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26.08.2011 -
Widersprüchliche Schilder am Lenz-Teich bei Gelting
Er nahm 1992 die Schenkungsurkunde von Siegfried Lenz entgegen: Rainer Moll mit seinen Enkeln. Fotos: Hans-Joachim Köhler
„Geschenkter Gaul“ hinter Stacheldraht
Wer den Ostseedeich von Wackerballig zum Naturschutzgebiet am Geltinger Noor wandert, kann abseits in den Niederungen ein etwas versteckt liegendes eingezäuntes Areal erblicken. Zwei Schilder, deren Aufschriften sich zu widersprechen scheinen, sind hier aufgestellt. Das eine stammt von der Gemeinde Gelting und besagt, dass 1992 der Schriftsteller Siegfried Lenz diese naturnahe Land- und Wasserfläche der Kommune geschenkt hat. Wenige Schritte weiter steht zu lesen: „Betreten und Angeln verboten – der Pächter.“
Neuerdings haben Urlauber im Internet ihren Unmut darüber bekundet, dass diese Oase der Ruhe, zu der ein stattlicher Teich mit einem dichten Schilfgürtel gehört, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Die härteste Formulierung lautet: Es sei doch nicht nachzuvollziehen, dass die Gemeinde Gelting einen „geschenkten Gaul“ an einen „Stacheldrahtliebhaber“ verpachtet habe. Ein anderer Kritiker schreibt, der Pächter habe mit Stacheldraht nicht gespart. Seine Frage: „Ob das im Sinne von Siegfried Lenz war?“
Kein anderer kennt die Antwort besser als der ehemalige Geltinger Bürgermeister Rainer Moll (66). Er bekleidete dieses Amt von 1986 bis 1996 – also auch zu Zeiten der Schenkung des Literaten. Moll, heute zweiter Vizebürgermeister von Kappeln, erinnert sich noch genau daran, als im Frühjahr 1992 ein ihm Fremder an die Fensterscheibe des Bürgermeisterbüros klopfte und sich als Siegfried Lenz zu erkennen gab. Der Romancier fragte an, ob die Gemeinde Gelting sein Eigentum hinter dem Deich als Geschenk annehmen würde. „Ja gerne!“, antwortete das damalige kommunale Oberhaupt.
In den Jahren um 1970 hatte Lenz mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau die Sommerferien regelmäßig in Dänemark verbracht. Auf dem langen Weg gen Norden suchte er eine Zwischenstation, eine Art grüne Raststätte. In das heute „Lenz-Teich“ genannte Idyll verliebte er sich bei seiner Suche auf Anhieb. Moll: „Der Landeigentümer verlangte die stolze Summe von 180.000 DM, und Lenz bezahlte.“
Die naturnahe Land- und Wasserfläche misst insgesamt 4,2 ha. Schätzungsweise zehn Jahre lang verweilte der Literat an schönen Sommertagen auf seiner Wiese mit ihrem 10 m tiefen Teich. Zu den Kuriositäten gehörte, dass das Ehepaar Lenz die Karpfen im Teich mit selbst gebackenem Pflaumenkuchen zu verwöhnen pflegte. Schon der Amtsvorgänger von Rainer Moll hatte dem Verfasser der „Deutschstunde“ verdeutlicht, dass die Behörden auf diesem abseits gelegenen Gelände „keine bauliche Entfaltung“ zulassen würden.
Doch der Grund für die Schenkung des Lenz-Teiches hatte mit dem Bebauungsverbot nichts zu tun. Der berühmte Autor entschloss sich nämlich, sein Domizil in Dänemark aufzugeben und seinen Sommersitz nach Tetenhusen zu verlegen. Deshalb war ihm der Weg nach Gelting zu umständlich geworden. Rainer Moll: „Fest steht, dass Siegfried Lenz mit der schriftlich vereinbarten Grundstücksübertragung an die Gemeinde keinerlei Auflagen verband.“ Bei der feierlichen Übergabe der Schenkungsurkunde am 15. Mai 1992 las Lenz im Geltinger Landkrog aus seinen Werken, und Moll überreichte ihm ein Bild mit einem Angelner Landschaftsmotiv und Pflanzkartoffeln für seine Beete in Tetenhusen.
Der Lenz-Teich wurde später eine Zeit lang mit fünf Anglerstegen ausgestattet, doch als sich zeigte, dass häufig Fischdiebe auftauchten und dass auf dem Gelände wilde Partys mit Unmengen an Müll als Hinterlassenschaft stattfanden, wurde das Areal gesperrt. So ist es bis dato geblieben.
Der heutige Geltinger Bürgermeister Uwe Linde bestätigt: „Der Teich ist verpachtet, und die Pachteinnahmen stehen allen Bürgern der Gemeinde Gelting zur Verfügung.“ Wie die Gemeinde diese Gelder einsetze, sei allein ihre Sache.
Hans-Joachim Köhler





