Schleswig-Holstein

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Familie/Freizeit/Land und Leute

25.08.2010 -  

Dreschfest auf dem „Holm“ bei Borstel

Bild - Roggenernte mit einem gezogenen Selbstbinder.
© Foto: Karsten Paulsen


Eine Mini-Norla mit Nostalgiecharakter


Zu einem großen Familientreffen geriet das zünftige Dreschfest des Vereins „Oldie-Schlepperfreunde Raum Segeberg“ auf dem „Holm“ zwischen Borstel und Seth im Kreis Segeberg. Über 1.500 Besucher und Fans alter landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte gaben sich an den zwei Tagen bei schönem Wetter mit Kind und Kegel ein Stelldichein. Die eintrittsfreie Veranstaltung erinnerte an eine Mini-Norla mit Nostalgiecharakter. „Im nächsten Jahr folgt im Wechsel das Schau- und Leistungspflügen des Vereins“, kündigte Vorsitzender Helmut Steenbock (62) aus Oering an.


In Reih und Glied standen auf der Koppel gut gepflegte alte Schlepper, Pflüge, Anhänger, Heuwender, Geräte zum Torfstechen – und ein ganz moderner Traktor zum Vergleich. Vorgeführt wurde auf dem Gelände zur Freude der großen und kleinen Besucher, wie früher Getreide und Kartoffeln geerntet, Garben gedroschen, Korn gemahlen und Busch gehackt wurde.


Moderator Ernst-Günter Wilke gab fachkundige Erläuterungen, vor allem für die Jüngeren, die die Landwirtschaft von anno dazumal nicht miterlebt hatten. Seine Ehefrau Tanja und Rainer Lange boten stimmungsvolle Livemusik. Die Vereinsmitglieder in ihren roten T-Shirts, blauen Jacken und dunklen Hosen beantworteten gern die zahlreichen Fragen der Besucher, die oft staunend und anerkennend die Vorführungen verfolgten.


Dafür ließen sie sich gern einmal einstauben, wenn das Glanzstück des Vereins, die restaurierte, 51 Jahre alte Fricke-Großdreschmaschine „Bündnis 25“ in Aktion trat. Hautnah erleben konnten die Besucher außerdem die Getreideernte mit einem gezogenen Selbstbinder, einem Mähdrescher und einem „Selbstfahrer“ aus längst vergangenen Tagen. Dass es auch einmal beim Selbstbinder „stockte“ und einen „Bandsalat“ gab, der aber zügig behoben wurde, spiegelte den landwirtschaftlichen Alltag von früher ungewollt wider.


Viel Spaß hatten die Liebhaber von Bratkartoffeln, denn beim Kartoffelroden von Rudolf Diekmann mit der einreihigen „Hexe“ aus dem Jahre 1940 konnten sie die Erdäpfel sammeln und für einen geringen Preis mit nach Hause nehmen.


Beim Feldgottesdienst mit rund 100 Teilnehmern erinnerte Pastor i.R. Hartmut Nielbock (71) aus Seth daran, dass das Dreschen nach alter Art für die Menschen „ein Kraftakt“ gewesen sei. Gemeinsam sangen die Besucher das Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“.


Das Dreschfest stand im Zeichen des 25-jährigen Vereinsjubiläums. „Sieben Liebhaber historischer Traktoren und Geräte gründeten den Club vor einem Vierteljahrhundert“, erläuterte Vorsitzender Steenbock. Heute hat der Verein 77 Mitglieder, 29 von ihnen gehören der Frauengruppe an. Viele besitzen alte Schlepper, die sie zu den Treffen und Festen herausputzen und stolz vorführen. Von den Gründungsmitgliedern sind noch für den Verein im Einsatz: der zweite Vorsitzende Gerhard Kruse, der die Geschichte des Vereins in einer Bilderausstellung dokumentierte, Siegmund Kruse, Jan Fölster, Hein Borchers und Kassenwart Hinrich Fölster. Das älteste Mitglied ist der 77-jährige Karl Blauet aus Groß Niendorf. Die jüngste „Schrauberin“ des Vereins, die 15-jährige Schülerin Julia Wilke aus Nienwohld, ist gerade dabei, den Kleinen Treckerführerschein zu erwerben.


Mitglied könne jedoch jeder werden, betont der Vorsitzende. „Die Zusammenkünfte finden jeden letzten Freitag eines Monats ab 20 Uhr im Clubraum in Groß Niendorf (Traden2), Kreis Segeberg, statt. Gäste sind jederzeit willkommen.“


Karsten Paulsen


 


 



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