Familie/Freizeit/Land und Leute
06.08.2010 -
„Chefsache“
Künstlerbund macht im Rendsburger Arsenal auf die Folgen der Sparmaßnahmen aufmerksam
Foto 1: Wenn die Kunst zur „Chefsache“ erklärt wird, geht sie unter.
Foto 2: „Chefs unter sich“ hat Dieter Petersen sein Bild mit sechs bunten Vögeln genannt, von dem hier ein kleiner Ausschnitt zu sehen ist.
Fotos: Tonio Keller
Wenn die Sparflamme zündet
„Es gibt Wichtigeres als Kunst, das ist doch nur das Sahnehäubchen obendrauf. Warum soll dafür Geld übrig sein?“ – Diese Ansicht scheint sich mehr und mehr durchzusetzen, besonders bei den Politikern, die Sparpakete schüren, aber auch in der allgemeinen öffentlichen Meinung. Dem widerspricht der Künstlerbund Rendsburg-Eckernförde – und natürlich tut er das mit künstlerischen Mitteln: Mit einer Ausstellung im Rendsburger Arsenal macht er darauf aufmerksam, welche Folgen die immer weitergehenden Mittelkürzungen in der Kultur haben. Der Titel der Ausstellung lautet, in gewollter Anspielung auf das Sparpaket von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen: „Chefsache“.„Wenn es hier keine Musikschule, keine Museen, keine Bücherhalle mehr gibt, wenn die Volkshochschule angegriffen wird, dann wird Rendsburg eine Schlafstadt. Den Ingenieur möchte ich sehen, der sich hier ansiedelt und seine Familie in die Wüste schickt!“ So malt Dr. Martin Westphal, der Leiter der Museen im Kulturzentrum Rendsburg, die Zukunft aus, wenn der Kunst und der Kultur immer weiter der Geldhahn zugedreht wird.
Als Beispiel dient sein Haus, das Rendsburger Arsenal: 30 % Kürzungen bei den Sachmitteln muss er hinnehmen, zudem bekommt er dieses Jahr keine Volontärstelle bewilligt. Die Ausstellung, mit der sich der Künstlerbund Rendsburg-Eckernförde traditionell alle vier Jahre präsentiert und die nun wieder an der Zeit war, findet nur deshalb statt, weil sich die Künstler bereit erklärten, sie mit eigener Arbeitskraft und eigenen Mitteln zu finanzieren. „Damit haben sie uns als Ausstellungsstätte unterstützt“, betont Westphal. Das heißt im Klartext: Vom Transport über das Ein- und Auspacken, das Aufhängen, die Beleuchtung, die Werbung haben die Künstler alles selbst geleistet beziehungsweise aus eigener Tasche bezahlt. „Als angemessenes Budget hätte ich dafür 3.000 € ansetzen müssen“, hat Westphal ausgerechnet. Natürlich wurde an vielem gespart: Es gibt keinen Sekt zum Empfang, keine Rede eines Kunstwissenschaftlers, keine Plakate.
25 der rund 30 Mitglieder des Künstlerbundes haben sich beteiligt, „was eine hohe Bereitschaft zeigt“, so der Museumsleiter, „und eine solche Gruppenausstellung ist nicht ohne, nicht leicht zu bewältigen“. Jeder Künstler stellt zwei Werke aus, von denen eines sein aktuelles Schaffen widerspiegelt und eines das Thema Sparmaßnahmen thematisiert.
„Fein“, könnte manch einer da sagen, „geht doch auch so!“ Doch als Dauermodell wollen es Museumsleiter und Künstler keinesfalls verstehen. „Wir müssen von unserer Arbeit leben. Kunst kann nicht durch die bezahlt werden, die sie machen.“
Die Ausstellung ist noch bis zum 5. September zu sehen.
Tonio Keller





