ihre Urinstinkte langsam wiederentdecken. Am Rande der Kalahariwüste, rund 300 km östlich von Namibias Hauptstadt Windhoek, lernen die wilden Tiere wieder wild zu sein.

„Wir wählen für unsere kleinen Ausflüge bewusst die Mittagshitze, weil die Löwen dann träge und besser einzuschätzen sind“, sagt Lasse Abraham. Die Anwesenheit der Menschen gebe den Großkatzen die nötige Sicherheit bei ihren ersten Schritten auf unbekanntem Terrain. „Das Leben in der Wildnis ist für sie ja noch völlig neu.“ Die Raubtiere haben noch nie selbst gejagt. Sie müssen erst lernen, ihre Umgebung einzuschätzen, Beute zu erkennen und Gefahren zu meiden. Er selber habe bei diesen Spaziergängen keine Angst, aber gehörigen Respekt, gesteht Lasse Abraham: „Großkatzen sind keine Kuscheltiere, sie bleiben immer wild. Und Harnas ist kein Streichelzoo.“

Der 22-jährige Tierfreund aus Norddeutschland war schon dreimal als „Volonteer“ auf der Tierrettungsstation der „Harnas Wildlife Foundation“. Während seines jüngsten Besuchs im Frühjahr 2011 wurde er bei seiner Arbeit von einem Kamerateam der ARD begleitet, das auf der Farm die täglichen Folgen für die ARD-Dokureihe „Das Waisenhaus der wilden Tiere“ gedreht hat. Lasse Abraham ist von seiner Mission überzeugt. Harnas bedeutet übersetzt Schutzschild. „Der Grundgedanke ist, Tiere, die verwaist, verwahrlost, verletzt waren oder beschlagnahmt worden sind, vor der Tötung zu bewahren und ihnen die Chance auf ein Leben in Freiheit zu geben.“ Das letzte Ziel sei immer, die geretteten Tiere oder großgezogenen Waisen Schritt für Schritt wieder in die Wildnis zu entlassen. Damit sei Harnas ein wichtiger Zufluchtsort und eine Art Arche Noah jener wilden Tiere, die in Afrika vom Aussterben bedroht sind. „Neben Raubkatzen, Hyänen und Schakalen zählen auch Wildhunde zu den stark bedrohten Tierarten in Afrika“, bestätigt der Zoo- und Wildtierarzt Wolfram Rietschel, der sich selber einige Wochen auf Harnas aufhielt. „Man schätzt, dass es in ganz Namibia nur noch rund 150 Wildhunde gibt. Ein guter Teil davon lebt auf Harnas.“ Deshalb sei das Projekt vorbildlich und „immens wichtig“.

Landesweiten Schutz benötigen auch die Löwen. Sie liegen Lasse Abraham besonders am Herzen: „Ihre Zahl reduziert sich dramatisch.“ Dabei gehe die Hauptbedrohung vom Menschen aus: von Jagdtouristen, Trophäenjägern und einheimischen Farmern, die ihr Vieh durch Raubtiere bedroht sehen und diese als Konkurrenten empfinden. Sein dringender Appell lautet deshalb: „Wenn wir nicht jetzt etwas tun, wird der Löwe in Afrika bald ausgerottet sein.“

Abrahams alarmierende Botschaft wird von der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) untermauert: Nach aktuellen Erhebungen leben heute nur noch 16.000 bis 30.000 Großkatzen in freier Wildbahn. Die Naturschützer gehen davon aus, dass die Löwenbestände in den letzten zwanzig Jahren weltweit um 30 bis 50 % zurückgegangen sind. Einen maßgeblichen Einfluss auf diese schwindende Population hat die Nutzung weitläufiger Areale Afrikas als Viehweiden oder landwirtschaftliche Anbauflächen. Auch Namibia ist ein ausgeprägtes Farmland. „Es gibt hier kaum noch Gebiete, die nicht umzäunt sind“, beklagt Lasse Abraham. „Und damit gibt es kaum noch einen Lebensraum für die Wildtiere, deren eigentlich Heimat das doch ist.“

Dieses Problem erkannte die holländische Familie van der Merwe, als sie vor 28 Jahren den Grundstein für die Harnas Foundation legte. Damals kaufe Marieta van der Merwe einem Mann am Rande der staubigen Landstraße irgendwo in Namibia einen ausgemergelten kleinen Affen ab, den er an einem Strick mit sich führte. Das war die Geburtsstunde für eine der größten Farmen im südlichen Afrika, die sich um verwaiste und verwundete Wildtiere kümmert.

Heute besteht das rund 100 km2 umfassende Anwesen der inzwischen international angesehenen Harnas-Farm aus Farmgebäuden, einer Tierklinik, mehreren großen Freigehegen für die bedürftigen Patienten und einem kleinen Dorf für die freiwilligen Helfern aus Europa und den USA. Ein gut organisiertes Tierparadies aus Menschenhand. Das Non-Profit-Unternehmen, das bereits in der zweiten Generation von den van der Merwes geführt wird, finanziert sich durch Spenden, Merchandising und Volontäre wie Lasse Abraham, die für ihren Arbeitsaufenthalt bis zu 500 € pro Woche zahlen. „Dafür hatte ich eine ganze Weile gespart“, sagt der hauptberufliche Werbekaufmann und ergänzt: „Aber meine Erfahrungen dort sind unbezahlbar.“ Durch den engen Kontakt mit den Tieren lerne man auch eine Menge über sich selbst. Vor allem das Unerwartete zu erwarten.

Das meiste Geld fließt in die Versorgung der rund 400 Tiere, unter anderem Geparden, Leoparden, Löwen, Giraffen, Antilopen, Paviane und Krokodile. Auch hat die Farm ein eigenes Ausbildungsprogramm entwickelt und führt regelmäßig einheimische Schulkinder an die namibische Tierwelt heran. Die wenigsten Einheimischen kennen die Tiere ihrer Heimat und begegnen ihnen mit Unverständnis und Furcht. Aus blanker Angst werde dann häufig zu schnell getötet.

Dass jedes Leben wertvoll und schützenswert ist, davon sind nicht nur die praktizierenden Christen der Familie van der Merwe überzeugt. Auch Lasse Abraham glaubt fest an das Gute in Mensch und Tier: „Wer einmal mit einem Löwen Freundschaft geschlossen hat, wird auch seine Artgenossen nicht erschießen.“

Claudia Pless

 

Aus Stormarn in die Kalahari

Lasse Abraham zog es schon als kleiner Junge in die Natur und zu den Tieren. In seinem Elternhaus in Pölitz gab es immer jede Menge Vierbeiner: Kaninchen, Ratten, Meerschweinchen, Schildkröten, Katzen und Hunde. Nach seinem Abitur am Gymnasium Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe wollte sich Lasse einem Tierschutzprojekt widmen, „am liebsten in Afrika“. Im Internet stieß er auf die Harnas-Farm in Namibia. Schon bei seinem ersten Besuch 2008 ließ ihn die Arbeit der afrikanischen Tierschützer am Rande der Kalahariwüste nicht mehr los. 2009 folgte ein weiterer Aufenthalt, 2011 blieb er sogar drei Monate lang auf der Farm. Mit jedem Besuch setzte Familie van der Merwe mehr Vertrauen in den heute 22-Jährigen, sodass Lasse sogar die Betreuung der Löwen übernehmen durfte. So bald wie möglich will der Tierfreund, der inzwischen als Werbekaufmann in Hamburg arbeitet, wieder zurück, um gemeinsam mit seiner Freundin in einem Landrover den Süden Namibias erkunden.

Noch immer ist der Fußballfan seinem ehemaligen Heimatverein SV Eichede verbunden. Die Einnahmen beim nächsten Benefizturnier sollen dem Kindergarten der Harnas-Farm zugutekommen.


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